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So dokumentiert das Münchner Stadtmuseum die Corona-Krise | BR24

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Wie die Krise sammeln? - Das Münchner Stadtmuseum sucht nach Corona-Exponaten

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So dokumentiert das Münchner Stadtmuseum die Corona-Krise

Warnschilder, Masken, Klopapier: Die Pandemie ist noch lange nicht vorbei und hat doch bereits viele Spuren hinterlassen. Das Münchner Stadtmuseum sammelt seit Wochen Objekte, die die Krise widerspiegeln. Darunter auch überraschendes - etwa ein Ei.

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Bereits seit einigen Jahren treten Museen immer stärker mit ihren Besuchern in Kontakt: "Teilhabe" lautet das Zauberwort. Das gilt ganz besonders für Stadtmuseen. Immerhin sind die Bürgerinnen und Bürger Experten für das Leben in ihrer Stadt. Das gilt auch in Zeiten von Corona.

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Manches ist schon jetzt Geschichte

Auf das Leben der Münchnerinnen und Münchner wirkt sich die Pandemie ganz unterschiedlich aus. Erst in der Gesamtschau vieler Objekte, Fotos oder Tagebucheinträge wird sich die besondere Situation später einmal darstellen lassen. Manches ist sogar schon wieder Geschichte: Schilder an Geschäftseingängen etwa, die auf Schließungen zunächst bis Ostern hinweisen. Oder auch Ostern selbst: in diesem Jahr ein Fest ohne Gottesdienste und ohne große Familienfeiern. Und so war es für viele eben auch eine Zeit der Einsamkeit.

Das Ei als Spiegel der Krise

Das Münchner Stadtmuseum hat das Glück, all dies in einem einzigen Exponat zeigen zu können: Ansteckungsgefahr und Unsicherheit, aber auch Solidarität und emotionale Verbundenheit durch und hinter den geschlossenen Türen spiegelten sich in einem ganz besonderen Ei, erzählt Museumsleiterin Frauke von der Haar: "Dabei handelt es sich um ein bemaltes Osterei, das eine Dame ihrer Schwester an die Tür gehängt hat, als Ersatz für die ausgefallene Feier. Aufgemalt auf diesem Ei sind die wichtigsten Schlagworte, die die Krise kennzeichnen: Nudeln, Pandemie, Infektion, Klopapier, Corona ... auf diesem kleinen Ei ist also alles versammelt, was dieses Ostern geprägt hat."

Die Bürger*innen sammeln von selbst

Die Corona-Pandemie ist ein Ereignis, das so gut wie alle Lebensbereiche beeinflusst: das Stadtbild, die persönliche Verfassung, die Gesetzgebung, die Regeln im Umgang miteinander, das Freizeit-, Sport- und Reiseverhalten, die Arbeitsbelastung. Viele Menschen haben diese besonderen Zeiten von sich aus dokumentiert; haben Gabenzäune fotografiert und Lautsprecherdurchsagen der Polizei aufgenommen; haben Kinderzeichnungen archiviert oder ihre eigenen Gedanken aufgeschrieben. Nicht alles, was dem Museum zugesandt wurde, kann in die Sammlung übergehen. Manches doppelt sich. Aber auch die Häufung bestimmter Themen, erzähle ja von der Krise, betont Frauke von der Haar: "Wenn Menschen in einer bestimmten Phase sehr oft die leere Stadt fotografieren, kann man daraus lesen, dass das für viele sehr beeindruckend war. Dennoch werden wir nicht alles aufbewahren können."

Eine erste Ausstellung steht an

Schon relativ bald soll es im Außenbereich des Museums eine Art Schaufenster geben, in dem eine Auswahl der eingesandten Dinge gezeigt wird. Auf der Webseite des Museums gibt es bereits jetzt einiges zu entdecken, etwa Bilder von Niki Marquards Corona-Hut. Die international bekannte Münchner Hutmacherin hat einen Strohhut mit einem Durchmesser von 1,5 Metern entworfen und gebaut. Eine riesige Krempe schützt hier nicht nur vor der Sonne, sondern sorgt auch für den neuerdings geforderten Abstand zu unseren Mitmenschen.

Derweil geht das Sammeln natürlich weiter. Aktuell etwa zeugen überquellende Mülleimer vom regen Leben auf der Straße und in den Parks. Regenbogenbilder im Fenster erzählen von Solidarität und Gemeinschaftssinn und die Mund-Nasen-Bedeckungen von der Maskenpflicht.

Wenn Sie dem Münchner Stadtmuseum selbst ein Corona-Exponat zur Verfügung stellen wollen, dann schreiben Sie an corona.stadtmuseum@muenchen.de.

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