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Influencer im Namen Gottes – funktioniert das? | BR24

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Kann man mit einer alten Geschichte heute noch Menschen begeistern? Und wie? Die Kirchen stellen sich gerade diese Frage. Einige versuchen mit Influencern in den sozialen Medien ihr Botschaft zu verbreiten. Doch so einfach ist die Sache nicht.

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Influencer im Namen Gottes – funktioniert das?

Kann man Jüngere für den Glauben gewinnen, indem die frohe Botschaft über soziale Medien verbreitet wird? Die Evangelische Kirche hat eine gläubige Medizinstudentin als Influencerin engagiert, ein freikirchlicher Pastor setzt auf Lebenshilfe.

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"Es bringt nichts, die geilste Botschaft der Welt zu haben, wenn niemand sie hört", sagt Marcus Schneider und meint damit die Bibel. Schneider ist Pastor in der freikirchlichen Christusgemeinde in Wuppertal – und Influencer. Auf Instagram, Youtube und Facebook bezeichnet er sich als der "Breiteste Pastor Deutschlands" Breitester Pastor, weil er vom Bankdrücken breit ist wie ein Schrank. Schneider ist nämlich nicht nur Pfarrer, sondern auch auch Kraftsportler.

Christfluencer: Der breiteste Pastor Deutschlands

Auf Instagram – seinem Hauptkanal – hat er mehr als 21.000 Follower. Auf Youtube hat sein beliebtestes Video ebenfalls mehr als 20.000 Klicks. Gemessen an den großen Accounts ist das zwar verschwindend wenig. Weltstars wie der Fußballer Christiano Ronaldo haben Millionen Follower. Aber für einen christlichen Account ist Pastor Marcus einer der ganz Großen unter den sogenannten Christfluencern, den christlichen Influencern.

Es sind direkte Botschaften, mit denen der Pastor seine Follower anspricht: "Du kannst mit Gottes Hilfe die Dinge entscheiden. Sei mutig und stark!" Und auch vom Erscheinungsbild ist Marcus Schneider ein Hingucker: Er hat einen langen Vollbart und tritt meistens mit nacktem Oberkörper vor die Kamera. Dieser ist voll mit Tattoos und dick bepackt mit Muskeln.

Kein theologischer Tiefgang, sondern eigene Erfahrungen

Er habe "keinen Bock, was vorzuspielen", sagt der Pastor. Seine Follower schätzten an ihm, dass er "echt" ist. Zudem habe er "immer erlebt, dass Sport eine unglaubliche Brücke ist". Mit einer Mischung aus Kraftsport und Glaube ist Marcus Schneider erfolgreich in den Sozialen Medien. Theologischen Tiefgang findet man bei ihm dagegen selten.

"Ich möchte nicht theologisch daherquatschen, wo keiner anknüpfen kann. Sondern ich glaube, es ist immer ganz wichtig, von seinen eigenen Kämpfen zu erzählen, von sich: Was macht es mit Dir, wo gibt es mir Hoffnung, wo gibt es mir Kraft?", so der Pastor. Und er fügt hinzu: "Als Coach möchte ich dann anderen Leuten weiterhelfen, sie stark machen und suche immer sehr alltagstaugliche Bilder."

Beliebtes Thema: "Disco, Sauna, Bikinifotos – was darf ich als Christ tun?"

Im nicht virtuellen Leben ist Schneider Pastor einer Pfingstgemeinde. Dort wird die Bibel wörtlich genommen und es gibt klare Regeln. Etwa: kein Sex vor der Ehe. Auch Homosexualität auszuleben wäre nicht von Gott gewollt. Scheidungen oder Abtreibungen sind ebenfalls tabu.

In den sozialen Medien finden freikirchliche Kanäle mit diesen Themen, für die sie sonst häufig in der Kritik stehen, großen Zulauf. Beliebte Themen sind zum Beispiel: "Disco, Sauna, Bikinifotos - was darf ich als Christ tun?", "Warum Evolution und Schöpfung sich nicht widersprechen müssen" oder "Verbietet Gott mir Alkohol?"

Evangelische Kirche beschäftigt eigene Influencerin auf Youtube

Das sind auch Themen, mit denen sich die 21-jährige Medizinstudentin Jana Highholder auf ihrem Youtube-Kanal beschäftigt. Sie ist allerdings nicht bei einer Freikirche, sondern die offizielle Influencerin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Vor eineinhalb Jahren startete die EKD das Youtube-Format "Jana glaubt" mit der damals 20-Jährigen, die eigentlich Jana Hochhalter heißt und Erfahrung als Poetry-Slammerin hatte. Ergänzt wird der Youtube-Channel mit Postings und Stories auf Instagram und Facebook.

Die Hoffnung der Evangelischen Kirche: Vor allem die Jüngeren zwischen 14 und 29 Jahren damit zu erreichen. Nach knapp eineinhalb Jahren hat der Kanal 15.000 Follower. Zum Vergleich: Deutschlands bekannteste Youtuberin Bibi Heineke hat mit ihrem Kanal "Bibis Beauty Palace" 5,6 Millionen Abonnenten. Und auch Rezo, der kurz vor der Europawahl mit seiner Kritik an den großen Parteien bekannt wurde, hat knapp eine Million Abonnenten.

Jana erklärt Glauben anhand ihres Alltags

Was das Projekt "Jana glaubt" kostet, will die Kirche nicht veröffentlichen. Die Videoclips sind hochprofessionell von einer Agentur erstellt. Dennoch soll alles so authentisch wie möglich rüberkommen: Jana redet vor allem über ihr Leben, ihr Medizinstudium und was Gott mit alldem zu tun hat. Mal sitzt sie im Studio mit einem Gast, mal nimmt sie die Zuschauer mit in ihren Alltag. Mal frühmorgens im Schlafanzug oder verweint mit Brille im Wohnzimmer kurz vor einer wichtigen Prüfung.

In ihrem ersten Videoclip auf Youtube stellt sie klar, welche Bedeutung der Glaube für sie hat: "Ich persönlich bin evangelisch und gehe in eine evangelische Kirchengemeinde. Und Glaube findet statt, wenn wir Gottesdienste feiern, wenn wir Lieder singen, wenn wir gemeinsam beten. Füreinander, miteinander. Dann findet Glaube statt. Aber Glaube ist für mich etwa, was nicht nur sonntags, sondern 24/7 stattfindet. In meinem Leben. Das ist nämlich nicht Teil meines Lebens oder gehört irgendwie dazu, sondern ist Fundament meines Lebens."

Evangelische Kirche verlängert Projekt mit Jana

In ihren Aussagen wird deutlich: Jana Highholder ist in einer freikirchlichen Gemeinde großgeworden. Und ihre konservativen Auffassungen brachten ihr schon einiges an Kritik ein. Besonders ihre Ansicht zur Rolle der Frau wurde kritisiert. Trotz der Kritik: Die Evangelische Kirche wertet den Kanal als Erfolg und hat vor kurzem eine Verlängerung des Projekts um ein Jahr beschlossen.

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