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Gefährliche Verschwörungstheorien übers Impfen | BR24

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Impfen ist ein kontroverses Thema. Viele Eltern sind skeptisch, welche Impfungen wirklich nötig sind. Etwas ganz anderes sind Impfgegner, die Impfungen rundweg ablehnen, häufig sogar im Netz Unwahrheiten verbreiten und so die Verunsicherung anheizen.

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Gefährliche Verschwörungstheorien übers Impfen

Impfen ist ein kontroverses Thema. Viele Eltern sind skeptisch, welche Impfungen wirklich nötig sind. Etwas ganz anderes sind Impfgegner, die Impfungen rundweg ablehnen, häufig sogar im Netz Unwahrheiten verbreiten und so die Verunsicherung anheizen.

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© Eingeimpft/David Sieveking

Immer mehr Eltern sind verunsichert, welche Impfungen ihre Kinder wirklich brauchen.

Wie kommt eine Familie zu ihrer Impfentscheidung? Darüber hat David Sieveking, Vater und Filmemacher, 2018 einen autobiographischen Dokumentarfilm gedreht, der unter dem Titel "Eingeimpft" in den deutschen Kinos lief.

Shitstorm gegen Sieveking

Was Sieveking danach widerfuhr, hätte er vorher nicht für möglich gehalten: Seine Familie und seine Protagonisten erlebten einen absoluten Shit-Storm, der sie bis heute verfolgt und sogar ihre Existenz bedroht. Obwohl Sieveking kein Impfgegner ist und er und seine Familie im Film gegen Masern geimpft werden, wird er in einem Atemzug mit Verschwörungstheoretikern genannt.

Man wirft ihm vor, Impfskeptikern zu viel Platz im Film gegeben zu haben, kritische Aussagen über Impfstoffe werden als "unwissenschaftlich" deklariert. "Die medizinischen Sachverhalte stimmen. Ich habe sie mir auch von Medizinern abnehmen lassen", kontert der Filmemacher. Er ist fassungslos, dass er mit sogenannten Impfgegnern in Verbindung gebracht wird.

Impfgegner vs. Impfskeptiker

Impfgegner unterscheiden sich von Impfskeptikern dadurch, dass sie jegliche Impfung ablehnen und diese grundsätzlich als unnötig und schädlich für die Menschheit einstufen. Ihre medizinischen Argumente wurden jedoch wissenschaftlich widerlegt. Anhänger der "Impf-Lüge" sind etwa der Überzeugung, dass die Impf-Empfehlungen der WHO (World Health Organization) nur ausgesprochen werden, um die Profitgier der Pharma-Lobby zu bedienen.

Eine gängige Behauptung ist auch, dass die Pharmaindustrie absichtlich Mittel in die Impfstoffe mische, die Krankheiten hervorrufen, gegen die wiederum Arzneimittel desselben Konzerns verkauft werden. Eine weitere These ist, dass viele Krankheiten Nebenwirkungen oder Spätfolgen von Impfungen seien - wie etwa BSE, AIDS oder Autismus.

Das Robert Koch Institut klärt auf

Das Robert Koch-Institut ist die zentrale Einrichtung der Bundesregierung auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung und –prävention und gibt auf seiner Homepage Antworten auf die häufigsten Einwände gegenüber Impfungen.

Dass zum Beispiel Autismus durch das quecksilberhaltige Konservierungsmittel "Thiomersal" hervorgerufen wird, das in manchen Impfstoffen gering vorhanden ist, wurde widerlegt. Die Weltgesundheitsorganisation WHO, das US-ameri­kanische "Institute of Medicine" und die europäische Arznei­mittel­be­hörde EMA sind unabhängig voneinander zu dem Schluss gelangt, dass die verfügbaren Studien gegen einen solchen Zusammenhang sprechen. Mittlerweile sind außerdem für alle generell empfohlenen Schutzimpfungen quecksilberfreie Impfstoffe verfügbar.

Dass es bei der Impfstoffherstellung zu Verunreinigungen kommen kann, die für Erkrankungen wie BSE, AIDS oder Krebs verantwortlich sind, ist kaum möglich. Denn die Substanzen wie etwa das Serum von Kälbern oder die Eiweißbestandteile, die aus menschlichem Blutplasma gewonnen werden, werden strengstens kontrolliert.

Impfgegener können zur Gefahr werden

Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch Instituts in Berlin, sieht sich täglich mit Verschwörungstheorien und Lügen von Impfgegnern konfrontiert. Er stuft diese Entwicklung als durchaus gefährlich ein: "Es gibt auch die Theorie, dass durch Impfstoffe irgendwelche Mittel in den Menschen injiziert werden, mit denen man sich die Menschen dumm und gefügig machen kann", erzählt Lothar H. Wieler. In den sozialen Medien werden diese Theorien massiv verbreitet und verunsichern so immer mehr Menschen. Facebook, Youtube und einige andere Netzwerke haben mittlerweile reagiert und zeigen Inhalte von Impfgegnern nicht mehr prominent an.

Der Leiter eines europäischen Projekts zur "Analyse von Verschwörungstheorien", Prof. Michael Butter von der Universität Tübingen, warnt davor, sich verunsichern zu lassen. Wenn zum Beispiel behauptet werde, das HIV-Virus gäbe es gar nicht und deswegen schütze sich jemand dementsprechend nicht, sei das eine Gefahr für sich selbst und für andere. In einigen Ländern wie in Ungarn und in der Ukraine breiten sich gerade wieder Masern massiv aus, weil sich immer weniger Menschen aus Impfskepsis impfen lassen und sich die Krankheit schneller ausbreiten kann. Dadurch würden in der Vergangenheit erzielte Fortschritte gegen diese gefährliche Virusinfektion zunichte gemacht.

Gegenargumente helfen bei überzeugten Anhängern von Verschwörungstheorien wenig, sagt Wieler. "Wir sind der Ansicht, dass wir eine möglichst hohe Transparenz herstellen müssen, damit man den Verschwörungstheoretikern die Argumente nimmt." Denn Impfungen, so Wieler, sind nach wie vor der einzige und beste Schutz, damit sich lebensbedrohliche Krankheiten wie Masern oder Hepatitis nicht ausbreiten können.

Mehr zum Thema "Die Impf-Lüge" sehen Sie in STATIONEN - am Mittwoch, den 11. September, im BR Fernsehen und in der Mediathek.