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Sexvorwürfe: Münchner Musikprofessor von Bose freigesprochen | BR24

© Sven Hoppe/BR Bild

Musikhochschule München

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    Sexvorwürfe: Münchner Musikprofessor von Bose freigesprochen

    Der frühere Professor für Komposition war wegen Drogenbesitzes und Vergewaltigung angeklagt, jetzt sprachen ihn die Richter teilweise frei. Verurteilt wurde er lediglich wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz. Die Beweislage war schwierig.

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    Von
    • Peter Jungblut

    Wie fast immer in solchen Verfahren stand Aussage gegen Aussage. Hans-Jürgen von Bose, ehemals Professor an der Münchner Hochschule für Musik und Theater, soll die Schwester eines seiner Studenten mehrfach vergewaltigt und Drogen konsumiert haben, so lautete die Anklage. Er selbst räumte den Drogenbesitz ein und behauptete, die bei einer Hausdurchsuchung gefundenen Betäubungsmittel zur Behandlung einer Krankheit bei sich aufbewahrt zu haben. Die sexuelle Beziehung zu der Frau, die ihm Vergewaltigungen vorwarf, stritt er nicht ab, alle Begegnungen mit ihr seien jedoch in beiderseitigem Einvernehmen erfolgt. Da die beiden auch noch einige Monate nach dem letzten von insgesamt drei Fällen von angeblicher sexueller Gewalt im Frühjahr 2007 ihre Beziehung fortgesetzt hatten, war die Wahrscheinlichkeit, dass es deshalb zu einer Verurteilung kommen würde, gering gewesen.

    Wegen der Drogen "in nicht geringer Menge" wurde von Bose zu einer Haftstrafe auf Bewährung von sechs Monaten verurteilt, ansonsten aber freigesprochen. Wie der Sprecher des Münchner Landgerichts in Strafsachen, Florian Gliwitzky, dem BR erläuterte, habe es sich bei den Drogen um Kokain gehandelt. Die sichergestellte Wirkstoff-Menge habe nur geringfügig über fünf Gramm gelegen, dem Grenzwert für eine "nicht geringe Menge", so dass es sich letztlich um einen "minderschweren Fall" gehandelt habe.

    Alte Rechtslage entscheidend

    Ein sehr aufwändiges und zeitraubendes psychologisches Gutachten hatte ergeben, dass die ehemalige Partnerin des Ex-Professors zwar glaubwürdig war und sich die aus ihrer Sicht erzwungenen Fälle von Geschlechtsverkehr nicht etwa "eingebildet" hatte. Nach Ansicht der Richter hatte sie einige Nebenaspekte allerdings etwas "verzerrt" wahrgenommen und dargestellt. Gleichwohl ging das Gericht nach Angaben von Glitzwitzky davon aus, dass es drei Mal zu einem nicht einvernehmlichen Geschlechtsverkehr gekommen war. Trotzdem sei eine Verurteilung von Boses nicht möglich gewesen, da die Rechtslage in den Jahren 2006/07 eine andere gewesen sei als heute.

    Damals seien für Fälle von sexueller Nötigung oder Vergewaltigung die körperliche Gewaltanwendung, der Einsatz von Drohungen und die Ausnutzung einer hilflosen Lage entscheidende Merkmale gewesen. Nichts davon habe das Gericht im hier zu entscheidenden Fall als Bestandteil der Taten feststellen können. Auch ein "Klima der Gewalt" habe nicht ersatzweise als Tatmerkmal gelten können, denn dafür sei es nötig, dass der Täter bereits in anderen Fällen zuvor als Gewalttäter auffällig geworden sei.

    Letztlich, so der Gerichtssprecher, sei es Spekulation, ob Hans-Jürgen von Bose nach der heute geltenden Rechtslage ("Nein heißt nein") nicht doch verurteilt worden wäre. Auszuschließen sei es natürlich nicht.

    Hochschule: Übergriffiges Verhalten nicht tolerabel

    Der Präsident der Hochschule für Musik und Theater München, Bernd Redmann, äußerte sich schriftlich zum Urteil: "Unabhängig vom aktuellen Urteil im Strafprozess gegen Hans-Jürgen von Bose möchte ich betonen: Wir werden weiterhin beharrlich und mit ganzer Kraft daran arbeiten, dass wir alle Hochschulangehörigen so stärken, dass auf Missstände, egal welcher Art, hingewiesen wird. Beschwerden jedweder Art nehmen wir sehr ernst, gehen ihnen nach und klären sie mit allen zulässigen Mitteln auf. Übergriffiges Verhalten, sexualisierte Gewalt und Machtmissbrauch tolerieren wir in keiner Weise."

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