BR24 Logo
BR24 Logo
Kultur

So sieht Dante den Himmel in seiner "Göttlichen Komödie" | BR24

© BR

Heilige auf Wolken, golden verziert - solche Darstellungen des Himmels findet man häufig an Gewölben und Kuppeln barocker Kirchen. Ganz anders in Dantes Göttlicher Komödie. Für ihn ist Himmel Ekstase, Geschossen-werden durch die Sphären der Sterne.

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

So sieht Dante den Himmel in seiner "Göttlichen Komödie"

Heilige auf Wolken, golden verziert - solche Darstellungen des Himmels findet man häufig an Gewölben und Kuppeln barocker Kirchen. Ganz anders in Dantes Göttlicher Komödie. Für ihn ist Himmel Ekstase, Geschossen-werden durch die Sphären der Sterne.

Per Mail sharen
Teilen

Ein großes Epos zu schreiben wie um 1315 Dante Alighieri seine "Göttliche Komödie" würde heute keinem Dichter mehr einfallen. Anknüpfend an das Genre mittelalterlicher Visionen vom Jenseits beschreibt Dante in der Ich-Form eine Reise durch die drei Reiche der jenseitigen Welt. Im dritten Teil seines berühmten Gedichts schildert er nach dem "Inferno", der "Hölle", und dem "Purgatorio", dem "Fegefeuer", den "Himmel".

Himmel und Paradies sind Dynamik

Himmel und Paradies sind für Dante wie eine reißende, schnelle und überschnelle Bewegung. Sie sind Dynamik. Der letzte Vers des "Purgatorio" spricht vom "Aufstieg zu den Sternen". Am Ende des ungeheuren Durchgangs durch das Jenseits, einer Beschreibung der Ekstase, des Auffliegens, des Geschossen-werdens durch die Sphären der Sterne, durch Licht und Überlicht, steht das Eintauchen in die Sphäre Gottes und seiner tiefsten Geheimnisse. Die Sinne müssen dem Menschen vergehen und die Sprache versagen, wie Dante oft schreibt, in unirdischer Ruhe, ohne Anstrengung.

Die Sehkraft ist unendlich gesteigert, aber es ist ein Entbrennen von innen, stärkstes Gepackt-sein übers Auge, Weg- und Hingerissen-sein von einer Erfüllung, die unbeschreibbar schön und erregend ist. Die Flamme des inneren Erlebens ist größer als alles Begreifen. Das ist eine Einführung, eine Initiation in die "ewige Seligkeit", wie man sagt.

Der Himmel strahlt von Licht-Erscheinungen

Das Aufsteigen in die Räume und Überräume, ein Bewusstseins-Vorgang, nicht in Raum und Zeit, ist nicht leer; es strahlt von Licht-Erscheinungen, Licht und immer wieder Licht, einmal sprühend wie Funken beim Schmieden von glühendem Eisen, ein anderes Mal wie ein Rubin, oder wie ein farbiger Carillon am Glockenspiel eines Rathaus-Turms.

Dazu kommt eine weitere Sinneserfahrung, die sich dem Dichter immer wieder aufdrängt: Musik, "die mich hinriss", schreibt er; das unsagbare Singen von einzelnen Stimmen oder von ganzen Chören oder Glockenklänge oder ein donnernder Ruf der Seligen, erschütternd in seiner elementaren Wucht.

Dante greift das alte Symbol der Sphärenmusik auf

Das Bild des Aufsteigens wird verinnerlicht, als ob im "Paradiso" Gesang und Musik die Führung übernähmen, wie schon das alte Symbol der Sphärenmusik nahelegt. Dazu kommt die Bewegung der Seligen: mitreißende Tänze und gelöste Reigen - ein Mitschwingen mit den kreisenden Himmelssphären, frei von jeder irdischen Schwere.

Ein weiteres Bild für die Erfahrung der Ekstase ist bei Dante das Gegenüber mit Beatrice, die ihn von den letzten Gesängen des "Fegefeuers" bis tief in den Himmel hinein begleitet. Blick in Blick mit ihr fühlt er sich emporgehoben und vom Strahl der Erleuchtung durchdrungen. Dante knüpft an ein bedeutsames Jugenderlebnis an: wie er der jungen Beatrice zum ersten Mal begegnete.

Der Himmel als Erfahrung von Liebe: Eine Erfahrung, die viele heute noch machen. Die beseligende erste Verliebtheit, die Verzauberung im Lächeln der oder des Geliebten: Wir schweben im siebten Himmel - wie ein Sprichwort sagt.