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Mit Lebenslust und tanzbaren Rhythmen gegen Ressentiments und Rassismus: "Black To The Future" von den Sons Of Kemet

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Lust & Widerstand: "Black To The Future" von den Sons Of Kemet

Seit einigen Jahren macht Londons Jazzszene von sich reden. Einer der Wortführer ist der afrobritische Saxofonist Shabaka Hutchings. Eine seiner Bands, die Sons Of Kemet, haben jetzt "Black To The Future" am Start, ein furioses neues Studio-Album.

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Von
  • Markus Mayer

Es muss nicht immer Swing sein, der als rhythmische Grundlage für Jazz-Improvisationen dient. Die Sons Of Kemet, die beim Jazzfest in Berlin bereits vor acht Jahren für Euphorie sorgten, ergehen sich auf ihrem neuen Album in geradezu elektronisch klingenden Cumbia-Rhythmen, in Second-Line-Pattern aus New Orleans und wuchtigen Reggae-Riddims. Die Band gilt als Bannerträger des quirligen Post-American-Jazz, der seit einigen Jahren in dessen Epizentrum London tobt.

Tanzbarer Jazz in ungewöhnlicher Besetzung

Kennzeichen für diese Musik, die massenhaft junge Leute anzieht, ist erstens, dass nur eigenes Material gespielt wird, zweitens, dass man auf Standard-Besetzungen gern verzichtet und sein Heil stattdessen in ungewöhnlichen Instrumentierungen sucht. Und drittens eine große Nähe zur elektronischen Dance-Musik, zur EDM, was bedeutet, dass sich zu Post-American-Jazz gut tanzen lässt. Zudem spielt der Name "Kemet" auf das antike Ägypten an, die vor Jahrhunderten vergangene Hochkultur an den Ufern des Nil, was deutlich macht, dass sich diese Musiker nicht ausschließlich an amerikanischem Jazz, einer (Hoch-)Kultur unserer Tage, orientieren.

Damit die spröde Instrumentierung der Sons Of Kemet – zwei Schlagzeuger (Edward Wakili-Hick und Tom Skinner), der großartige Tubist Theon Cross sowie Saxofonist Shabaka Hutchings – nicht fad wird, hat man Gäste ins Studio geholt: Spoken-Word-Artisten wie Moor Mother und Joshua Idehen etwa, Grime-Künstler wie D Double E sowie befreundete Bläserinnen und Bläser (Steve Williamson aus Chicago und Klarinettistin Angel Bat Dawid).

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Cover von "Black To The Future" von Sons Of Kemet

Zwischen Wut und unbändiger Lebenslust

Tatsächlich greifen die Sons Of Kemet den Impetus auf, der von Scheiben wie "We Insist! Freedom Now-Suite" von Max Roach und "Mingus Ah Um" oder "Black Saint And Sinner Lady" von Charles Mingus ausgeht, Statements gewichtiger afroamerikanischer Jazzkünstler in Albumform, die zu Beginn der 60er-Jahre ihren Standpunkt in einer Welt rassistischer Zuschreibungen formulierten. Gesten des Widerstands werden hier also aufgenommen und weitergedacht. Hört sich nicht nur gut an, regt auch zum Nachdenken an – Jazz auf der Höhe der Zeit eben.

"Black To The Future" von den Sons Of Kemet ist bei Impulse!/Universal erschienen.

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