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So ärgerlich egal ist Roland Emmerichs neuer Film "Midway" | BR24

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Mit der Seeschlacht um die Midway-Inseln 1942 heilten die Amerikaner etwas ihr Trauma von Pearl Habour. Jetzt hat Roland Emmerich unter dem Titel "Midway - Für die Freiheit" einen Film über diese Schlacht gedreht.

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So ärgerlich egal ist Roland Emmerichs neuer Film "Midway"

Mit der Schlacht um die Midwayinseln gelang den USA 1942 die Wende im Pazifikkrieg. Roland Emmerich bringt sie nun als "Midway – Für die Freiheit" ins Kino. Doch der Film bietet weder packende Action noch einen Helden, mit dem man mitfiebern möchte.

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In der Pressevorführung zum Kriegsdrama "Midway" ist etwas passiert, was eigentlich selten passiert: Es wurde gelacht. Todesmutige Bomberpiloten stürzen sich auf Kampfschiffe? Lachen. Eine Witwe trauert um ihren Mann? Lachen. Einer unserer Helden wagt einen Sprung von einem brennenden Schiff aufs nächste? Lachen.

Das ist natürlich bitter. Erst einmal für mich, der sich alle Mühe gibt, Roland Emmerichs Kriegsfilm ernstzunehmen, obwohl rechts von mir gegiggelt wird. Und natürlich für Roland Emmerich selbst. Denn "Midway" will ernst genommen werden. Emmerichs populärster Film, “Independence Day”, hat sich nie geschämt für das, was er ist: banales Popcorn-Kino mit wuchtigen Effekten. "Midway" will aber mehr. Er will eine ernste Geschichte erzählen über mutige Piloten, die im Juni 1942 den Krieg im Pazifik drehen.

Kompetente Helden

Da wäre zuerst einmal Bomberpilot Dick Best. Er ist ein Held, wie er in jedem Emmerich-Film vorkommen könnte: kompetent, ein bisschen arrogant, aber dann doch empathisch. Dick Best ist natürlich derjenige, der in der entscheidenden Schlacht die entscheidende Bombe wirft. Best ist ganz klar unser Protagonist, wobei Emmerich multiperspektivisch erzählt. Neben Best wäre da noch der Nachrichtenoffizier Edwin Layton. Er ist dafür verantwortlich, die Strategie der Japaner zu entschlüsseln. Und Laytons Gegenpart, Admiral Yamagutchi, der versucht, die Amerikaner aus dem Pazifik zu vertreiben.

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Etsushi Toyokawa als Admiral der kaiserlichen Flotte Isoroku Yamamoto

In einem Interview mit dem Spiegel hat Roland Emmerich gesagt: "Wer heute einen Kriegsfilm dreht, bei dem am Ende nur die eine Seite jubelt, macht nicht den richtigen Film für unsere Zeit." Und ja: Emmerich widmet sich tatsächlich ausführlich der Seite der Japaner. Immer wieder schalten wir rüber zur Gegenseite, sehen ihnen beim Taktieren zu. Aber nur, weil man mal was vom Gegner sieht, heißt das nicht, dass beide Seiten gleichberechtigt sind. Das verhindert unter anderem die chinesische Koproduktion. Emmerichs Film wird zum Teil aus China finanziert, weshalb ein völlig losgelöster Handlungsstrang plötzlich in China spielt. Hier werden die Greuel gezeigt, die das japanische Imperium während des Krieges den Chinesen angetan hat – von der vorgeblichen Objektivität ist hier nichts mehr übrig.

Mittelmäßiges Kino ohne Tiefgang

Auch die Frage des "Wieso?" wird im Film nur angeschnitten. Amerikaner und Japaner fliegen heiße Gefechte über dem Pazifik, zerstören ganze Atolle. Die Sinnlosigkeit eines offenen Kriegs im Pazifik, wo man nur virtuell Land gewinnen kann, wird kaum transparent. All das wäre ja noch zu verschmerzen, wenn "Midway" gutes Actionkino wäre. Aber Dick Best und seine Bomberkollegen sind so unnahbar, dass einem das Mitfühlen wirklich schwer gemacht wird. Selbst die Effekte, die Explosionen, die ratternden Kanonenboote können diesen Film nicht retten. Emmerich wollte packende Action mit echten Helden. Herausgekommen ist leider nur mittelmäßiges Kino. Anders als meine Kollegen habe ich nicht gelacht, stattdessen hatte ich ein Gefühl, das noch viel schlimmer ist: vollkommene Gleichgültigkeit.

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