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Eine steinerne Nachbildungen der Flugblätter der "Weißen Rose" vor der Ludwig-Maximilians-Universität in München

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    Sophie Scholl – Widerstand getragen von christlichem Glauben

    Sie ist eine Ikone des Widerstands gegen die Diktatur des Nationalsozialismus. Sophie Scholl wurde wegen ihres Einsatzes hingerichtet. Getragen wurde ihr Handeln von einem tiefen christlichen Glauben. Eine Erinnerung.

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    Von
    • Barbara Schneider

    Die Erinnerung an Sophie und ihren Bruder Hans Scholl prägt die Ludwig-Maximilians-Universität in München vielfach: Schon vor dem Haupteingang erinnern steinerne Nachbildungen der Flugblätter der „Weißen Rose“ an ihren Widerstand gegen das NS-Regime.

    Im Herzen des Hauptgebäudes, unmittelbar neben dem Lichthof, in dem die Geschwister das verhängnisvolle sechste Flugblatt verteilt haben, erzählt die „DenkStätte Weiße Rose“ die Geschichte der studentischen Widerstandsgruppe.

    Zudem trägt auch das Institut für politische Wissenschaft der Universität den Namen der Geschwister Scholl, um sich ihrem Erbe zu verpflichten und stets die Werte der Toleranz, Demokratie und Kritikfähigkeit hochzuhalten.

    Crailsheim: Nachlass des Vaters

    Doch es gibt auch andere Orte in Deutschland, die wertvolle Erinnerungen an die Familie Scholl bewahren. So wie die Stadt Crailsheim. Im dortigen Stadtarchiv liegt der Nachlass von Robert Scholl, dem Vater von Hans und Sophie Scholl.

    Zur Sammlung gehört eine Krippe, die Sophie mit 19 Jahren selbst gemacht und ihren Eltern im Jahr 1940 zu Weihnachten geschenkt hat. Folker Förtsch vom Stadtarchiv sieht darin ein Zeugnis dafür, wie bewusst die Scholls mit ihrer Umgebung umgegangen sind: "Sie haben nichts aus dem Warenhaus gekauft, sondern das Besondere war, dass sie über das Objekt hinaus auch ihre Kreativität verschenkt haben. Bei Sophie Scholl ist das sehr ausgeprägt."

    Sogar die Brieftasche des Vaters befindet sich im Stadtarchiv Crailsheim. Bis zu seinem Tod bewahrt er in ihr drei Fotografien auf: Das Bild seiner Frau Magdalena und die Fotos seiner Kinder Hans und Sophie Scholl.

    "Robert Scholl war pazifistisch eingestellt, er war demokratisch und auch sehr fortschrittlich. Und viele seiner Handlungen und viele Bereiche seines Denkens finden sich auch in dem Denken und dem Handeln seiner Kinder wieder." Folker Förtsch, Stadtarchiv Crailsheim

    Forchtenberg: Sophie Scholls Geburtsort

    Forchtenberg im heutigen Baden-Württemberg ist der Geburtsort Sophie Scholls. Im Rathaus, in dem der Vater als Bürgermeister arbeitet, verlebt sie ihre Kindheit. Die Mutter, eine ehemalige Diakonisse, kümmert sich um die Kinder. In der evangelischen Michaelskirche wird Sophie im Jahr 1921 getauft.

    Religiosität spielt in der Familie Scholl eine wichtige Rolle, weiß Renate Deck von der Gedenkstätte Weiße Rose in Forchtenberg: "Schon die Oma von Sophie Scholl war eine sehr religiöse Frau, nicht überreligiös – sondern eine intensiv gelebte innere Gläubigkeit war in der Familie tief verwurzelt."

    Bis Sophie neun Jahre alt ist, verlebt sie mit ihrer Familie in Forchtenberg eine glückliche Kindheit. Sie sei ein eigenwilliges und schüchternes Kind gewesen, erzählt Renate Deck, und doch zeichnete sie aus, dass sie trotz ihrer Schüchternheit ihre innere Stärke sehr genau kannte.

    Ulm: Jugendjahre und Hitler-Jugend

    Später zieht die Familie nach Ulm. Als Jugendliche liest Sophie Scholl viel und zeichnet gerne. Nach der Machtergreifung Hitlers begeistert sie sich zunächst, wie auch ihre Geschwister, für den Nationalsozialismus. Der Vater steht dem kritisch gegenüber.

    "Es gibt interessante Schilderungen darüber, wie kritisch er es gesehen hat, als seine Kinder sich mit Begeisterung der Hitler-Jugend zugewandt haben. Es kam auch zu Auseinandersetzungen zwischen ihm und Hans Scholl in dieser Frage. Einen Moment lang hat man den Eindruck, dass die Kinder den Eltern Scholl so langsam entgleiten." Folker Förtsch

    Doch Sophie Scholl macht sich ihre eigenen Gedanken. Nach und nach entfremdet sie sich vom Nationalsozialismus und beginnt, die Hitler-Diktatur kritisch zu sehen.

    München: Studentischer Widerstand

    Mit 21 Jahren schreibt sich Sophie Scholl für die Fächer Biologie und Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München ein. Auch ihr Bruder Hans studiert dort. Er verfasst zusammen mit seinem Studienkollegen Alexander Schmorell die ersten Flugblätter der Weißen Rose.

    Sophie Scholl schließt sich diesem Widerstand an und beteiligt sich an den weiteren Aktionen der Gruppe. Die Gründe dafür sieht der Theologe und Autor Jakob Knab zum einen in ihrer individuellen Entwicklung und der Einschränkung ihrer Freiheit durch das NS-Regime, zum anderen aber auch in der persönlichen religiösen Entwicklung, die Sophie Scholl durchgemacht hat: "Das zeigt sich in ihrem Brief an ihren Freund, den Offizier Fritz Hartnagel, dem sie an die Ostfront schreibt und sich gegen diesen Rassismus der Nazi-Ideologie wendet."

    Die Weiße Rose – getragen vom christlichen Glauben

    Die Weiße Rose druckt weitere Flugblätter, um die Deutschen wachzurütteln. Bei ihrem Einsatz für Freiheit und Gewissen spielt für die Studenten ihr christliches Denken eine wichtige Rolle.

    Auch Sophie Scholl ist tief im christlichen Glauben verankert. Sie setzt sich intensiv mit religiösen Themen auseinander und sucht Antworten auf existentielle Fragen: Woher komme ich? Wozu lebe ich? Wohin gehe ich?

    "Aber die eigentliche Frage, die sie umgetrieben hat, war: Wie kann es Leid und Übel und Schmerz geben, in einer Welt, die angeblich vom allmächtigen gütigen Gott geschaffen ist?" Jakob Knab

    Das verhängnisvolle sechste Flugblatt

    Am 18. Februar 1943 machen sich Hans und Sophie Scholl auf den Weg zur Universität. Die Flure sind leer, es ist gerade Vorlesung. Im Lichthof verteilen sie ihre Flugblätter und werfen sie von der Galerie.

    "Dieser 18. Februar ist so bedeutsam in der deutschen Geschichte, denn in Berlin brüllt Goebbels den totalen Krieg herbei und hier in München meldet sich die leise Stimme des Gewissens in der Gestalt von Hans Scholl und Sophie Scholl zu Wort. Und dafür sind sie Helden der deutschen Freiheitsgeschichte." Jakob Knab

    Bei der Aktion werden Hans und Sophie Scholl durch das Zutun eines Hausmeisters der Universität verhaftet. Vier Tage später verurteilt sie der Volksgerichtshof zusammen mit ihrem Kommilitonen Christoph Probst zum Tod. Sophie Scholl wurde gerade einmal 21 Jahre alt.

    "Denn mit jedem Tag, da ihr noch zögert, da ihr dieser Ausgeburt der Hölle nicht widersteht, wächst eure Schuld gleich einer parabolischen Kurve höher und immer höher." Aus dem dritten Flugblatt der Weißen Rose

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