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"Ein echter Coup": Reaktionen auf Rattles Wechsel nach München | BR24

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Simon Rattle wird Chefdirigent des BR-Symphonieorchesters. Der 65-jährige Brite unterschrieb einen Fünf-Jahres-Vertrag. Sein Amt tritt Rattle allerdings erst 2023 an.

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"Ein echter Coup": Reaktionen auf Rattles Wechsel nach München

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks hat er schon häufig dirigiert, ab Herbst 2023 wird er es leiten: Sir Simon Rattle, bisher in London verpflichtet, geht nach München – eine "Liebesbeziehung", urteilen Presse und Politik begeistert.

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Von
  • Peter Jungblut
  • BR24 Redaktion

Für den bayerischen Kunstminister Bernd Sibler ist es ein "echter Coup", dass Sir Simon Rattle ab Herbst 2023 an der Spitze des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks steht. In einer Pressemitteilung schreibt Sibler: "Rattle steht nicht nur für mitreißende Konzerte. Er setzt sich auch leidenschaftlich dafür ein, dass klassische Musik Menschen jeder Herkunft und jeden Alters erreicht. Die Vermittlung von Musik gerade an junge Menschen ist ihm ein Herzensanliegen. Er hat auch früh auf die neuen Möglichkeiten der digitalen Kulturvermittlung gesetzt und diese maßgeblich vorangebracht. Für sein Wirken in München als neuer Chefdirigent des BRSO sind das beste Voraussetzungen."

BR-Intendant Wilhelm: "Innovativ und jung geblieben"

Die Berufung Rattles sei ein "wichtiges, zukunftsweisendes Signal", in einer Zeit, in der die Kunst mir den Einschränkungen durch die Pandemie zu kämpfen habe, sagte BR-Intendant Ulrich Wilhelm. Der Dirigent Rattle stehe wie kein anderer für neue Wege, Menschen für Musik zu begeistern. In der Rundschau im BR Fernsehen fügte Wilhelm hinzu: "Sir Simon Rattle ist sehr innovativ, er ist jung geblieben." Außerdem habe er ein sehr gutes, enges Verhältnis zum BR-Symphonieorchester. Man habe in den vergangenen Jahren Wert gelegt auf eine wiederholte Zusammenarbeit. Die Reaktion des Publikums sei jeweils "überwältigend" gewesen. "Der Pegel des Beifalls hat gezeigt, das wäre ein Match, für beide Seiten von glückhafter Art".

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Einer der renommiertesten Dirigenten der Welt übernimmt die Leitung des BR-Symphonieorchesters: Sir Simon Rattle. "Ein Match beglückender Art für beide Seiten", sagt BR-Intendant Ulrich Wilhelm im Interview mit dem Rundschau Magazin.

"Ein Animateur und Motivator"

Für den "Münchner Merkur" ist die Entscheidung eine "logische Wahl", wenngleich die Entscheidung ziemlich gedauert habe: "Rattle gehört nun zu jenen BR-Chefdirigenten, die unter Musizieren stets auch Musikantisches verstehen. Die jene Emotion sowohl beim Orchester als auch beim Publikum entfachen können, die über Strukturelles, Analytisches, zuweilen auch genialisches Posieren hinausgeht. Ein Animateur, ein Motivator, dem das Herz mindestens ebenso wichtig ist wie das Hirn. Nicht umsonst erinnert Rattle in seiner Mitteilung zur Vertragsunterzeichnung an Rafael Kubelik; auch Sir Colin Davis, vor allem Mariss Jansons zählen zu dieser so besonderen Dirigenten-Spezies."

Für die "Süddeutsche Zeitung" wird eine "wunderbare Liebesbeziehung legalisiert", indem Rattle die BR-Symphoniker übernimmt: "Endlich kommt der Meister." Die "Neue Musikzeitung" kommentierte Rattles Wechsel von London nach München mit dem Hinweis, dass "Beste sei gerade gut genug": "Seine von 2002 bis 2018, also ganze sechzehn Jahre währende Chef-Periode bei den Berliner Philharmonikern, führte das vor, was München jetzt gut tun wird: Neugier über gängige Repertoire-Bereiche hinaus – siehe seine Video-Box 'Musik im 20. Jahrhundert', ein Musizieren, das nicht auf emotionale Überwältigung zielt, sondern auf feine Klangreize und Durchhörbarkeit." Der "british style" habe München schon einmal eine "singuläre Blüte" beschert, nämlich als Sir Peter Jonas Chef der Bayerischen Staatsoper war.

Rattles Arbeit für London "enorm wichtig"

Kathryn McDowell, die Managerin des London Symphony Orchestras (LSO), und dessen Aufsichtsratschef David Alberman dankten Rattle in einem gemeinsamen Statement für dessen "immense und anhaltende Unterstützung des London Symphony Orchestras" (LSO) und verwiesen darauf, dass der Dirigent in den kommenden Jahren an der Themse noch viel vor habe: "Die Entschlossenheit von Simon, seine Ärmel hochzukrempeln und für die Anliegen der klassischen Musik und die Musikerziehung in Großbritannien einzutreten, bleibt für uns und die künftige Generation enorm wichtig."

Der Londoner "Guardian" äußerte die Vermutung, Rattle werde auch deshalb nach München wechseln, weil der Bau einer neuen Konzerthalle in London auf Eis gelegt ist. Die Tageszeitung verwies darauf, dass Rattle einmal gesagt habe, bei der Arbeit im angestammten Quartier des LSO, der Royal Festival Hall im Southbank Centre, "schwinde der Lebenswille in der ersten halben Stunde jeder Probe". Nach Ansicht des Dirigenten ist das alte Gebäude zu eng und ungeeignet für groß angelegte Orchesterstücke.

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