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So will Christian Stückl den Bühnenbetrieb wieder aufnehmen | BR24

© Audio: BR/ Bild: picture alliance/Angelika Warmuth/dpa

Gestreamtes Theater ist wie Nikotinkaugummi: Christian Stückl plädiert für eine baldige Wiederaufnahme des Bühnenbetriebs mit Publikum

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So will Christian Stückl den Bühnenbetrieb wieder aufnehmen

"Ich will auf die Bühne zurück!" Gestern hielt Regisseur Christian Stückl ein packendes Plädoyer für leibhaftiges Theater. Auch einen Plan für die baldige Wiedereröffnung des Münchner Volkstheaters legte er vor. Das überzeugt und lässt hoffen.

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"Vielleicht wird es ja fad, was wir zeigen wollen", sagt Christian Stückl zwischendrin mal. Aber wenn das, was das Münchner Volkstheater plant, nur halb so mitreißend wird, wie das Schauspiel, das er bei dieser Pressekonferenz selbst bot, dann wird es sensationell.

Bis in den Herbst oder womöglich noch länger zu warten, um dann endlich den Spielbetrieb wiederaufzunehmen? Für Stückl ist das ganz offenkundig keine Option. "Ich will nicht warten, ich will spielen, ich will zurück auf die Bühne!" Solche Sätze sagt er gleich mehrfach und mit einem Nachdruck, der erkennen lässt, wie sehr er darunter leidet, seiner Leidenschaft, dem Theatermachen eben, gerade nicht nachgehen zu können. Das Schweigen der Politik zum Thema Wiedereröffnung der Theater scheint Stückl unerträglich. Die Formulierung "Wir müssen auf Sicht fahren!", sagt er, könne er nicht mehr hören. Ohne Perspektive wisse er ja gar nicht mehr, wo er hinschauen solle. Ins Internet scheint er jedenfalls kaum zu schauen, um seinen Theaterhunger zu stillen – was ich nur zu gut verstehen kann.

Gestreamtes Theater ist wie Nikotinkaugummi

Es ist eine Binsenweisheit, fast zu banal, um sie auszusprechen, aber sie erweist sich gerade als schmerzhaft wahr: Theater erfordert Gemeinschaft, die Gegenwart von Spielenden und Schauenden. Klar, die Theater versuchen sich gerade an neuen Formaten fürs Netz, da ist viel Aufregendes dabei, aber letztlich ist das eine andere, eine neue – mediale – Kunstform. Was aber das alte, das wunderbar anachronistische, vollanaloge Theater betrifft, so gibt es das derzeit nur als Substitut, als Konserve. Das ist wie Dosengemüse statt frisch aus dem Garten. Oder, so würde das Stückl wohl sehen: wie Nikotinkaugummi statt Lucky Strike – zum Abgewöhnen. Und daher stimme ich ihm voll zu: Schluss mit dem Entzug. Dafür dass er das nun laut gefordert hat, wäre ich ihm am liebsten um den Hals gefallen. Ist aber gerade nicht erlaubt.

Probenbetrieb ab Mitte Juni

Und übrigens: Trotz flammender Begeisterung haben Stückl und sein Team kühlen Kopf bewahrt. Es ist nicht so, dass sie etwas fordern, was wünschenswert, aber nicht durchführbar wäre. Hier also der Plan: Statt das Ende der Spielzeit hinter verschlossenen Türen auszusitzen, geht das Volkstheater jetzt sofort in die Sommerpause. Ab Mitte Juni soll dann der Probenbetrieb wiederaufgenommen werden, damit die neue Spielzeit bereits Ende Juli beginnen kann, also dann, wenn normalerweise die aktuelle Saison aufgehört hätte. Bis dahin sollen die Zuschauerreihen ausgedünnt werden, um Social Distancing im Publikum zu gewährleisten. Aber das allein würde nicht reichen. Das Volkstheater könnte ja keine einzige seiner aktuellen Produktionen zeigen, weil die Schauspieler darin einander zu nahekommen. Daher sollen fünf brandneue, Corona-taugliche Inszenierungen entstehen, in denen Sicherheitsabstände auch auf der Bühne eingehalten werden. Eine Herausforderung, aber eine, der man sich kreativ stellen kann. Und: ein schlüssiges Konzept.

Jetzt ist die Politik gefordert. Münchens Kulturreferent Anton Biebl hat auf der Pressekonferenz bereits seine Unterstützung zugesagt. Ende Juli könnte das Theater wieder vom Bildschirm auf die Bühne zurückkehren, also dann, wenn in Bayern die Ferien beginnen, die wirklich fad zu werden drohen, weil man vermutlich gar nicht so richtig wegfahren kann. Das Theater würde dann umso dringender gebraucht.

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