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So schreibt "Connecting Afro Futures" Design-Geschichte | BR24

© Bayern 2

Mode hat ein großes Potential, wirtschaftlich Afrika nach vorne zu bringen. Das zeigen anspruchsvolle Kollektionen und Installationen aus Afrika in der Berliner Ausstellung "Connecting Afro Futures".

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So schreibt "Connecting Afro Futures" Design-Geschichte

Im Senegal an der Westküste Afrikas und in Uganda im Osten boomen die Modezentren. In der Berliner Ausstellung "Connecting Afro Futures" sind faszinierende Kollektionen und Installationen zu entdecken: selbstbewusst und ein bisschen aufmüpfig.

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Die Braut trägt schwarz in dem Entwurf des Designerduos Bull Doff aus Dakar. Laure Tarot und Baay Sooley haben für ihre Installation das traditionell gewebte Tuch aus dem Senegal in Punk übersetzt. In Schwarz, Weiß und Silber. Sie haben es aus glänzenden Drähten und Plastikkabeln gewebt oder mit Nieten verziert. Das sogenannte pagne tissé begleitet das ganze Leben, es wird verwendet um Babies zu tragen, die Braut zu schmücken oder die Verstorbenen zu bedecken. Im Hintergrund liegt eine Puppe wie aufgebahrt in hautenges schwarzes Leder gehüllt.

Die Geschichte des Designs wird neu geschrieben

"Der Tod ist Teil des Lebens. Sei es, weil wir Angst haben, unsere Nächsten zu verlieren. Sei es, weil wir bereits Angehörige verloren haben. Und dieser ist wirklich ein Punk. Er will nämlich nicht gehen, er versucht, noch einmal aufzustehen", sagt Claudia Banz. Die Kuratorin am Berliner Kunstgewerbemuseum will mit der Ausstellung "Connecting Afro Futures" eine andere Design-Geschichte schreiben, will den Blick lenken auf die vibrierenden Modezentren im Senegal an der Westküste und in Uganda im Osten des Kontinents.

© flypix

Bull Doff, 54 Punk Collection, 2019

© ODH Photography

Lamula Anderson, TPS FRO SKIRT, 2019

© Aldi Diasse

Bélya, Adama Paris & Nio Far by Milcos

© Yannik Ntap

Ken Aïcha Sy, Baadaye, Awa, 2019

© Diana Ejaita

Diana Ejaita, Tribute to Nsibiri, 2019

© Magic Owen

Lamula Anderson, © Lamula Anderson

© Tondo Clothing

Tondo Clothing, Madilibada UG, 2019

© Mario Epanya

Adama Paris, Shameless Afro Hair, 2019

© ODH Photography

Lamula Anderson, TPS BLACK D, 2019

© Papashotit

Eguana Kampala & Tondo Clothing

© Aldi Diasse

So‘ Fatoo & Nomade‘s

"Der ständige Wandel ist das Kontinuum der Mode. Mode ist ein wichtiger Arbeitgeber. Das heißt, theoretisch hätte die Mode ein ganz großes Potential, wirtschaftlich Afrika nach vorne zu bringen. Und das ist der Punkt. Mode ist ein Machtsystem und bislang wird das Big Business durch die westlichen Brands dominiert. In den anspruchsvollen Kollektionen wechseln sich Aufbruch und Aufbegehren ab.

Die perfekte Stereotype

Lamula Anderson, in Uganda geboren, in London ausgebildet, bezieht sich in ihrer Berliner Präsentation auf das Schicksal von Sarah Baartman, einer Frau aus Namibia, die im 19. Jahrhundert wegen ihrer ausgeprägten Hüften auf europäischen Jahrmärkten ausgestellt wurde. Lamula Anderson hat ein elegantes schwarzes Abendkleid am Gesäß mit widerspenstiger schwarzer Wolle ausgestopft. TPS – the perfect stereotype heißt die Installation. "Das Schwarz spielt an auf die Erfahrung, die ich als Jugendliche gemacht habe. Meine Verwandten haben nie verstanden, warum ich schwarz trage. Man hat mir immer gesagt, mit deiner dunklen Hautfarbe solltest du helle Farben tragen. Mit dem Schwarz will ich mich dagegen wehren, in eine Schublade gesperrt zu werden", sagt Lamula Anderson.

Die drei R der Jose Hendo: Reduce, reuse, recycle

Jose Hendo schließlich verwendet für ihre Entwürfe das Tuch aus der Rinde des Mutuba Baums. Das federleichte Material sieht aus wie Leder und ist sperrig wie Filz. Durch seine Festigkeit entwickelt es eine eigene Plastizität. Es gilt als das älteste Textil der Menschheit und wird nur in Uganda gewonnen. "Ich bringe diese Geschichte mit hierher. Dieses große Stück Rinde dort hat ein einziger Mann hergestellt. Alles Rindentuch, das ich verwende, kommt von ihm. Ich kann es immer zu dem einzelnen Baum zurückverfolgen. Und er kann mir sagen, ob es bei der Ernte geregnet hat oder ähnliches. Seine Familie arbeitet seit 300 Jahren mit dem Rindentuch. Und ich will mit ihm zusammen diese Geschichte aufschreiben für künftige Generationen."

Lange wurde der ostafrikanische Feigenbaum abgeholzt. Jetzt wächst er wieder und schützt den Boden vor Erosion. Ihre Kleider verziert Jose Hendo mit drei schwarzen Streifen, ihrem Markenzeichen. Sie stehen für die drei R: Reduce, reuse, recycle. Auf die prächtigste Robe hat die Designerin in Berlin eine Weltkarte aus Rinde geheftet. Denn, sagt sie, die ganze Welt hängt zusammen.

"Connecting Afro Futures. Fashion x Hair x Design" läuft bis 1. Dezember im Kunstgewerbemuseum Berlin.

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