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"Sex Education": Warum man die 2. Staffel nicht verpassen sollte | BR24

© Netflix/Sam Taylor

Otis Milburn (Asa Butterfield) und sein bester Freund Eric (Ncuti Gatwa) irren durch die Pubertät.

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    "Sex Education": Warum man die 2. Staffel nicht verpassen sollte

    In der ersten Staffel der wunderbaren Teen-Comedy-Serie "Sex Education" hat der unerfahrene Otis Milburn noch seine Mitschüler in Sexdingen beraten. In der nicht weniger charmanten und warmherzigen zweiten Staffel braucht er selbst Hilfe.

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    Otis Milburn (Asa Butterfield), 16 Jahre und Sohn eines Sex-Therapeuten-Paares, hat seine Masturbationsphobie endlich überwunden. Das Problem: die Beule in seiner Hose. Er könnte immer und tut's überall: in der Schultoilette und im mütterlichen Auto auf dem Supermarktparkplatz, was natürlich keine besonders gute Idee ist. Und so muss er sich am Frühstückstisch eine genüssliche Pubertäts-Predigt seiner Mutter Jean (Gillian Anderson) anhören.

    Auch Erwachsene haben Sex

    In der Schule wird’s auch nicht besser. Die hat gerade wieder begonnen, und schon vor der morgendlichen Schulversammlung breitet sich eine Massenpanik unter den Schülern und Schülerinnen der Moordale High aus. Angeblich gehen Chlamydien um. Und die Hysterie ist nur eins von den vielen Problemen, die die Teens und deren Eltern in Sachen Sex umtreiben.

    Es stellt sich heraus: Auch Erwachsene, ja sogar die Lehrer*innen haben Sex – und sie kämpfen mit ganz ähnlichen Unsicherheiten wie ihre Sprösslinge. Dabei merken wir in der 2. Staffel von "Sex Education" ziemlich schnell, dass Otis, der bisher seine Mitschüler*innen bei Sex- und Beziehungsproblemen beraten hat, jetzt derjenige ist, der Hilfe gebrauchen könnte.

    Ausgerechnet der nette, wohlerzogene Sohn einer emanzipierten, erfolgreichen Sex-Therapeutin benimmt sich den Frauen in seinem Leben gegenüber ziemlich daneben. Noch dazu bekommt er von unerwarteter Seite Konkurrenz als schulischer Sex-Berater und sein Macho-Vater taucht plötzlich wieder in seinem Leben auf. Der verhält sich aber, genauso wie der ehemalige Schulschläger Adam, leider immer noch ziemlich klischeehaft – im Gegensatz zu den vielen anderen komplexen Charakteren, die schon in der ersten Staffel aus den üblichen High-School-Stereotypen rausgewachsen sind.

    Die Balance stimmt

    Inhaltlich hat sich "Sex Education" auch in der zweiten Staffel wieder viel vorgenommen: Von Asexualität über Männlichkeit bis zu sexueller Belästigung spart die Serie kein Tabu und kein Thema aus und geht damit sehr differenziert und sensibel um. Die Balance zwischen echtem Teen-Drama und albernen Sexwitzen stimmt, trotzdem dauert es etwa bis zur Mitte der Staffel, bis die Serie sich wieder richtig eingrooved. Aber dann drückt sie wieder mit viel Gefühl und einem unschlagbaren Retrosoundtrack die gleichen Knöpfe wie in der ersten Staffel.

    Und so lustig "Sex Education" auch ist – die Serie meint es todernst, wenn es um gesellschaftliche und sexuelle Vielfalt geht. So offen und aufrichtig die Serie mit Sexualität umgeht, so begegnet sie auch Menschen prinzipiell. Wir erleben liebenswerte Figuren mit den unterschiedlichsten familiären Hintergründen, Hautfarben und Fähigkeiten. Das ist zwar in dieser Fülle nicht unbedingt realistischer als die üblichen austauschbaren Hochglanz-Teenserien mit den viel zu alten und viel zu schönen Darstellern, die in perfekten Häusern wohnen und perfekten Sex haben. Aber in der Welt, die mir "Sex Education" zeigt, würde ich gern leben wollen.

    Für Freunde von: der großartigen ersten Staffel der Aufklärungsserie "Sex Education", dem nostalgischen Weltschmerz von "The End of The F**cking World" und der naiven Weltsicht von "Big Mouth".

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