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Der Kabarettist Andreas Rebers spricht über Einschränkungen der künstlerischen Freiheit.

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"Shutdown, shut up!" Kabarettist Andreas Rebers über Freiheit

Der Kabarettist Andreas Rebers konnte sich mit dem Corona bedingten Auftrittsverbot arrangieren. Zu schaffen machen ihm jedoch manch andere Einschränkungen.

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Von
  • Andreas Unger
  • Diana Isabel Geier

Ein einziges Mal konnte Andreas Rebers sein neuestes Programm live spielen – dann kam der Lockdown. In den letzten 15 Monaten hatte der 63-jährige Kabarettist kaum Auftritte. Finanziell habe er das ganz gut verschmerzen können. Die vergangenen Jahre seien gut gelaufen, er habe Rücklagen, sagt er. Und es gab Auftritte im Fernsehen.

"So viel kann man gar nicht spazieren gehen"

Oberflächlich betrachtet, so Andreas Rebers, könne er sagen, er hätte schöne Monate mit viel Zeit gehabt: Daheim kochte er sich durch mehrere Kochbücher, draußen konnte man ihn regelmäßig - im Kopf dichtend und komponierend - durch München spazieren sehen. Das Hauptproblem aber lösten diese Tätigkeiten nicht: das fehlende Publikum. Er reime ja nicht für die Schublade und komponiere nicht in erster Linie für die nächste CD, sondern für die Leute. „Letztendlich kann ich sagen: Es war zu viel Zeit", sagt Rebers. "So viel kann man gar nicht spazieren gehen und so viel kann man gar nicht dichten. Also ich will mein Leben zurück!“

Ein Stück vom Leben geklaut

Andreas Rebers, gebürtiger Niedersachse, lebt seit den 90er-Jahren in München. Seit etwa 30 Jahren steht er als Kabarettist auf der Bühne, war Ensemblemitglied der Lach- und Schießgesellschaft. Weil er „es meisterhaft versteht, die richtigen Fragen zum falschen Zeitpunkt zu stellen“, bekam er 2018 den Dieter-Hildebrandt-Preis.

In einem Lied, im Lockdown entstanden, singt er: „Plötzlich habe ich nichts mehr verstanden. Es fühlt sich an, als hätt‘ man mich beklaut. Shutdown, Shutup, Schachmatt, Lockdown, Knockout.“

Zensur der künstlerischen Freiheit

Aber da ist noch etwas, was Andreas Rebers Sorgen macht: Einschränkungen durch vermeintliche politische Korrektheit. Als Beispiel erzählt er von einem Witz: „Ich hatte neulich eine Einladung in eine Fernsehsendung, wo es um Rassismus ging, und da wollte ich diesen Witz erzählen: 'Sitzt in der New Yorker U-Bahn ein Afroamerikaner und liest eine jüdische Zeitung. Da kommt ein anderer und sagt: Hey, Jude allein reicht dir wohl nicht?!'" Ihm sei gesagt worden, dass man diesen Witz nicht senden könne, weil er antisemitisch verstanden werden könne - außerdem sei der Witz auch rassistisch. Dass es sich hier vielleicht um jüdischen Humor handelt und gerade Rassismus und Antisemitismus kritisiert wird, wurde nicht verstanden. Der Witz wird übrigens Woody Allen zugeschrieben. Rebers fragt sich: „Was ist das für eine Agenda, die sich hier bei uns, auch in dem Beruf, in den Theatern und dem Film, ausbreitet? Mit dieser Agenda bin ich nicht einverstanden.“

"Nicht immer das Richtige sagen"

Wenn er gegen das Gendern ansingt, dann weil Sprache sich von unten nach oben entwickle und Sprache eben sein Werkzeug sei: "In der Gendersprache kann ich nicht singen", sagt er. "Ich spreche eine Muttersprache - und versuche mich im Mutterwitz."

Man müsse als Kabarettist auch in der Lage sein, gegen die Erwartungshaltung des Publikums und gegen den Mainstream spielen.

"Es gibt im Kabarett zwei verschiedene Arbeitsweisen. Die eine ist, dass man Empathie herstellen will und man will immer das richtige sagen, aufklären will. Dann wird’s oft sehr pädagogisch, weil Humor nicht mehr anwesend ist." Es mache ihm deshalb auch nicht mehr Spaß, bestimmten Leuten zuzuhören, die ihn auf diese Weise erziehen wollen. Für ihn bedeuten Kabarett und Bühne: Brechung. "Satire heißt: Grenzen überschreiten", sagt Andreas Rebers.

Diese Brechung wird er auch bald wieder live und vor Publikum zelebrieren können – Andreas Rebers kann es kaum erwarten.

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