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Symbolbild: Liebe

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Sinnliches zum Valentinstag - Blick ins Hohelied der Liebe

Eigentlich geht es am Valentinstag nicht um den größten Blumenstrauß, sondern um die Liebe. Eines der ältesten Zeugnisse leidenschaftlicher Liebesliteratur steht in der Bibel: Das Hohelied – und das ist in mancherlei Hinsicht ziemlich modern.

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Von
  • Astrid Uhr

"Mein Liebster, komm doch in deinen Garten und genieße seine köstlichen Früchte." So steht es im Hohelied Kapitel 4, Vers 16. Bibelwissenschaftler sehen in diesem Garten-Vergleich eine eindeutige Aufforderung zum Liebesgenuss. Die poetische und sinnliche Sprache drücke eine offenkundige Erotik aus.

Hohelied der Liebe: Bildhafte Vergleiche animieren

Auch der Münchner Prof. Christoph Levin ist überzeugt, dass das Hohelied mit seinen bildhaften Beschreibungen sexuell animieren könne. "Er führt mich in seinen Weinkeller, und die Liebe ist sein Zeichen über mir, erquickt mich mit Traubenkuchen, labt mich mit Äpfeln. Denn ich bin krank vor Liebe! Sein linker Arm liegt unter meinem Haupte, sein rechter Arm hält mich umschlungen" heißt es dort etwa. Das Hohelied besingt in einer bildhaften Sprache die Liebe und Erotik zwischen Mann und Frau, bis hin zur konkreten Umarmung. Wenn die Liebe z.B. mit Wein verglichen wird, dann drückt diese Metapher das Rauschhafte der Liebe aus. Denn der Wein als "Rauschgetränk" signalisiere also das rauschhafte, ekstatische Element der Liebe. Trauben werden oft als Allegorie für den weiblichen Busen verwendet.

Auch Frauen äußern sexuelle Sehnsüchte

Die beiden Liebenden sind sich im Hohelied ebenbürtig, auch in erotisch-sexuellen Belangen, wie es in Vers 7 heißt: "Mein Geliebter gehört mir, und ich gehöre ihm". Die leidenschaftliche Hingabe beruht also auf Gegenseitigkeit. Bibelwissenschaftler beeindruckt, dass die Frau im Hohelied mindestens gleich häufig zu Wort kommt wie der Mann, und dabei auch von ihren erotischen Wünschen spricht. "Auch die Frau äußert im Hohelied selbstbewusst ihre Sehnsüchte, das ist sehr ungewöhnlich für antike Zeiten", erklärt Professor Christoph Levin. Die Frau nimmt also einen aktiven Part im Liebespiel ein, genau wie der Mann. Sie ist ihm gleichgestellt.

Lust und Leidenschaft im Hohelied

Geistige Liebe, Treue, Fortpflanzung: Die Kirche hat über viele Jahrhunderte ein sehr einseitiges, leibfeindliches Bild der Liebe verbreitet. Wer jedoch einen Blick in das "Hohelied" Salomons wirft, der wird überrascht sein von so viel Lust und Leidenschaft. Der Text singt sprichwörtlich ein Lied von der frischen, unverhohlenen Liebe zweier junger Menschen. "Das Hohelied kann dazu beitragen, dass die Kirchen ein bejahendes und unvoreingenommenes Verhältnis zur Sexualität entwickeln", betonte einst der Theologe Helmut Gollwitzer.

"Wir Kirchen können auch Erotik!", erklärt Prof. Christoph Levin, das sehe man am Hohelied. "Wer heute einen schönen Liebesbrief schreiben will, der kann sich am Hohelied orientieren", meint der Münchner Alttestamentler. Etwa, wenn die körperlichen Vorzüge der Freundin oder des Freundes konkret angepriesen werden. Sie über ihn: "Sein Leib ist wie aus Elfenbein, mit Saphiren geschmückt. Seine Beine sind wie Marmorsäulen, gegründet auf goldenen Füßen" (Vers 5,14). Er über sie: "Deine Lippen sind wie eine scharlachfarbene Schnur, und dein Mund ist lieblich" (Vers 4,3).

Hoheslied der Liebe: Klassiker für Hochzeiten

Wenn Paare ihren Hochzeitsgottesdienst vorbereiten, dann entscheiden sie sich meist für das "Hohelied der Liebe". Es handelt sich also immer noch um einen der beliebtesten Bibeltexte. Kaum eine Schrift des Alten Testaments hat so viele Auslegungen und Interpretationen erfahren wie das Hohelied, und nur wenige Texte haben die abendländische Kultur so geprägt. Viele Künstler haben Motive aus diesem "Lied der Lieder" gemalt, viele Komponisten haben sich durch diese biblische Poesie inspirieren lassen.

Kein Wunder, meint Professor Christoph Levin. Auch er wählt diesen Text gerne aus für Predigten bei Trauungen. Für ihn kommt darin vor allem eines sehr gut zum Ausdruck: Liebe ist eine Himmelsmacht. "Man verliert sich selbst in der Liebe, sie überfällt uns Menschen." Für den Menschen, der sein Schicksal am liebsten selbst lenken will, sei das eine göttliche Erfahrung.

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Am Sonntag ist Valentinstag. Für Blumenhändler eigentlich einer der lukativsten Tage im Jahr. Wegen Corona dürfen Blumenläden aber nur per click und collect Sträuße und Topfpflanzen verkaufen. Das hat der Branche aber bisher nicht viel gebracht.