Zurück zur Startseite
Kultur
Zurück zur Startseite
Kultur

So war das Finale von "Game of Thrones" | BR24

© HBO

Die "Mad Queen" Daenerys Targaryen steht vor den von Asche bedeckten Ruinen von Königsmund und schaut auf die Reste ihrer Armee.

Per Mail sharen
Teilen

    So war das Finale von "Game of Thrones"

    Die Macher der Erfolgsserie "Game of Thrones" stehen in der Kritik: Eine Online-Petition fordert sogar jetzt schon ein Remake der letzten Staffel des Fantasy-Epos. Ist ihnen trotz allem ein versöhnliches Finale gelungen?

    Per Mail sharen
    Teilen

    Anmerkung: Der folgende Text enthält Spoiler zur 5. Folge der letzten Staffel Game of Thrones. Genaue Details aus der finalen Folge werden jedoch nicht verraten.

    Und dann ging plötzlich alles so schnell. Zu schnell für viele "Game of Thrones"-Fans. Der Unmut über den gehetzten Verlauf der achten und letzten Staffel der Fantasy-Serie wuchs von Woche zu Woche und mündete nach der fünften und vorletzten Folge "Die Glocken" sogar in einer Online-Petition, in der Fans den Sender HBO aufforderten, die Staffel noch einmal neu drehen zu lassen. Mehr als eine Million mit Fackeln und Mistgabeln bewaffneter "Game of Thrones"-Ultras haben die bislang unterschrieben.

    Zwar ließ die achte Staffel bislang inszenatorisch kaum Wünsche offen und gerade die Bildgewalt und die atemberaubende Action der Schlacht-Folgen drei und fünf sorgten für Gänsehaut. Doch sie offenbarten auch größere Logiklöcher innerhalb der Geschichte. Gerade die Nachvollziehbarkeit der Welt von Westeros und der Motivation der verschiedenen Charaktere gehörte immer zu den großen Stärken der epischen Saga.

    Das Beste kommt nicht immer zum Schluss

    Nicht nur das schnelle Ableben des untoten Nachtkönigs sorgte für Frust bei den Fans, sondern vor allem der plötzliche Wandel der Drachenkönigin Daenerys von der gerechten Befreierin der Sklaven im Osten, hin zur machtbesessenen "Mad Queen", die mit ihrem Drachen nicht nur die sich längst ergebenen Soldaten von Königin Cersei, sondern auch viele unschuldige Frauen und Kinder der Stadt Königsmund eiskalt abfackelte.

    Viele kritisieren dabei nicht, dass sich die Story so entwickelt (immerhin stammt Daenerys aus einer Familie mir ordentlich Durchdreh-Potenzial), sondern wie schnell die Charaktere von den Autoren David Benioff und D. B. Weiss in bestimmte Richtungen gedrängt werden. Viele hätten sich statt einer letzten, achten Staffel noch eine neunte gewünscht, um die Entscheidungen der Figuren besser erklären zu können. Doch die zwei Showrunner, die seit Staffel sechs ohne die Buchvorlagen des Erfinders George R. R. Martin auskommen mussten, wollten sich ja mit "Star Wars" lieber um die nächste große Saga kümmern. Ob ihnen gerade rechtzeitig noch ein versöhnliches Finale gelungen ist?

    Ende gut, alles gut?

    Wer dachte, die Autoren hätten das zerschnittene Band zwischen den Fans und der Serie mit den letzten 80 Minuten "Game of Thrones" wieder flicken können, irrt. Die ersten Reaktionen in den sozialen Netzwerken reichen von enttäuscht und wütend bis verhöhnend. Das liegt weniger daran, was genau in der letzten Folge passiert. Es liegt am Wie. Es werden kostbare Sendeminuten für zu lange, zu nebensächliche Szenen vergeudet: Da werden schlechte Witze zu unpassenden Momenten gemacht. Und es wird zu viel nicht gezeigt, nicht erklärt. Der inzwischen lose Knoten der emotionalen Bindung zu den lieb gewonnenen Charakteren löst sich so endgültig in den Händen der Zuschauer. Zeit los zu lassen.

    Dabei beginnt das Finale durchaus hoffnungsvoll. Zumindest für diejenigen, die noch Hoffnung auf eine sinnvolle Erklärung des flammenden Massenmords von Daenerys an der Königsmunder Stadtbevölkerung hatten. Denn Tyrion Lannister liefert, nachdem er die Leichen seiner Geschwister Jamie und Cersei aus den Ruinen der Roten Festung gebuddelt hat, eine einigermaßen akzeptable Begründung. Doch merkt auch er selbst, was die Fans schon seit Wochen zum Brodeln bringt: Der ehemals schlauste Kopf im Spiel um den Thron ist nun der dümmste geworden. Er hat auf das falsche Pferd oder vielmehr den falschen Drachen gesetzt. In einer letzten, verzweifelten Unterhaltung bittet er gebrochen den bislang vollkommen nutzlosen Jon Snow, das "Richtige" zu tun. Denn Daenerys sei nicht die versprochene Bringerin der Freiheit, sondern nur eine weitere Tyrannin. Doch Jon weiß: "Die Liebe ist das Ende der Pflicht". Oder war es andersrum?

    Das Ende des Throns

    Der Rest ist Schweigen. Was so viel bedeutet, dass aus Spoilergründen an dieser Stelle nichts mehr verraten werden soll. Nur noch so viel: Ja, die von Asche bedeckten Ruinen von Königsmund sehen bombastisch aus. Die Stimmung ist unfassbar bedrückend, auch weil der wahre Held der letzten Staffel, der deutsch-iranische Komponist Ramin Djawadi, zunächst den Taktstock ruhen lässt, ehe er erneut zu absoluter Höchstform aufläuft.

    Doch all das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass am Ende wieder alles zu schnell geht. Zu viel weder gezeigt, noch erklärt wird, und auch einige versöhnliche Story-Abschlüsse im tolkienesken Epilog nicht mehr das retten können, was die Autoren Daniel Benioff und D. B. Weiss zuvor mit dem roten Stift weggestrichen haben. Traurig ist eigentlich nur, dass diese so einzigartige Serie nach fast einem Jahrzehnt nun zu Ende gegangen ist. Und zwar so. Valar Morghulis!

    Verpassen war gestern, der BR Kultur-Newsletter ist heute: Einmal die Woche mit Kultur-Sendungen und -Podcasts, aktuellen Debatten und großen Kulturdokumentationen. Hier geht's zur Anmeldung!