© Thomas Rabsch/Schauspielhaus Düsseldorf

Spaß muss sein: Menschen im Hotel

Greta Garbo, John Barrymore, John Crawford, viele weitere Stars: Als Hollywood 1932 den Roman „Menschen im Hotel“ von Vicki Baum verfilmte, waren die besten damals verfügbaren Schauspieler dabei. Mitten in der Weltwirtschaftskrise spielte dieser Film so viel Geld ein, dass die Produktionsgesellschaft starke Gewinne machte. Nun bringt Sönke Wortmann, einer der erfolgreichsten deutschen Kinoregisseure, „Menschen im Hotel“ auf die Bühne des Düsseldorfer Schauspielhauses.

Die Stimme der Erzählerin kommt aus den Lautsprechern. Auf der Bühne sitzen Leute in der Lobby eines modernen Hotels. Sie lesen Zeitung, fragen nach Post, trinken etwas, beobachten einander. Ein Mann stürzt herein und will unbedingt ein Zimmer haben, ein teures, und auch am Abend teuer essen. Der Anzug schlottert ihm am Leib. Der Buchhalter Herr Kringelein ist todkrank. Nun will er sein über Jahrzehnte hinweg mühsam erspartes Geld auf den Kopf hauen und sich endlich etwas leisten.

Überlebenskampf und Einsamkeit

Er trifft auf einen verarmten Baron, der sich als Fassadenkletterer und Dieb sein Dasein verdient. Auf einen Militärarzt mit zerfetztem Gesicht. Auf eine junge, attraktive Frau, die weiß, dass sie ihre Jugend und Attraktivität möglichst gewinnbringend einsetzen muss. Weil das ihr Kapital ist. Vicki Baum erzählt in „Menschen im Hotel“ vom Kapitalismus, der alles durchdringt, vom Überlebenskampf und der Einsamkeit.

Plüsch und Nostalgie sucht man im Bühnenbild vergebens. Das Hotel in Sönke Wortmanns Inszenierung ist ein kalter Bau von heute. Aber die Kostüme erinnern an die zwanziger Jahre. Sönke Wortmann: „Der historische Bezug ist klar da. Allerdings ist es auch so, dass ein Hotel oder der Mikrokosmos eines Hotels sich ja nicht wesentlich verändert hat. Es kommen ja die schrägsten Leute da zusammen. Männer und Frauen, reiche Leute, die sind ja alle da und treffen sich und gehen wieder auseinander. Das ist eine Konstellation, die es damals gab und heute auch, die mich sehr interessiert.“

"Es herrscht Unzufriedenheit" – wie 1930?

Als Vicki Baum den Roman schrieb, war die NSDAP noch eine Splitterpartei. Dann wurde sie immer stärker. Es kommen gerade viele Geschichten aus der Zeit um 1930 auf die Bühne und in die Kinos. Die meisten Regisseure sehen Parallelen zu unserer Gegenwart, wie auch Sönke Wortmann: „Interessant finde ich schon, dass eine Unzufriedenheit herrscht, wo ich heute zum Teil weiß, wo sie herkommt, zum Teil auch nicht. Da gibt’s schon ein paar Parallelen. Ich glaube aber nicht, dass es die gleichen Konsequenzen haben wird. Das würde mich doch sehr wundern.“

In den „Menschen im Hotel“ steckt eine enorme Lebensgier. Der adelige Dieb und eine alternde Ballettänzerin, die er eigentlich bestehlen will, verlieben sich ineinander. Und auch der kranke Buchhalter findet eine Gefährtin, die zu ihm halten will. Die neue Bühnenfassung von Stephan Kaluza hält geschickt die Waage zwischen Edelboulevard und Tragödie, großen Gefühlen und bissiger Ironie.

Schon Gustaf Gründgens war interessiert

Diese Mischung zeichnet auch den Roman aus und hat dazu geführt, dass es schon 1930 eine Bühnenbearbeitung von Gustaf Gründgens gab. Nun inszeniert Sönke Wortmann an dem Haus, dessen Geschichte Gründgens nach dem Zweiten Weltkrieg geprägt hat: „Das war ja dann doch ein sehr großer Erfolg, auch in Amerika. Die haben das am Broadway als Theatershow relativ schnell gemacht. Davon hat Gründgens wahrscheinlich Wind bekommen und gesagt, gute Idee, das mach ich auch.“

Schon die Voraufführung war restlos ausverkauft, das Publikum wirkte angetan bis begeistert. „Menschen im Hotel“ scheint immer noch das Potenzial zu einem Theater-Blockbuster zu haben, meint Sönke Wortmann: „Ich mag den Titel sehr gerne. ‚Menschen im Hotel‘ – für mich ist das sehr viel versprechend.“

Autoren

Stefan Keim

Sendung

kulturWelt vom 14.09.2018 - 06:30 Uhr