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Kultur

"Sixteen Oceans": außergewöhnlicher Pop von Mastermind Four Tet | BR24

© Audio BR/ Bild dpa/picture-alliance

Sixteen Oceans vom Londoner IDM-Mastermind Four Tet

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"Sixteen Oceans": außergewöhnlicher Pop von Mastermind Four Tet

Kieran Hebden, der Londoner Beatbastler und Electronica-Künstler alias Four Tet hat sein zehntes Studio-Album rausgebracht: "Sixteen Oceans". Es tönt nicht ganz so rau und scharfkantig wie seine ersten, ist aber so intelligent wie eh und je.

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Das fängt ja schon mal gut an: Auf "Baby", der Single, die aus Sixteen Oceans ausgekoppelt wurde, ist Popvokalistin Ellie Goulding als Gast zu hören. Ihr Gesang wurde in kurze Schnipsel zerhackt, mal in den Vordergrund gemischt, mal scheinbar in weiter Ferne, wie aus dem Hintergrund, bevor der Beat wiedereinsetzt und man in einen unwiderstehlichen Groove gebeamt wird.

Geschichten ohne Worte

Es muss ja nicht Strophe-Refrain ad infinitum, also ein klassischer Pop-Song sein. Kieran Hebden alias Four Tet ist einer jener Techno-Produzenten, die mittels superästhetischer Sounds und überarbeiteter Klänge instrumentale Narrative fabrizieren, Geschichten ohne Worte, musikalische Erzählungen von nächtlichen Feiern, von gelöster Stimmung, einem Lächeln auf dem Dancefloor.

Seine Stücke bastelt er am Computer mit digitalen Musikprogrammen, in denen der Programmierer zum Dirigenten wird. Der Produzent bestimmt, wann welche Einsätze den Ablauf beeinflussen, beziehungsweise die Wahrnehmung der Hörerschaft ändern dürfen.

Hebden, Sohn einer indischstämmigen Südafrikanerin und eines britischen Soziologieprofessors, kennt sich aus in der Musikgeschichte. Angefangen hat er als Gitarrist einer Postrockband namens Fridge. Als Four Tet kooperierte er dann mit dem afroamerikanischen Jazzschlagzeuger Steve Reid, zudem hat er Stücke von radiohead, The Notwist oder The XX geremixed, also interpretiert, alles Größen der Indie-Elite, innovative Künstler, die mit ihrer Musik Neues erreichen wollen.

© Jazz Archiv picture alliance Michi Reimers

Kieran Hebden

Eigenwillige Inszenierungs-Ideen

Auch Four Tets neuem Album hört man an, dass hier einer eigenwillige Inszenierungs-Ideen hat: Wenn etwa eine vertrackte Klingklang-Figur einsetzt, die einen anderen Schwerpunkt setzt als das zu Grunde liegende Rhythmus-Muster. Der Dreh in der elektronischen Musik ist die Repetition, die Wiederholung, allerdings wird dabei nicht stumpf bumm-bumm gemacht, also Vergangenheit reproduziert, sondern Zukunft entworfen, weil es dann doch wieder anders klingt als mental vorgestellt, etwa in "Love Salad".

Außenaufnahmen, Hörspiele mit raffinierten Klangeffekten, unterschiedliche Akustiken, Beats, die abrupt aussetzen und irgendwann wiedereinsetzen. Sechzehn abwechslungsreiche Tracks finden sich auf "Sixteen Oceans", dem Album mit dem allzu tiefsinnigen Titel, aber sei's drum.

Auch wenn die Musik auf Four Tets zehntem Studio-Album nicht mehr ganz so rau und scharfkantig daherkommt wie zu Karriere-Beginn, was Zeichen einer Stagnation wäre, würde es unverändert tönen. Überraschend und intelligent sind die Zauber-Klänge, die der Meisterproduzent auf seinem Rechner herstellt, nach wie vor.

Und das Beste: Die Musik verführt noch immer, sie will nachvollzogen werden, will, dass der Körper sich bewegt sprich, dass getanzt wird. Was ja nicht verboten ist - selbst in Zeiten wie diesen nicht. Also, das neue Four-Tet-Album einlegen, am besten nachmittags, Vorhang zu und laut aufdrehen! Der Rest kommt dann von ganz allein.

Four Tet, "Sixteen Oceans" ist bei Text / Indigo erschienen.

© Indigo / Montage BR

"Sixteen Oceans" Four Tet

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