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So war "Gottschalk liest?" im Regensburger Theater | BR24

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Thomas Gottschalk

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    So war "Gottschalk liest?" im Regensburger Theater

    Die dritte Talk-Runde von Thomas Gottschalk mit Prominenten aus dem Literaturbetrieb fand in Regensburg statt. Ildikó von Kürthy, Karen Köhler, Martin Suter und Volker Weidermann diskutierten auf dem Sofa über ihre neuen Bücher.

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    Die erste, die in Regensburg zur dritten Ausgabe von "Gottschalk liest?" auf dem Sofa Platz nimmt, um mit Thomas Gottschalk über ihr Buch zu diskutieren, ist Ildikó von Kürthy. Die Brigitte-Kolumnistin und Rheinländerin hat wieder einen Roman herausgebracht, der das Zeug zum Bestseller hat: "Es wird Zeit". Thomas Gottschalk jedenfalls hat den Roman sehr gern gelesen und fragt die Autorin nach dem Verhältnis von eigener Wirklichkeit und Fiktion. "Ich habe dieses Buch so geschrieben, wie ich alle meine Bücher geschrieben habe, nämlich schöpfend aus dem, was mich umgibt und was ich selbst erlebe", sagt Ildikó von Kürthy. "Natürlich ist in dem Buch ganz viel erfunden, erstunken und erlogen, geklaut, ausgedacht, doch es sind in vielen Dingen die Themen, die mich und die Frauen meines Alters jetzt beschäftigen."

    © Wunderlich/Montage BR

    Cover: "Es wird Zeit"von Ildikó von Kürthy

    "Mehr Kochrezepte als Morde"

    Der Schweizer Autor Martin Suter stellt den neuesten Krimi aus seiner populären Allmen-Serie vor. Diesmal muss der weltgewandte Detektiv das Verschwinden eines prachtvollen Fischs, der gut eine Millionen Euro kostet, aufklären. Thomas Gottschalk ist fasziniert von der Leichtigkeit – nicht nur Allmens, der auch diesen Fall wieder bewundernswert locker und spielerisch angeht, – sondern des Romans.

    Er habe ihn ein bisschen an die Krimis von Agatha Christie erinnert, die er mit 14 oder 16 gern gelesen habe, die aber der nachwachsenden Generation wahrscheinlich viel zu elegisch sei. "Also bei Ihnen gibt es ja auch mehr Kochrezepte als Morde in diesem Buch", sagt Gottschalk. Das räumt Suter durchaus ein, allerdings, so schiebt er nach: "Der große Unterschied zu Agatha Christie ist, dass ich weiß, von Anfang an, wie es ausgeht und bei Agatha Christie hat man sehr den Eindruck, sie hat keine Ahnung, wer der Mörder ist. Die werden alle im Salon versammelt und dann hat sie überlegt, wer könnte das gewesen sein."

    © Diogenes/ Montage BR

    Martin Suter: Allmen und der Koi. Cover

    "Das ganze Buch ist ja ein Gesang"

    Ein bisschen erschrocken ist die Runde, als Thomas Gottschalk sich Karen Köhlers Roman "Mirolio" mit den Worten zuwendet: "Ich muss tatsächlich bei diesem Buch sagen, ich hätte es nicht gelesen, wenn ich nicht diese Sendung machen würde". Aufatmen, als der Moderator die Wendung nahm: "Und ich wäre traurig gewesen, es nicht gelesen zu haben". Das Buch habe ihm etwas gegeben, überraschenderweise deshalb, weil es die Geschichte einer Frau ist, die man als Mann nicht gerne höre. Weil da geklagt werde über Unterdrückung, männliche Übermacht und Machismus". Weil Köhler ihre Leser an die Hand nehme und verständlich mache, woher diese Frustrationen kommen.

    Puh. Das war knapp. Im Laufe des Gesprächs erzählt Karen Köhler, dass sie keine Rezensionen lese. Sie sagt: "Das ganze Buch ist ja ein Gesang. Das fächert sich auf in 128 Strophen. Wir gucken durch den Kopf der Hauptfigur, einer jungen Frau, die als Findelkind abgelegt wird auf einer Insel abgelegt wurde".

    © Hanser Verlag/ Montage BR

    Cover "Miroloi" von Karen Köhler

    "Ich bin vorsichtiger, überlege länger"

    Was treibt den Literaturkritiker um und an? Und was wird aus ihm, wenn er selbst Bücher schreibt und damit mögliches Opfer der Kritik wird? Das interessiert Thomas Gottschalk, als er den Literaturkritiker Volker Weidermann begrüßt mit dessen Buch: "Das Duell. Die Geschichte von Günter Grass und Marcel Reich-Ranicki."

    Volker Weidermann, der früher das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung leitete, jetzt für den Spiegel schreibt und als später Nachfolger von Reich-Ranicki Gastgeber beim Literarischen Quartett ist, distanziert sich vorsichtig aber entschieden von Reich-Ranickis Kritiker-Stil. Als Thomas Gottschalk ihn fragt, ob er sich überlege, was seine Kritik für eine Wirkung habe, sagt Weidermann: "Ich überlege mir sehr lange, bevor ich ein Urteil fälle. Ich liebe Reich-Ranicki und ich bin durch ihn zur Literatur und dann zur Literaturkritik gekommen. Aber gleichzeitig ist mir das, was uns alle so begeistert hat, aber was auch – gerade im Fall von Günter Grass und vielen anderen – so unglaublich schmerzhaft war und auch oft zerstörerisch, ist mir das im Wesen einfach fremd. Ich bin vorsichtiger, überlege länger".

    © Kiepenheuer Witsch/ Montage BR

    Volker Weidermann: Das Duell. Die Geschichte von Günter Grass und Marcel Reich-Ranicki

    "Gottschalk liest?" läuft am 15. Oktober 2019 um 22 Uhr im BR Fernsehen und ist jetzt schon in der BR Mediathek zu sehen.

    © BR

    Die dritte Runde von "Gottschalk liest?" - diesmal in Regensburg

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