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Wenn der Münchner Kneipenchor singt, headbangen die Fans | BR24

© BR kulturWelt

Kneipenchöre gibt es inzwischen in fast jeder großen Stadt. Am Wochenende treffen sie sich in Erlangen beim ersten Kneipenchor-Festival. Warum ist der Chorgesang plötzlich wieder angesagt? Eine Spurensuche beim Münchner Kneipenchor.

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Wenn der Münchner Kneipenchor singt, headbangen die Fans

Kneipenchöre gibt es inzwischen in fast jeder großen Stadt. Am Wochenende treffen sie sich in Erlangen beim ersten Kneipenchor-Festival. Warum ist der Chorgesang plötzlich wieder angesagt? Eine Spurensuche beim Münchner Kneipenchor.

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Donnerstagabend in einer Bar in München: Der Münchner Kneipenchor wärmt sich auf. Es wird gesummt, geschmatzt, geklatscht und gestampft – der ganze Körper soll warm werden. Der Kühlschrank brummt, im Hintergrund stehen Bierflaschen und vor der Bar rund 30 Sängerinnen und Sänger, die an diesem Abend zur Probe gekommen sind. Seit 2013 trifft sich die bunt zusammengemischte Gruppe von Menschen hier jede Woche.

Jens Junker leitet den Chor seit über drei Jahren. Er organisiert die Proben, führt mit viel Spaß, aber auch einer gewissen Ernsthaftigkeit von Lied zu Lied und versucht, die verschiedensten Typen zusammenzubringen: "Im Chor sind ganz viele, starke Charaktere, was ganz toll ist und auch dazu führt, dass auf der Bühne ordentlich was los ist." Im Alltag, bei der Probenarbeit sei es aber manchmal gar nicht so einfach, den ganzen Haufen zusammen zu halten. "Herausforderung dabei ist, die Gratwanderung hinzukriegen zwischen sich weiterentwickeln und dabei möglichst viel Spaß zu haben.", meint der Chorleiter.

Singen, Stress abbauen und ein Bier

2013 startete der München Kneipenchor mit knapp 30 Leuten. Als immer mehr und mehr Mitglieder dazukamen, hieß es irgendwann: Aufnahme-Stopp. Um die 50 Sängerinnen und Sänger sind es inzwischen – und viel an der Besetzung hat sich seit damals nicht verändert: Wer einmal dabei ist, bleibt auch. Aber was ist das Besondere am Singen im Kneipenchor? "Egal wie gestresst ich bin oder auch wenn ich gar keine Lust auf die Probe habe und nur nach Hause aufs Sofa will – sobald ich hierher komme und anfange zu singen, vergesse ich alles", erzählt Gründungsmitglied Lisa Reuter. "Dieses Singen in der Gruppe ist irgendwie total, es macht einen ein bisschen high und, ja, auch glücklich."

Diese Glückserfahrung zieht an. In München gibt es laut Chorleiter Junker über 300 Chöre – die meisten sind Kirchen- und Gospelchöre, aber auch zwei Kneipenchöre gibt es mittlerweile. Das Besondere an ihnen: Sie proben eher unter dem Motto "Singen und trinken, trinken und singen". Und die Musik soll das Publikum zum Mittanzen und Mitsingen einladen, am Ende sollte keiner mehr stillsitzen. Beim Münchner Kneipenchor kann es schon mal vorkommen, dass die Fans headbangen, wie bei einem Rockkonzert. Auf den Notenständer kommen keine klassischen Chorstücke, sondern Songs von Radiohead, Fat Boy Slim und Britney Spears.

© Münchner Kneipenchor / Christian Hilden

Wenn der Münchner Kneipenchor auftritt, bleibt keiner still sitzen

Bei den Proben unterbricht der Chorleiter immer wieder, verbessert, verändert und schraubt an kleinen Passagen herum, damit sie noch besser klingen. Nicht jeder Ton sitzt perfekt – aber um Perfektion geht es hier auch gar nicht, meint Jens Junker: "Gemeinsam Dinge erarbeiten und dann erleben, wie sie aufeinander aufbauen und ein Chorklang entsteht, das sind die Momente, die toll sind. Und wenn man dann auf einer Bühne steht und die Leute im Publikum gehen genauso ab wie die Leute auf der Bühne, das erinnert dann eher an eine Rockband als an einen Chor. Und es macht doppelt Spaß!"

Beim Festival in Erlangen treten zwölf Kneipenchöre auf

Sogar ein eigenes Festival gibt es schon: Am Wochenende treffen sich zwölf Kneipenchöre beim Festival in Erlangen. Um die 480 Sängerinnen und Sänger treten zwei Tage lang auf verschiedenen Bühnen auf. Und vielleicht spüren die Zuschauer dort dann ja auch: Singen im Kneipenchor ist eben mehr als nur zusammen Singen. Es geht darum, weg zu kommen vom Alltagsstress, sich mitnehmen zu lassen vom Gruppengefühl beim Singen, und vielleicht auch darum, nach der Probe noch da zu bleiben und dass ein oder andere Bier zusammen zu trinken.

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