BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

"Sløborn" im ZDF: Eine Pandemie-Serie in Corona-Zeiten | BR24

© ZDF/Stefan Erhard

Auf der Nordseeinsel Sløborn wird in der Pandemie hart durchgegriffen.

Per Mail sharen

    "Sløborn" im ZDF: Eine Pandemie-Serie in Corona-Zeiten

    Die neue Genre-Serie "Sløborn" ist lange vor Corona entstanden, nun hat die Realität sie eingeholt. Serienmacher Christian Alvart zeigt uns ein Katastrophenszenario, das Pandemieangst und Skepsis bedient. Geht das in der aktuellen Situation noch auf?

    Per Mail sharen

    Husten und Fieber – es fängt harmlos an. Wie irgendeine stinknormale Erkältung. Aber dieses Virus ist ein stummer Killer, das sich erst bemerkbar macht, wenn es längst zu spät ist und einem blutige Tränen über die Wangen rinnen. Das Virus, das sich in der Serie "Sløborn" langsam in Europa ausbreitet, ist natürlich nicht das neue Corona-Virus. Sondern eine gefährliche Vogelgrippe, die fast immer tödlich endet. Ein paar Touristen bringen es unwissentlich auf die Nordsee-Insel Sløborn an der dänischen Grenze. Weil die Symptome nicht weiter auffallen, stecken sich schnell ein paar Jugendliche und deren Familien an. Darunter ist auch die 15-jährige Evelin (Emily Kusche), die sich pflichtbewusst nach der Schule um ihre Geschwister kümmert – und ein brisantes Geheimnis hat: Evelin ist schwanger. Von ihrem Lehrer.

    Panikfernsehen im Pandemiesommer?

    Und das ist nur eines von vielen kleinen Kleinstadt-Dramen, die auf Sløborn ganz langsam in die Katastrophe führen. Anders als ihre Eltern, der Polizist, der Lehrer und die Hotel-Chefin erkennen Evelin und ihre Freund*innen die lauernde Gefahr schnell. Und anders, als wir es während der Corona-Pandemie in der Realität erleben, werden in der Serie alle Horrorszenarien wahr: Leute halten sich nicht an Hygiene-Regeln, die Regierung verschweigt den Ernst der Lage und verstößt im Namen des Seuchenschutzes gegen sämtliche Menschenrechte. Die Bundeswehr knüppelt die Leute nieder, die Medien lügen und Wutbürger machen ihrer Empörung mit Gewalt Luft.

    Das Bild von Deutschland, das wir in "Sløborn" zu sehen bekommen, ist pessimistisch und schwer verdaulich. Aber immerhin ist es ziemlich spannend. Serienschöpfer Christian Alvart ("Dogs of Berlin") hat sein Katastrophensetting sorgfältig recherchiert. So machen viele Parallelen zur Realität die Serie noch gruseliger, obwohl sie lange vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie entstanden ist. Das fängt schon an bei Vorsichtsmaßnahmen wie Hygiene- und Abstandsregeln.

    Das Timing der Serie ist das größte Problem

    Leider bleiben die vielen Charaktere über die acht Folgen recht flach, einige wirken fast wie Karikaturen, etwa der zugekokste Star-Autor und die fromme Buchhändlerin, in deren Gästezimmer er untergebracht ist. Und manche Handlungsstränge scheinen bis zum Ende überhaupt nichts mit der Hauptstory zu tun zu haben. Bis endlich alle Figuren und Geschichten eingeführt sind und die Katastrophe ihren Lauf nimmt, dauert es dann auch bis zur Mitte der ersten Staffel. Das ist wirklich schade. Denn "Sløborn" hat einen tollen Look, sehr gute Schauspieler*innen und wunderbar blutige, gelungene Schockszenen. So einen Genre-Stoff sieht man im ZDF nicht sehr häufig.

    Dass die Realität die Serie eingeholt hat, ist vermutlich das größte Problem von "Sløborn": Wer will sich schon ausgerechnet im Pandemie-Sommer mit einem Szenario konfrontieren, das anderswo auf der Welt droht Realität zu werden?

    "Sløborn" ist bis Ende Januar 2021 in der ZDF Mediathek abrufbar.

    Die neuesten Serien und die Geschichten dahinter werden Ihnen im PULS-Serienpodcast "Skip Intro" vorgestellt. Zum Abo geht's hier entlang.

    Die BR KulturBühne – ein Platz für Konzerte, Events, Debatten und auch großes Vergnügen. Hier geht's lang!