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"Shalom Sisters": Das Jüdische Museum Augsburg hat 2021 viel vor | BR24

© Beth Peters

Die amerikanische Fotografin Beth Peters gestaltete einen eigenen Gebetsschal. Er wird im Rahmen der Ausstelllung "Shalom sistery" zu sehen sein.

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    "Shalom Sisters": Das Jüdische Museum Augsburg hat 2021 viel vor

    Zum Festjahr "Jüdisches Leben in Bayern" will das Jüdische Museum in Augsburg mit mehreren Ausstellungen beitragen. Museumsleiterin Barbara Staudinger steht mit der Schau "Shalom Sisters" bereits in den Startlöchern.

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    Von
    • Barbara Leinfelder

    "Wir hätten jetzt eigentlich eröffnet", sagt Barbara Staudinger, die Leiterin des Jüdischen Museums in Augsburg, "leider hat uns Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht." Die Ausstellung "Shalom Sisters" ist bereits fix und fertig und sollte mit dem Festjahr "Jüdisches Leben in Bayern" starten. Jetzt geht es los, sobald der Lockdown vorbei ist.

    Thema Frauen in der Religion

    Die Ausstellung soll, so Staudinger, die Rolle der Frau in den Fokus rücken. "Wenn es heißt, jüdisches Leben, dann sind das sonst nämlich zumeist Männer“, sagt die Museumschefin. Die Schau erstreckt sich über fünf Standorte quer durch die Stadt: In der alten Synagoge im Stadtteil Kriegshaber etwa beleuchten zeitgenössische jüdische Künstlerinnen das Thema Frauen in der Religion. Gleich am Eingang etwa wird ein kleiner Comic-Moses von einer ganzen Reihe Göttinnen begrüßt, mit der Frage "Why didn’t you choose me?" - Moses hätte sich auch eine Frau als Gott aussuchen können, so die Botschaft. "Feminismus ist keine bierernste Geschichte, man kann es auch mit einem Augenzwinkern nehmen", meint Staudinger dazu.

    Ausstellung mit fünf Station in ganz Augsburg

    Im Textil- und Industriemuseum TIM beschäftigt sich die zweite Station von "Shalom Sisters" mit der weiblichen Seite der Industriegeschichte. Die dritte Station ist der Fotoladen Tetzel in der Ludwigstraße – und seine Bedeutung für die Einführung des Frauenwahlrechts 1919, die vierte ein Pop-Up-Store zum Thema Vermarktung des Feminismus. Die fünfte Station ist eine Straßenbahn, die von der Künstlerin Lisa Frühbeis gestaltet wurde und ab März für drei Monate als mobile Demo für Frauenrechte durch Augsburg rollen wird. "Wie die Suffragetten, die durften auch nie an einem Platz demonstrieren, sondern mussten immer in Bewegung bleiben", schmunzelt Barbara Staudinger.

    Sonderschau Landjudentum im Herbst

    Das Jüdische Museum will außerdem in diesem Jahr im Herbst mit einer Sonderschau noch einmal eingehen auf die Rolle des Landjudentums in Schwaben. Bis zum Erstarken des Nationalsozialismus nämlich gab es etliche Orte zwischen Oettingen und Memmingen, in denen viele jüdische Familien lebten, in Harburg, Ichenhausen oder Fischach etwa. Dabei gehe es um "das Ende der Zeitzeugenschaft" und die Frage, wie das Erinnern in Zukunft aussehen wird, erklärt Staudinger. Noch aber werde dafür eine geeignete Ausstellungsfläche gesucht.

    Digitalisierung und Renovierung im Festjahr

    Gesichert ist bereits das Vorhaben, die vielen jüdischen Kulturgegenstände aus dem Archiv des Museums digital zugänglich zu machen. Stücke aus Synagogen, Nachlässen oder privaten Sammlungen sollen fotografiert, erfasst und in einer digitalen Schau erlebbar gemacht werden. Auch die Renovierung der Synagoge soll heuer starten. Derzeit laufen noch die Planungen. Das Jugendstilgebäude war 1917 fertiggestellt worden und ist zuletzt 1985 saniert worden. Die Augsburger Synagoge gilt als einzige Großstadtsynagoge in Bayern, die den Nazi-Terror weitgehend unbeschadet überstanden hat.

    Wie Staudinger mitteilte, sind die Synagoge in der Halderstraße und das angegliederte Museum bereits mit verbesserter Sicherheitstechnik ausgerüstet worden. Der Freistaat hatte hierfür, nach dem Anschlag von Halle, die Kosten übernommen.

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