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Für Pazifismus und Gerechtigkeit: Ewa Rataj als Ernst Toller
© Martin Kaufhold/Theater Bamberg

Autoren

Carlo Schindhelm
© Martin Kaufhold/Theater Bamberg

Für Pazifismus und Gerechtigkeit: Ewa Rataj als Ernst Toller

Auf der Bühne stehen nur wenige Objekte in knalligen Farben. Rote Kunstblumen – ein grünes Oval, dass an eine saftige Wiese erinnert: "Als nächstes spricht Ernst Toller!" – "Genossinnen, Genossen – Die Erde hat Nahrung für alle in Fülle. Des Menschen Geist fand Mittel und Wege, sich der Kräfte der Natur zur ermächtigen. Stein in wahrhaftes Gold zu verwandeln – in Brot." Ewa Rataj spielt die historische Figur Ernst Toller. Unterstützt wird sie auf der Bühne von der Musikerin Saskia Kaufmann – eine gegenwärtige Figur. Sie spielt Musik und Geräusche ein und liefert Kommentare aus heutiger Sicht.

So erklärt sie etwa, welche Befugnisse Politiker im Gegensatz zur parlamentarischen Demokratie in einer Räterepublik hatten: "Die werden auf einer niedrigen Ebene bestimmt, man hat eben so einen Rat – und erhält dann ein imperatives Mandat. Im Gegensatz zum freien Mandat, das unsere Abgeordneten heute bekommen. Beim imperativen Mandat kann man jederzeit wieder abberufen werden, wenn man nicht das macht, was man machen soll. Beim freien Mandat kann man eigentlich mehr oder minder tun und lassen was man will – bis man in vier Jahren noch einmal gewählt wird oder nicht."

Für Frieden und Gerechtigkeit: Reden gegen die Reaktion

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Schon damals Forderung nach Grundeinkommen

Die Münchner Räterepublik ging als Literaten- und Kaffeehaus-Republik in die Geschichte ein. Noch vom Grauen des Ersten Weltkrieges geprägt, kämpften Intellektuelle für eine bessere Welt, sagt der Dramaturg Remsi Al Khalisi: "Zuerst mal haben sie formuliert, sie wollen eine friedliche Lösung aller internationalen Konflikte. Das hört sich so einfach an. Das war aber damals recht neu, dass man sagt, wir lösen internationale Konflikte friedlich und eben nicht kriegerisch – das wollen wir nie wieder haben. Aber sie haben auch Forderungen gehabt wie die nach einem Grundeinkommen – was jetzt wieder diskutiert wird, seit Jahren. Das gab es da schon. Die Mütterrente wollten sie einführen. Und die Wohnungsnot lindern, also Wohnungen enteignen, um sie den Bedürftigen zu geben."

Ernst Toller dichtete: "Hier prunken leer die Paläste, dort hat der Mensch keine Bleibe. Hier verkümmern Kinder. Dort werden Güter verbrecherisch vertan. Ich fasse das Leid nicht – das der Mensch dem Menschen zufügt." Die Idee zu dem Theaterstück kam von der jungen Regisseurin Sophia Barthelmes. Mit einer Konzeptidee wandte sich die gebürtige Fränkin an das E.T.A.-Hoffmann-Theater. Ein Geschichtslehrer brachte sie während ihrer Schulzeit auf Toller. Schon damals war sie von dem Münchner Revolutionär fasziniert: "Es hat mich sehr fasziniert, dass Ernst Toller, mit allen anderen damals in München, in Bayern, das gemacht hat – und nicht nur das. Es gab Räterepubliken auch in Franken und überall. Ich fand das sehr faszinierend dafür, dass Bayern dann so schwarz geworden ist – und eigentlich mal eine sehr starke linke Tradition hatte."

Visionen für eine bessere Welt

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Lustvolle Hartnäckigkeit ist berührend

Die Konterrevolution führte ein breites Bündnis aus der damaligen SPD, Konservativen und extremen Rechten von Bamberg aus. Mit Unterstützung von Freikorpsverbänden wurde die Räterepublik blutig niedergeschlagen. Viele führende Personen der Räterepublik waren jüdischer Herkunft, was zu einem aufflammenden Antisemitismus nach der Niederschlagung führte. Im Exil in den USA beging Ernst Toller Selbstmord. Für die Regisseurin Sophia Barthelmes war er dennoch ein Mensch, der Mut machen kann: "Er lässt überhaupt nicht nach in dem Glauben daran, das Menschen gut sein könnten. Da liegt eine lustvolle Hartnäckigkeit drin, die finde ich wirklich sehr berührend."

Wieder am 23., 24. 28. und 29. November am E.T.A.-Hoffmann-Theater Bamberg, weitere Termine.

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