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Staatsbürgerschaft beantragt: Simon Rattle will Deutscher werden | BR24

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Simon Rattle

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    Staatsbürgerschaft beantragt: Simon Rattle will Deutscher werden

    Der britische Dirigent (65) und Wahl-Berliner will zusätzlich zu seiner bisherigen Staatsbürgerschaft auch die deutsche beantragen. Eine politische Erklärung dazu will Rattle nicht abgeben, die Entscheidung sei "musikalischer und persönlicher Natur".

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    Von
    • Peter Jungblut

    Simon Rattle, der ab Herbst 2023 Chefdirigent des Symphonie-Orchesters des Bayerischen Rundfunks wird und dann seinen bisherigen Posten als Chef der Londoner Philharmoniker aufgeben wird, gehört zu den leidenschaftlichen Kritikern des Brexit. Er bedauerte auf einer gemeinsamen Online-Pressekonferenz mit BR-Intendant Ulrich Wilhelm, dass vor allem junge Künstler durch die neue Grenze zwischen Großbritannien und der EU nicht mehr so unkompliziert reisen und arbeiten könnten wie bisher. Gefragt, ob er selbst dem Beispiel vieler Landsleute folgen werde und neben der angestammten britischen auch eine EU-Staatsbürgerschaft annehmen werde, sagte Rattle, sein eigener deutscher Pass "sei bereits unterwegs". Wie für viele andere international tätige Personen sei das für ihn eine "Notwendigkeit" gewesen.

    "Wir müssen mit dem Brexit klar kommen"

    Es sei einfach, politische Gründe für seinen Schritt zu nennen, so Rattle: "Aber ich muss sagen, die Wahrheit ist, dass meine Entscheidung natürlich musikalischer Natur war, aber auch sehr persönlich." Der Dirigent lebt seit Langem im Berliner Stadtteil Nikolassee und nannte die deutsche Hauptstadt auch seine Heimat. Den Kontakt nach London wolle er jedoch aufrechterhalten. Der gebürtiger Liverpooler sagte: "Die Tatsache, dass Musiker und Künstler neuerdings Visa benötigen, um in Europa arbeiten zu können, ist absolut nicht der Brexit-Bonus, über den wir geredet haben. Wir müssen damit klar kommen." Seinen britischen Pass wird Rattle behalten, alles andere sei für ihn aus emotionalen Gründen undenkbar.

    Dass er in den vergangenen Monaten pandemiebedingt mehr Zeit zu Hause in Berlin verbringen konnte, schätzte Rattle nach eigenen Angaben sehr. So sagte er in einem Interview mit dem BR, er habe seiner Tochter in der Zeit das Fahrradfahren beigebracht und sehr viel daheim gekocht. Auch, dass die Zugfahrt von Berlin zu seinem künftigen festen Arbeitsplatz München nur runde vier Stunden dauert, nannte Rattle als Vorteil.

    Rekordwert bei Einbürgerungen aus Großbritannien

    Kurz vor dem Brexit Ende Januar 2020 ließen sich nach Angaben des Statistischen Bundesamts mehr als 14.600 Briten in Deutschland einbürgern. Die Einbürgerungszahlen aus Großbritannien seien zwar bereits seit 2016, dem Jahr des Brexit-Referendums, erhöht gewesen, 2019 hätten sie aber einen Rekordwert erreicht. Im Jahr 2015, also noch vor dem Referendum, waren es nur rund 600 Einbürgerungen. Briten, die eingebürgert wurden, hielten sich im Durchschnitt bereits relativ lange in Deutschland auf – die Hälfte schon seit mehr als 26 Jahren. In fast allen Fällen entschieden sich die Betroffenen dafür, die britische Staatsangehörigkeit beizubehalten.

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