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© Audio: BR / Foto: Facebook-Auftritt der Hamburg Spinners
Bildrechte: Hamburg Spinners / Facebook-Auftritt

Die Hamburg Spinners machen Musik, die in den 70er-Jahren im elterlichen Partykeller gelaufen wäre.

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Nostalgie aus dem Partykeller - Debut-LP der Hamburg Spinners

Der Hamburger Tastenkünstler Carsten Meyer produziert Musik für Fernsehserien, betreibt als Erobique mit DJ Koze ein Dancefloor-Projekt und hat sich jetzt einen Herzenswunsch erfüllt: Mit Kollegen hat er ein witziges Hammondorgel-Album eingespielt.

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Von
  • Markus Mayer

Eine legendäre Hammond-B3-Orgel quietscht und quäkt vergnüglich vor sich hin, dazu gesellen sich Klänge von E-Gitarre, E-Bass und Schlagzeug. Die Hamburg Spinners sind ein Quartett, in dessen klanglichem Zentrum diese elektromechanische Orgel steht. Der Sound dieses Tasten-Instrumentes bildete auch bei Booker T. And The MGs den Mittelpunkt, bei der legendären Band, die als Rhythmusgruppe des Südstaaten-Soul-Labels Stax in die Musikgeschichte einging. Verantwortlich waren Booker T. And The MGs auch für raffiniert-minimalistische Pop-Hits wie Green Onions.

Als Erobique ist er Dancefloor-Fans ein Begriff

Carsten Meyer ist in der Musikszene auch als Erobique bekannt – und legt als Gute-Laune-DJ auf. Er ist auch ein Popmusik-Aficionado, ein Liebhaber der Klänge vergangener Zeiten. Der Sound der Hammond ist schließlich verbunden mit den 60er-Jahren, mit dem Jazzvirtuosen Jimmy Smith und den Nummern des Londoner Rhythm’ n’ Blues-Musikers Georgie Fame. Wie also heutzutage Musik machen mit der Hammond, ohne bereits Existierendes nachzuäffen oder es allzu simpel zu kopieren? Carsten Meyer und seine Kollegen lösen das, indem sie sich bewusst zurück beamen in die Zeit der Miniröcke, der Coca-Cola-Bälle und der Vespa-Motorroller. Die Stücke, die sie spielen, hat man damals einfach vergessen zu komponieren.

Pastiche nennt man in der Kunstgeschichte ein Werk, das offen das Werk vorangegangener Künstler, Filmemacher, Maler oder Musiker imitiert bzw. nachahmt, seit den 90er-Jahren findet dieser Begriff auch in der Popkultur Verwendung.

Angelehnt an 1.001 Trash-Pop-Hits

Die Hamburg Spinners haben ihre Instrumentals augenzwinkernd als Pastiches angelegt. Es sind musikalische Postkarten, die an Filme mit Karin Dor erinnern, an Lichtorgel und Partykeller-Seligkeit. Der Trash trivialer Schundromane, Männerbild und Exotikhunger vergangener Zeiten werden in Titeln wie Maries Mexikaner, Haschrebellen und der Kiezpanther persifliert. Dazu spielen die Hamburger recht zackig-hanseatisch auf, kerzengerade linear, ohne rhythmische Unsauberheiten, wie schon bei diversen Bands der Hamburger Schule zu hören. Das darf man allerdings nicht als uncool abtun, sondern muss es als Qualität erkennen. Keiner spielte je so straight und betont kühl wie diese Jungs aus Hamburg.

Neulich im Partykeller der Eltern ...

Schon witzig, wie sich die Hammond, dieses klobige Etwas, das einst als unseriöses Musik-Instrument galt, emanzipiert hat, gefeiert wird es vor allem in Pop, Jazz- und Rockmusik. Man könne auf der Hammond nur Fingergymnastik betreiben, meinten Kritiker, weit gefehlt. Die Hamburg Spinners, deren Namen und Besetzung an viele Bands der schwarzen Musik erinnert, haben jedenfalls liebenswerte Pastiches geschaffen, die beim Hören umgehend für gute Laune sorgen und ein Lächeln ins Gesicht zaubern, das Bein beginnt von ganz alleine zu wippen.

Also her mit dem Whisky Cola und einem exotischem Longdrink mit Cocktailkirsche und Schirmchen oben drauf!

"Skorpion im Stiefel" von den Hamburg Spinners ist bereits digital erschienen, seit Freitag, den 22. Januar, ist das höchst vergnügliche Album auch auf Vinyl erhältlich – über Asexy Records.

© Asexy Records
Bildrechte: Asexy Records

"Skorpion im Stiefel" von den Hamburg Spinners

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