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So farbenfroh – und merkwürdig – malte Walter Ophey | BR24

© Bayern2

Er fühle sich in der Farbe am wohlsten, hat Walter Ophey einmal bekannt. Dem rheinischen Expressionisten hat das Museum Kunstpalast Düsseldorf eine große Sonderausstellung gewidmet, die nun im Kulturspeicher Würzburg zu sehen ist.

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So farbenfroh – und merkwürdig – malte Walter Ophey

Er fühle sich in der Farbe am wohlsten, hat Walter Ophey mal bekannt. Dem rheinischen Expressionisten hat der Kunstpalast Düsseldorf eine Ausstellung gewidmet, die nun in Würzburg zu sehen ist: Sie zeigt einen Künstler, der die Routine ablehnte.

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"Herbstphantasie" – ein Gemälde, das von leuchtenden Gelb- und Blautönen dominiert wird. Das Naturmotiv von Bäumen mit Herbstlaub ist nicht direkt als solches zu erkennen: Es scheint eher, als würde ein kleines Stück Waldboden in Flammen aufgehen. Das gelblich lodernde Feuer wird immer wieder von roten Fäden durchzogen, die wie Adern oder Äste zum Ende hin dünner werden. Mit diesem Gemälde beginnt die Ausstellung zu Walter Ophey, über den Kuratorin Henrike Holsing sagt: "Walter Ophey war ein Maler, den die Farben liebten. Das trifft es eigentlich sehr gut, denn er hat in seinen Bildern immer die Farbe bildbestimmend eingesetzt – von seiner Frühzeit bis zu seinen späteren Werken."

Vorbei an der "Herbstphantasie" von 1912 begibt sich der Besucher dann auf eine Reise durch das Leben Walter Opheys bis zu seinem Tod 1930. Dabei ist es kaum zu glauben, dass alle Gemälde und Zeichnungen der Ausstellung von ein und demselben Künstler stammen. Doch gerade in dem fehlenden einheitlichen Stil, sieht Henrike Holsing die Qualität des Malers: "Er hat sich gegen die Routine entschieden. Er hat sich dafür entschieden, die Welt immer wieder frisch zu sehen und mit einem ganz neuen Farbmaterial und einer neuen Kompositionsidee da heranzugehen."

Inspiriert von Picasso, van Gogh und Schubert

Die plastischen Pinselstriche von van Gogh, die kubistischen Formen von Picasso, die romantischen Kompositionen von Schubert – Walter Ophey hat sich anscheinend überall inspirieren lassen. So zeigt die Ausstellung prächtige Gärten, kantige Gebäude, aber auch idyllische Mondlandschaften. Es mag chaotisch wirken, hat aber den Vorteil, dass vermutlich jeder ein Bild findet, das ihm gefällt. Henrike Holsing beschreibt das Alleinstellungsmerkmal des Malers: "Ophey hat eine ganz besondere Art der Zeichnung entwickelt: mit farbigen Kreiden, in denen er Landschaften und Denkmäler der Industriekultur in reinen Kreidestrichen wiedergibt, also nicht mit Farbe ausfüllt, sondern nur mit farbiger Kreide konturbetont zeichnet und dann diese Konturen nach einer Seite hin auswischt und zum Strahlen bringt."

© unbekannter Fotograf

Der Maler Walter Ophey im Jahr 1908

Eine solche Kreidezeichnung hat Walter Ophey auch von Würzburg angefertigt, "Stadtbild mit Kran" heißt sie. Die Silhouetten von charakteristischen Gebäuden Würzburgs erscheinen dabei in Orange, Braun, Blau und Grün. Doch diesen Blick über die Stadt gibt es in Wirklichkeit nicht. Im Bild drängen sich die Häuser aneinander, scheinen nur wenige Meter voneinander entfernt.

Gegenstände werden lebendig

Ein weiteres Merkmal von Ophey: Gerade nach dem Krieg malte er oft Gebäude, Gegenstände oder industrielle Motive. Puppen, Bagger oder ein Karussell inszenierte er, als wären es lebendige Wesen. Skurril. Interessant. Ungewöhnlich. Auch für Kuratorin Henrike Holsing: "Man ist wirklich auch erstmal verstört von manchen Bildern, weil sie so merkwürdig sind. Und wenn man sich dann eingesehen hat, dann entdeckt man die Qualitäten daran und kann es auch für sich zulassen, dass es merkwürdig ist."

Die Ausstellung "Farbe bekennen!" zeigt die vielen Facetten von Walter Ophey, der beeinflusst wurde von bekannten Malern und Komponisten, aber auch von traumatischen Ereignissen, wie dem Ersten Weltkrieg oder dem Tod des eigenen Sohnes. Opheys Kunst ist merkwürdig, aber doch vielseitig und vor allem eins: farbenfroh.

Die Ausstellung "Farbe bekennen!" ist bis zum 19. Januar 2020 im Kulturspeicher Würzburg zu sehen.

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