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Sinéad O’Connor

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    Sinéad O’Connor macht doch weiter: "Medien missbrauchten mich"

    Die irische Sängerin korrigiert sich: Sie habe nur aus Frust und Wut über die Medien ihr Karriereende verkündet. Die Presse habe sie behandelt wie einen "russischen Tanzbären", sie verletzt, beleidigt und verhöhnt. Zorn sei aber nicht "hilfreich".

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    Von
    • Peter Jungblut

    "Gute Nachrichten. Scheiß auf die Rente. Ich ziehe das zurück. Ich hatte vorübergehend Schweinen mit Lippenstift gestattet, mir den Kopf zu verdrehen. Hier kommt meine Stellungnahme", schrieb Sinéad O’Connor am Montagmittag auf ihrem Twitter-Account und machte eine 180-Grad-Wende. Dabei ergänzte sie für ihre nicht-englischen Fans, was der Ausdruck "Schweine mit Lippenstift" bedeutet, nämlich eine hässliche Sache mit Kosmetik aufzupeppen. Noch Ende letzte Woche hatte sie verkündet, sie fühle sich "alt und müde" und wolle ihre Karriere an den Nagel hängen. Jetzt erklärte sie ihren Fans die Beweggründe für diese offenbar aus Wut und Frust gemachte Rückzugsankündigung, die sie offenkundig bedauert. Grund für den "Durchhänger" waren demnach einige Medien, die sie "missbraucht" und beleidigt hätten.

    "War mit Überleben beschäftigt"

    "Als ich mit der Promotion für mein Buch begann, hätte ich einen Berater zur Seite haben müssen", so Sinéad O’Connor. Ihre Lebenserinnerungen "Remembering" waren am 1. Juni erschienen. Dort hatte sie ausführlich über ihre kindlichen Gewalterfahrungen vor allem mit der katholischen Mutter berichtet. "Ich hatte nämlich nicht begriffen, was das bedeutet, über die Vergangenheit zu sprechen, vor allem über Missbrauchserfahrungen im Kindesalter." Diese Ereignisse hätten sie aus der Sicht mancher britischer Medien zu "Freiwild" gemacht, sie sei wie ein "russischer Tanzbär" behandelt worden - und zwar ohne Respekt, mit Spott und Häme. In den ersten Tagen sei sie so sehr damit beschäftigt gewesen, zu "überleben", dass sie gar nicht dazu gekommen sei, das alles zu verarbeiten.

    "Ich möchte nicht wütend sein, weil es nichts bringt. Und weil die allermeisten Leuten ihr Bestes tun. Daher wollten sie womöglich keine Schaden anrichten", so die Sängerin, die 2018 zum islamischen Glauben konvertierte und für Aufsehen sorgte, nachdem sie im amerikanischen Fernsehen ein Papstbild zerrissen hatte, das im Schlafzimmer ihrer verstorbenen Mutter hing - was sie in der Sendung allerdings nicht erläuterte. Wenn ihre drei Diagnosen körperliche statt psychische Gebrechen beträfen, so Sinéad O’Connor, würden sie von der Öffentlichkeit wohl nicht genutzt, sie "zu definieren", auszulachen und zu beschämen.

    "BBC hat mich gegrillt"

    Besonders aufgebracht war sie nach eigenen Worten letzte Woche über den prominenten, in Irland lebenden Musik-Journalisten Neil McCormack, der sie im britischen "Daily Telegraph" als "verrückte Nudel in der Pop-Mansarde" beschimpft hatte. McCormack war Ghostwirter der Band U2 und veröffentlichte seine eigenen Memoiren als wenig erfolgreicher Musiker unter dem Titel "I Was Bono’s Doppelgänger". Das folgenreiche Zitat wurde dem autobiografischen Roman "Jane Eyre" von Charlotte Brontë entlehnt, wo die Figur der emotionalen und "unkontrollierbaren" Bertha Mason als "Irre in der Mansarde" auftritt und von ihrem Mann gefangen gehalten wird. BBC-Moderatorin Emma Barnett hatte letzte Woche in der Interview-Sendung "Woman’s Hour" dieses herabwürdigende, in der feministischen Literatur wichtige Zitat abermals benutzt. "Als ob es dich unbrauchbar macht, wenn du irre bist", so O'Connor in ihrem Twitter-Statement. Und das sei dieselbe BBC, die den 2011 verstorbenen mutmaßlichen Kinderschänder Jimmy Saville jahrelang geschützt habe.

    Im britischen "Guardian" heißt es, die BBC habe offiziell geäußert, die Sängerin sei "während eines Gesprächs über ihr neues Buch" auf ihren psychischen Gesundheitszustand angesprochen und gefragt worden , was sie von dem so umstrittenen wie beleidigenden Zitat halte. Sinéad O’Connor stellt es anders dar: Die BBC habe sie "gegrillt", weil sie vier Kinder von vier Vätern habe und als "geile Geiß" verkauft. Und dann habe sich Emma Barnett noch selbst gelobt, wieviel besser sie sei als andere Journalisten: "Nein, du Hexe. Weil es kein Thema gewesen wäre, wenn du es nicht wieder hochgezogen hättest." Bei Google sei es jedenfalls wieder "oben" gewesen. Für ihre Musik habe sich Barnett dagegen nicht interessiert. Sie gebe nichts auf die "Psychopathen" bei der BBC, so O’Connor.

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