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So beeinflusst der Klimawandel eine Kaffeekrise | BR24

© Audio: BR; Bild: dpa / picture alliance / Nick Kaiser

Ein Kaffeebauer auf einer guatemaltekischen Plantage. Kleinbauern leiden unter niedrigen Weltmarktpreisen und den Folgen des Klimawandels.

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So beeinflusst der Klimawandel eine Kaffeekrise

Kaffeeröster weltweit schätzen die Qualität des Hochlandkaffees aus Mittelamerika. Doch in vielen Regionen Guatemalas könnte es bald vorbei sein mit dem Kaffeeanbau. Kleinbauern leiden unter niedrigen Weltmarktpreisen und den Folgen des Klimawandels.

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Bald wird er siebzig Jahre alt sein. Doch auf einen gesicherten Lebensabend kann sich der guatemaltekische Tagelöhner Sixto Pérez nicht freuen. Er weiß nicht, ob er und seine Familie in den kommenden Tagen ausreichend zu essen haben werden. Früher hat er noch ordentlich verdient, er besaß ein kleines Grundstück mit über tausend Kaffeepflanzen.

"Ich bin inmitten von Kaffeepflanzungen aufgewachsen. Bei uns im Dorf gab es früher keinen chemischen Dünger. Der Kaffee wuchs mit der Kraft der Erde, guter Kaffee." Sixto Pérez

Doch der Klimawandel und die niedrigen Weltmarktpreise könnten dem Kaffeeanbau in vielen Regionen Guatemalas bald ein Ende bereiten. "Alles hat sich verändert, vor allem das Wetter. Manchmal regnet es überhaupt nicht mehr", sagt Sixto Pérez. Der Temperaturanstieg zerstört die Lebensgrundlage vieler Menschen in der Region.

"Klimawandel ist Menschenrechtsthema"

Deshalb bezeichnet der Bischof der Diözese Santa Rosa, Bernabé Sagastume, die globale Erwärmung als ein Menschenrechtsthema. "Arme Länder wie Guatemala leiden mehr als andere unter den Konsequenzen des Klimawandels", so der Bischof. "Die Armut ist schlimmer geworden, die Ausweglosigkeit, der Hunger." Kleinbauern bekämen keine Unterstützung, viele müssten ihren Besitz verkaufen, um Schulden zu bezahlen.

Anfang des Jahrtausends gehörte Guatemala noch zu den fünf Spitzenproduzenten der Welt. Seither ist das Land auf den zehnten Rang zurückgefallen. In diesem Jahr wird die Ernte wahrscheinlich noch schlechter ausfallen. Guatemala sei besonders von der globalen Erwärmung betroffen, so Bischof Bernabé Sagastume, "wegen seiner geografischen Lage zwischen zwei Ozeanen. Wir sind den Folgen des Klimawandels schutzlos ausgeliefert."

"Früher konnten Familien mit nur einem Hektar Land so viel Geld verdienen, dass sie gut leben und ihre Kinder zur Schule schicken konnten. Heute verdienen alle Kaffeebauern in dieser Region nicht mehr genug, um ihre Pflanzungen angemessen zu pflegen und ihren Familien menschenwürdige Lebensbedingungen zu bieten." Quelvin Jiménez, Rechtsanwalt

Kranke Kaffeepflanzen

Die allermeisten der 270.000 Hektar Land, auf denen heute in Guatemala Kaffee angebaut wird, sind vom "Kaffeerost" befallen. Der Pilz überdauert Trockenperioden und kann sich durch kurze Regenschauer schnell auf weitere Pflanzen ausbreiten. Deshalb ist ein großer Teil der Kirschen, deren Kern die Kaffeebohne ist, auf den Feldern von Santa Rosa klein und schrumpelig.

Auch Bohnen, die nicht der Norm genügen, finden Käufer auf dem nationalen Markt. Aber ihr Preis liegt nicht einmal bei einem Zehntel dessen, was die schönen roten Kirschen bringen, die den Anforderungen des internationalen Marktes für Qualitätskaffee entsprechen.

"Vor etwa sechs Jahren haben wir hier erste Veränderungen erlebt. Richtig schlimm wurde es dann vor drei, vier Jahren. Ganze Felder sind gestorben. Seither sind mindestens sechzig Prozent der Pflanzen verloren gegangen." Alex Reynoso, Kaffeeproduzent

Der Rechtsanwalt und Umweltaktivist Quelvin Jiménez meint, der Temperaturanstieg in Santa Rosa sei definitiv eine Folge des Klimawandels. "In den Höhenlagen gab es früher nie solche Hitze. Heute wird es auf 1.200 Metern genauso heiß wie auf 100 Metern über dem Meeresspiegel." Der Kaffeerost habe sich ausgebreitet, weil der Pilz auf günstige Bedingungen getroffen sei. "Darauf waren wir nicht vorbereitet."

Quelvin Jiménez ist wütend, dass einige mächtige Politiker die Bedeutung des Klimawandels für die Kaffeeproduktion abstreiten. "Sie nennen uns Ökohysteriker, weil wir vom Klimawandel sprechen. Wir fordern, dass alle Länder verantwortungsvoll handeln." Denn die Wirtschaft im Land würde leiden und viele Leute seien gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Schuld daran sei der Klimawandel.