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So stürmt Kamala Harris plötzlich die US-Bestseller-Listen | BR24

© Sait Serkan Gurbuz/Picture Alliance

Gute Laune: Kamala Harris

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    So stürmt Kamala Harris plötzlich die US-Bestseller-Listen

    Nie war die designierte Vizepräsidentin als Autorin und Titelheldin so gefragt wie nach der Wahl: In vier von zehn Bestsellern bei Amazon geht es um die populäre Politikerin aus Kalifornien. Aber auch die Ehefrau von Joe Biden landet einen Erfolg.

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    Von
    • Peter Jungblut

    Während über den siegreichen, aber demnächst bereits 78-jährigen Joe Biden am Wochenende im US-Fernsehen jede Menge Witze gerissen wurden, sorgt seine designierte Vizepräsidentin Kamala Harris in der Unterhaltungsindustrie und offenkundig auch bei Lesern durchweg für Begeisterung. Krimi-Star Don Winslow machte kein Hehl aus seiner Freude und gratulierte: "An alle jungen, schwarzen Mädchen, Ladies und Frauen: Wenn Kamala Harris unsere Vizepräsidentin sein kann, kann sie auch Präsidentin sein - und ihr alle auch!"

    "Wonder Woman" ist begeistert

    Die Schauspielerin Lynda Carter (69) wählte sogar einen besonders schmeichelhaften Vergleich, um Harris als "wahre Staatsfrau" zu loben: Auf den Tag genau vor 45 Jahren am vergangenen Samstag, als die US-Wahl nach Einschätzung der großen TV-Sender entschieden wurde, war Carter erstmals als Comic-Heldin "Wonder Woman" zu sehen: "Ich fühle mich geehrt, Teil dieses Erbes zu sein und von all dem, was es bedeutet und bin so aufgeregt, die Macht der Frauen an so einem verheißungsvollen Tag zu feiern."

    © Beowulf Sheehan/Picture Alliance

    Frauen-Power: Biden/Harris-Fans

    Die Serie nach der gleichnamigen Heft-Reihe von Marvel lief in den USA von 1975 bis 1979 und war in Deutschland erstmals 1993 auf RTL zu sehen. Zuletzt spielte Gal Gadot in einer Neuverfilmung die Titelrolle. Auch sie zeigte sich bereits öffentlich angetan vom Wahlsieg von Biden und Harris.

    Harris mit Kinderbuch und Bildband erfolgreich

    Der amerikanische Buchmarkt reagierte ungewöhnlich schnell auf den politischen Erfolg von Harris: Ihre bisher nicht ins Deutsche übersetzten Memoiren "Wahrheiten, die wir in Händen halten: Eine Amerikanische Reise" ("The Truths We Hold: An American Journey", Januar 2019) , ihr Kinderbuch "Superhelden gibt es überall", ein Kinderbuch ihrer Nichte Meena Harris ("Kamala und Mayas Großer Einfall") und das Bilderbuch von Nikki Grimes und Laura Freeman "Kamala Harris: In der Gerechtigkeit wurzelnd" ("Kamala Harris: Rooted in Justice") rangieren aktuell sämtlich unter den Top Ten beim umsatzstarken Versandhändler Amazon.

    Die Fachkritiker hatten die Lebenserinnerungen von Harris zwiespältig besprochen. Im angesehenen "The Atlantic" hieß es beim Erscheinen des Buchs im Januar letzten Jahres, es beweise, wie schwierig es ist, die kurzatmige "Viralität" von Netz-Botschaften in einen gehaltvollen Text umzuarbeiten. Statt die Lebensbeschreibung mit einer politischen Vision zu verknüpfen, erinnere das Werk eher an ein "Wahlkampf-Pamphlet". Deshalb enthalte es auch jede Menge "handfeste Anti-Establishment-Zitate", die jederzeit auf Großbildschirme passten. Die "Washington Post" hielt sich mit Wertungen ziemlich zurück, bemerkte jedoch, dass Harris in ihrem Buch sowohl als "Fühl-Deinen-Schmerz-Demokratin", als auch als "politische Streberin" rüberkomme, jedoch weder das eine, noch das andere so ganz und gar sei. Genervt war die Zeitung davon, dass Harris die Alternativen, zwischen denen Politiker gewöhnlich entscheiden müssen, ständig als "falsche Wahl" bezeichnet.

    © Biden Campaign/Picture Alliance

    Kamala Harris am Samstag bei ihrer Dankesrede

    In ihrem "Superhelden"-Buch würdigt Harris ihre gesamte Verwandtschaft, vor allem die Mutter: "Meine Mutter war eine Superheldin, weil sie mir das Gefühl gab, etwas Besonderes zu sein. Ihretwegen habe ich geglaubt, dass ich alles tun kann, was ich will." Aber auch der Vater ("Helden machen Dir Mut"), Schwester Maya ("Auf Helden kannst du dich verlassen") und sogar die Onkel und Tanten ("Helden entdecken die Welt mit dir") kommen gut weg. Und ihr großes Vorbild, der Menschenrechts-Anwalt Charles Hamilton Houston wird ebenfalls bedacht: "Helden beschützen die Leute."

    Wer das Leben von Harris in Versen und garniert mit Zeichnungen von Laura Freeman "erblättern" will, ist mit "Kamala Harris: Rooted in Justice" bestens bedient. In englischsprachigen Kindern verständlichen Reimen handelt Autorin Nikki Grimes den Aufstieg der künftigen Vizepräsidentin ab: "Kamala Harris is still writing/ her American story./And so are you." (frei übersetzt etwa: "Kamala Harris schreibt weiter/an ihrer amerikanischen Karriere-Leiter/Und du kannst es auch").

    Spott über Biden: "Ich fühle mich so lebendig"

    Die Ehefrau von Joe Biden, Jill, schaffte es mit ihrem kindgerechten Bilderbuch "Joey: Die Geschichte von Joe Biden" über die Kinder- und Jugendjahre ihres Mannes immerhin auf Platz 14. Der Kritiker von "Publishers Weekly" machte sich darüber lustig, dass Biden, Sohn eines Autohändlers, in dem Band als "nicht privilegiert" dargestellt wird. Andere verwiesen darauf, dass der Demokrat in dem Buch "kontaktfreudig, athletisch und hartnäckig" wirkt und der Weg vom Klassensprecher zur Führungspersönlichkeit wie selbstverständlich erscheint. Derweil musste der siegreiche Kandidat bereits reichlich Satire aushalten. Sein Double Jim Carrey spottete in der "Saturday Night Live"-Show auf NBC: "Ich fühlte mich noch nie so lebendig, was seine Ironie hat, denn ich bin ja gar nicht so lebendig."

    Auf der längerfristigen Sachbuch-Hitliste von Amazon und der "New York Times" finden sich entgegen des neuesten "Wasserstands" vom Wochenende lauter Bücher, die sich kritisch oder zustimmend mit Donald Trump auseinandersetzen: Angefangen von den Geständnissen eines anonymen Insiders im Weißen Haus, über Gregg Jarretts Enthüllungsbuch zum schmutzigen Anti-Hillary-Wahlkampf von 2016, Richterin Jeanine Pirros Pro-Trump-Kampfschrift "Lügner, Lästerer, Liberale" ("Liars, Leakers, Liberals") bis hin zu Craig Ungers Vergleich zwischen Trump und der russischen Mafia.

    Auch rechte Autoren schrieben Bestseller

    Auch auf der Bestseller-Liste der "New York Times" von dieser Woche dominieren rechte und rechtskonservative Autoren, darunter auf Platz vier eine Warnung des republikanischen Senators Ted Cruz (Texas) vor allen "Liberalen" ("One Vote Away"). Der frühere "Foxnews"-Moderator Bill O'Reilly und Martin Dugard sind mit einer Bestandsaufnahme der Indianer-Geschichte ("Killing Crazy Horse", Rang 5) erfolgreich, die konservative Kolumnistin Candace Owens mit einer Abrechnung gegen "Black Lives Matter" und die Demokraten (8). Eine neue Obama-Biografie hält sich allerdings auf Platz 7 und der demokratische Gouverneur von New York, Andrew Cuomo, erreicht mit seinem Bericht aus der Pandemie-Krise immerhin Platz 10.

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