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So wird das Recht des Patienten auf Selbstbestimmung geschützt | BR24

© picture alliance / dpa

Medizinethiker Georg Marckmann

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    So wird das Recht des Patienten auf Selbstbestimmung geschützt

    Manche Patienten sind dement, manche bewusstlos – und vom Fach sind sowieso die wenigsten. Wie kann ein Arzt ihre Selbstbestimmung wahren? Medizinethiker Georg Marckmann über den Spagat zwischen ärztlicher Fürsorge und Freiheitsrechten des Patienten.

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    Wie wird in deutschen Krankenhäusern und Pflegeheimen das Recht auf Selbstbestimmung umgesetzt – etwa wenn ein Patient dement oder psychisch krank ist oder sich nicht mehr äußern kann? Damit beschäftigt sich Professor Georg Marckmann. Er ist Vorstand des Instituts für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin an der Ludwig-Maximilian-Universität in München. Es sei wichtig zu verstehen, dass betroffene Patienten nicht automatisch in der Lage sind, selbstbestimmt und autonom zu entscheiden, sagt Marckmann. Dazu fehle ihnen medizinisches Wissen über die jeweiligen Vor- und Nachteile der Behandlung – etwa bei einer Chemotherapie.

    Recht auf Selbstbestimmung

    Das bedeute, dass die Patienten zuvor in ihrer Entscheidungsfindung unterstützt werden müssen: "Kommunikation ist ein Schlüsselwort, wenn wir versuchen, die Selbstbestimmung der Menschen zu respektieren. Kommunikation – also Gespräche mit den betroffenen Patienten selbst – um zu ermitteln, welche Entscheidungen er noch selber treffen kann. Kommunikation ist aber auch mit den Angehörigen und nahe stehenden Personen wichtig, die dann die Entscheidungsfindung noch entsprechend unterstützen können."

    Fürsorge und Selbstbestimmung?

    Juristisch gesehen gilt jeder Mensch als entscheidungsfähig. Dass ein Mensch nicht mehr selbstständig eine Entscheidung treffen kann, muss hingegen bewiesen werden. Auf der anderen Seite unterstehen Ärztinnen und Ärzte der Fürsorgepflicht. Sie müssen ihre Patienten vor Schaden bewahren.

    Nur wenn der Wille eines bewusstlosen Patienten nicht mehr festgestellt werden könne oder wenn sich der Betroffene massiv schädigen würde, sagt Prof. Georg Marckmann, bestünde die Möglichkeit, einen Patienten im äußersten Fall gegen seinen Willen zu behandeln: "Wir haben in unserer Gesellschaft einen relativen Vorrang für Selbstbestimmung. Es ist nicht so, dass die Fürsorge-Bestrebungen auf gleicher Ebene stehen. Das ist der Fall, den wir von den Zeugen Jehovas kennen, die aus Glaubensgründen möglicherweise lebensrettende Bluttransfusionen ablehnen. In dieser Konfliktkonstellation – wo wir auf der einen Seite die Verpflichtung haben, das Leben der betroffenen Patienten zu retten und auf der anderen Seite die Selbstbestimmung zu respektieren – hat der Respekt der Selbstbestimmung dann ein höheres Gewicht."

    Ökonomischer Druck erschwert ethische Prinzipien

    Zeit sei unter dem aktuellen ökonomischen Druck in den Krankenhäusern die knappste Ressource geworden, kritisiert der Medizinethiker: "Wir haben als Ärztinnen und Ärzte häufig gar nicht mehr die Zeit, die wir eigentlich bräuchten, um auf den Patienten einzugehen, um ausführlich mit ihm und den Angehörigen zu sprechen, so dass das letztendlich auch eine Gefährdung der Patientenautonomie darstellen kann."

    Auf der anderen Seite bestehe eine ökonomisch bedingte Überversorgung, sagt Marckmann. Aus wirtschaftlichen Gründen würden in Krankenhäusern Maßnahmen durchgeführt, die nicht mehr unbedingt im Interesse des Patienten sind. Das widerspreche nicht nur dem Wohlergehen der Patienten, meint Marckmann, sondern auch ihrer Selbstbestimmung.