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So märchenhaft sind Elke Härtels Skulpturen im Kloster Beuerberg | BR24

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"Ferdinand" heißt Installation im Garten des Klosters Beuerberg. Märchenhaft und archaisch ist das Werk der Bildhauerin Elke Härtel, die auch das Denkmal zur Erinnerung an die Opfer des Amoklaufs am Münchner Olympia-Einkaufszentrum geschaffen hat.

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So märchenhaft sind Elke Härtels Skulpturen im Kloster Beuerberg

"Ferdinand", so heißt eine der Installationen im Kloster Beuerberg. Märchenhaft und archaisch ist das Werk der Bildhauerin Elke Härtel, die auch das Denkmal zur Erinnerung an die Opfer des Amoklaufs am Münchner Olympia-Einkaufszentrum geschaffen hat.

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Dieser Ausstellungsraum ist anders: Kein weißer Kubus, wie man ihn aus modernen Museen kennt, auch kein historischer Saal und keine alte Fabrikhalle: Es ist ein Pavillon in einem blühenden, summenden Garten, ein Rechteck aus schwarzem Holz, in dem das Licht, das durch die Seiten mit ihren geschwungenen Fensterbändern hereinscheint, umso heller erstrahlt.

Der Esel als Symbol der Hoffnung

Quer durch diesen Raum nun ziehen die märchenhaften Figuren von Elke Härtel, wie in einer Parade oder einer Prozession. Ganz zentral: ein Esel. Ein Last- und Arbeitstier, gleichermaßen bekannt aus Bibel und Grimms Märchen. Elke Härtels Esel aber trägt weder Jesus nach Jerusalem noch die Stadtmusikanten nach Bremen, seinem Rücken entspringt vielmehr ein kleiner Wald aus Kerzen. "Ich zünde eine Kerze an und habe einen Wunsch oder auch eine Sehnsucht, für mich oder jemand anderen", sagt Elke Härtel. "Das hat etwas mit Vergebung und Trost und Hoffnung zu tun, die Hoffnung, dass alles gut wird, nach einer geheilten humanen Welt."

© Thomas Dashuber

Die Skulpturen der Bildhauerin Elke Härtel im Klostergarten Beuerberg

Anders als im Märchen

Ganz in weiß stehen die Figuren vor den schwarzen Wänden des Pavillons, wie umgedrehte Scherenschnitte; aus weißem Hartgips gefertigt, so blütenrein, als wären sie nicht von dieser Welt. Traumbilder eben, unschuldige Blankoflächen, bereit dazu, Assoziation, Ideen, Wünsche aufzunehmen.

Hinter dem Esel kommt Eloise, ein kleines Mädchen, das einen Wolf würgt. Natürlich denkt man an Rotkäppchen, doch hier ist die Geschichte anders erzählt. Im Märchen überlebt Rotkäppchen nur mit Hilfe des Jägers und sehr knapp – genau genommen ist es ein handfestes Wunder, wie sie da unversehrt aus dem Bauch des Wolfs herausgeschnitten wird. Eloise aber ist da ganz Mädchen von heute: Ein starkes Kind, das sich nicht einfach fressen lässt, sondern sich dem Bösen aktiv entgegenstellt.

Zwischen Gut und Böse

Angeführt wird die märchenhafte Parade von einer Elefantenfrau, ein Selbstporträt der Künstlerin mit dicken Elefantenfüßen. Es muss zäh sein, mit solchen Füßen zu laufen, und doch schreitet die Figur voran. "Es ist ja immer auch eine Leichtigkeit dabei und eine Auflösung von dem Ganzen, ich will das gar nicht so eindeutig darstellen. Es schwankt immer zwischen Gut und Böse", erklärt Härtel. "Und diese Elefantenbeine haben ja auch was extrem Starkes. Nicht nur, dass das eine Einschränkung oder Behinderung ist, sondern dass so Elefantenfüße auch einiges anrichten können."

© Thomas Dashuber

Bildhauerin Elke Härtel bei ihren "Eselsstudien"

Vervollständigt wird das Quartett schließlich von Rapunzel, mit ellenlangen geflochtenen Zöpfen, die an Seile erinnern und sich zu ihren Füßen am Boden in Kreise legen. Soviel Haar fällt an dieser Figur herab, dass man erst auf den zweiten Blick bemerkt, dass sie keine Arme hat. Und trotzdem steht die junge Frau selbstbewusst da, barfuß und keck, im kurzen Kleid, und in ihrer natürlichen Unbeschwertheit sprühend vor Sinnlichkeit.

Zwischen Kindheit und Erwachsensein

Dazu passt die rokokohafte Anmutung der Formen, alles ist hier beschwingt und leicht. Um die tiefenpsychologischen Deutungen des Original-Märchens, in dem eine junge Frau in einen Turm gesperrt wird, geht es hier nicht. Elke Härtel hat einmal mehr ein eigenes Bild geschaffen. Ein Bild für diesen besonderen Zustand, in dem der Mensch ein Zwitter ist, ein Wesen zwischen Kind und Erwachsenem: "Diese räumliche Abgrenzung von der Außenwelt interpretiere ich als seelischen Zustand innerer Leere, diese Isolation, dieses Wegsein von allen und niemandem begegnen zu können."

Es sind klare, zum Teil archaische Bilder, die Härtel findet, leicht zugänglich und doch von einer Rätselhaftigkeit und assoziativen Offenheit, die noch lange weiterdenken lässt – am besten bei einem Spaziergang durch den blühenden Klostergarten.