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So startet Barbara Mundel an den Kammerspielen | BR24

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Leitungswechsel an den Münchner Kammerspielen: Barbara Mundel stellt ihre erste Saison vor

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So startet Barbara Mundel an den Kammerspielen

Leitungswechsel: Ab Herbst haben die Münchner Kammerspiele eine Intendantin. Barbara Mundel löst Matthias Lilienthal ab, unter dem das Haus 2019 zum "Theater des Jahres" gekürt wurde. Die Erwartungen an Mundels Saisonvorstellung waren also hoch.

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Sie freuten sich, dass es jetzt endlich losgehe, sagt die designierte Chefdramaturgin Viola Hasselberg am Anfang der Pressekonferenz - was man normalerweise so sagt vor einem Neustart. Aber normal ist gerade nichts, weshalb Hasselberg und ihre Chefin, die künftige Kammerspiele-Intendantin Barbara Mundel, ehe sie an die Mikrophone treten, erstmal als Avatare in einem Videoclip zu den Journalistinnen und Journalisten sprechen. Die 30 Schauspielerinnen und Schauspieler – etwa zwei Drittel von Ihnen werden neu ins Ensemble der Münchner Kammerspiele kommen – grüßen dann als Bildkacheln aus dem Homeoffice. Aber immerhin, neben Mundel und Hasselberg ist auch die ganze Dramaturgie-Abteilung leibhaftig anwesend bei diesem Pressetermin, dazu einige Regisseurinnen und Regisseure.

Start mit Tanz und dem Thema: Berührung

Falk Richter ist einer davon, er soll die erste Spielzeit unter Mundel am 8. Oktober eröffnen, mit einem Tanztheaterprojekt, das ausgerechnet den Titel "Touch" trägt: Berührung. Natürlich wird es darin um die brennende Frage gehen, wie Nähe zwischen Menschen entstehen kann, so lange Social Distancing angesagt ist. Für die Annäherung der neuen Kammerspieltruppe an ein ihnen noch unbekanntes Publikum ist die Corona-Krise natürlich eine schwere Hypothek. Geplante Umarmungsgesten, wie etwa die Stadtraum-Performance "What is the City", in der die Kammerspiele 150 Münchnerinnen und Münchnern einen Laufsteg bereiten wollen, werden, angesichts der Hygieneauflagen, deutlich anders ausfallen müssen als ursprünglich gedacht. Solche Erschwernisse sollen aber nicht dazu führen, klein beizugeben. Im Gegenteil, sagt Barbara Mundel, für die das Theater gerade jetzt besondere Wichtigkeit hat, denn: "Corona ist ein Kontrastmittel, dass Themen und Probleme erst zuspitzt und so sichtbar werden lässt."

Politische Themen, zeitgenössische Autor*innen

"Die Wirklichkeit nicht in Ruhe lassen" hat Mundel als Motto für ihre erste Saison an den Kammerspielen ausgegeben. Was das konkret meint, präzisiert Chefdramaturgin Viola Hasselberg: "Wir beschäftigen uns mit Demokratie und ihrer Gefährdung, mit dem Verhältnis von Technik und Mensch - und nicht zuletzt stellen wir die soziale Frage."

Grundlage der Beschäftigung mit diesen Themen werden vor allem Texte zeitgenössischer Dramatikerinnen und Dramatiker wie Wolfram Lotz, Bonn Park und Nora Abdel-Maksoud sein, Bearbeitungen wieder zu entdeckender Romane wie Ernst Tollers "Eine Jugend in Deutschland" oder "Effingers" von Gabriele Tergit. Dazu kommt Münchenspezifisches: etwa eine Recherche zum Oktoberfest-Attentat und ein Musiktheaterprojekt unter Mitwirkung der Brüder Markus und Micha Acher von The Notwist.

Wie schon unter Lilienthal: Wenige Klassiker, dafür diverse Perspektiven

Wer Shakespeare, Schiller, Goethe oder Kleist auf dem Spielplan sucht, sucht vergebens. Das Klassischste wird eine Inszenierung von Thomas Bernhards "Heldenplatz" mit Kammerspiele-Rückkehrer Edgar Selge in der Hauptrolle. Vor allem aber ist es der neuen Münchner-Kammerspiele-Mannschaft ein Anliegen, anderen als den einschlägig Verdächtigen auf der Bühne Gehör zu verschaffen.

Damit macht die neue Intendanz dort weiter, wo die alte aufgehört hat. Diversität war schon unter Matthias Lilienthal ein großes Thema. Unter Mundel soll das Spektrum der Vielfalt von Race, Class and Gender noch erweitert werden: Künftig sollen auch Menschen mit geistiger Behinderung auf der Bühne stehen.

Ein Appell an die Stadt

Mundel, Hasselberg und Co. sind mit einer Fülle von Plänen angereist, die in gebotener Kürze nicht annähernd vollständig wiedergegeben werden können. Das ist normal bei Neustarts, aber, wie gesagt, vieles andere nicht. Münchens Kulturreferent Anton Biebel erklärte gestern schon Mal vorsorglich, dass die öffentlichen Kassen angesichts wegbrechender Steuereinnahmen absehbar knapp werden. Worauf sich die künftige Kammerspiele-Intendantin zu einer Replik genötigt sah: "Herr Biebel hat es gesagt: Es sind schwierige Zeiten. Aber er hat auch gesagt - und das haben wir alle gehört -, dass die Stadt München ihre Kulturinstitutionen nicht im Regen stehen lassen wird."

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