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Silvesterkracher: Lockdown-Streit um den Tanz im Savoy | BR24

© Audio: BR/Bild: Colourbox.com

Gegen das Tanzverbot an Silvester wehrt sich der Münchner Tanzclub Savoy jetzt gerichtlich.

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Silvesterkracher: Lockdown-Streit um den Tanz im Savoy

Keine Tanzparty zum Jahresende. Der Münchner Tanzclub Savoy liegt mit den Behörden im Clinch. Mit einer Klage zog der Club wegen der strikten Lockdown-Regeln vor den Bayerischen Verwaltungsgerichthof.

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Von
  • Ulrich Möller-Arnsberg

Michaela Weinzierl, begeisterte Standard-Tänzerin aus München ist genervt: "Also für mich ist das ganz, ganz schlimm. In diesem Jahr haben wir die Meisterschaft gewonnen, endlich. Wir haben richtig Fortschritte gemacht. Es ist sehr wichtig, dass man da jeden Tag trainiert. Oder zumindest fünf Mal in der Woche." Statt mit ihrem Partner in der Dimensionale durch den Raum walzen zu können, muss sich die Bayerische Meisterin im Seniorentanz in den eigenen vier Räumen mit Pilates fithalten. Das sei kein wirklicher Ersatz, sagt sie: "Es ist ja nicht mit Schritten getan, sondern das Feeling, der Flow, die Floorkraft… also, wie man übers Parkett geht, das muss man immer wieder erfahren, da-mit sich das verfestigt.“"

Gleichbehandlung von Schafkopf und Walzer

Solches individuelle Training ging auch noch nach Beginn des Lockdown-Light im November in Ordnung. Doch weil die Bayerische Staatsregierung den Tanzsport einzelner Paare weiter erlaubte aber nicht das Massenangebot der Fitnesscenter, zogen die wegen Ungleichbehandlung vor den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof. Mit dem Ergebnis, dass die Anwälte der Staatsregierung augenblicklich jederlei freizeitsportlichen Sonderstatus verboten.

Dagegen klagt nun Wolfgang Schörnig, Anwalt des Münchner Tanzclub Savoy das Grundrecht Artikel zwei "freie Entfaltung der Persönlichkeit ein". Zusätzlich auch das auf Gleichbehandlung aus Artikel drei. Schörnig ist selbst begeisterter Amateurtänzer und hat für sein juristisches Vorgehen eine plausible Begründung: "Ein Beispiel, für Bayern sehr typisch: Es sind zwei Ehepaare, begeisterte Schafkopfspieler. Sie können sich 24-Stunden lang am Tag an einem Küchentisch zusammensetzen und Schafkopf spielen. Gleichzeitig verbietet der Freistaat einem Tanzpaar, dass es – nach einem Hygienekonzept – völlig alleine im Saal an einer Spiegelwand die erlernten Figuren alleine trainiert."

Vertrauen in den Flow

Schörnigs Gegenspieler, die Landesanwaltschaft, beruft sich nach Rückfrage in einer knappen Presseerklärung auf die gefassten Regelungen, deren Sinn, so wörtlich, es sei, "nachhaltig die Kontaktreduzierung herbeizuführen." Dass der Bayerische Verwaltungsgerichtshof in diesem Jahr in der Sache noch einmal neu entscheidet, ist unwahrscheinlich. Michaela Weinzierl wird sich trösten müssen mit dem, was sie vergangenen Frühsommer erlebt hat: "Ich kann mich noch erinnern. Nach dem ersten Lockdown kamen wir zum Trainer. Und der meinte dann: 'Och, so schlecht war das jetzt nicht.'" Das gibt ihr Zuversicht, dass trotz langer Einschränkung von dem Flow der Meisterschaft ein bisschen körperliches Gespür übrig ist.

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