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"Hanna": Ein Mädchen trainiert das Überleben
© 2019 Amazon.com Inc., or its affiliates
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"Hanna": Ein Mädchen trainiert das Überleben

Ein Trend zeichnet sich ab – in vielen der besten Serien im März geht es um Familien: In "The First" kittet ein Astronaut das Verhältnis zu seiner entfremdeten Tochter. "Andere Eltern" zeigt, wie ambitionierte junge Eltern eine KiTa aufbauen. "Turn Up Charlie" verfolgt einen DJ, der widerwillig zur Nanny für die Tochter seines besten Freundes wird, und in "Hanna" erzieht ein Agent seine Tochter zur Killermaschine. Familienbeziehungen, so scheint es, sind für Serienmacher*innen ein unerschöpflicher Quell von Drama und Komik. Wie im echten Leben eben.

"Andere Eltern" – Ein Improvisationsexperiment, das aufgeht

Soziotop KiTa: "Andere Eltern"

Soziotop KiTa: "Andere Eltern"

Für Freunde von: Fremdschämen mit den Kulturbotschaftern von “Das Institut”, dem schonungslos-bösen Humor aus “Jerks” und der entlarvenden Familien-Mockumentary “Modern Family”.

"Andere Eltern" ist eine etwas andere Serie. Serienmastermind Lutz Heineking ("Das Institut") hat die Storylines geschrieben – den Rest haben die Schauspieler*innen (u.a. Lavinia Wilson) übernommen: "Andere Eltern" ist nämlich von vorn bis hinten improvisiert.

Die Serie ist – ähnlich wie die ausgezeichnete Familiensitcom "Modern Family" – wie eine Doku inszeniert. Die wiederum dreht die Dokumentarfilmerin Ini über ihre Tochter Nina und deren KiTa-Initiative im durchgentrifizierten Köln-Nippes. Weil es dort an KiTa-Plätzen mangelt, hat sie sich mit Freunden und Bekannten zusammengetan, um ihre eigene Tagesstätte zu gründen – natürlich nach den hohen Standards übermäßig bemühter Großstadteltern. Das ist jedenfalls Inis Sicht der Dinge, und schon sehr bald clasht es zwischen Alt und Jung, Vorurteilen und Realität, Hippies und Yuppies, diesen und anderen Eltern. Die Serie kommentiert gekonnt und sehr bissig alle Ausprägungen des Elternseins im Spannungsfeld zweier Generationen.

Das hätte furchtbar schiefgehen können, ist es aber nicht, weil die Darsteller*innen herausragend und mit viel Spielfreude improvisieren. "Andere Eltern" ist gnadenlos, geht über Grenzen und thematisiert alles, was normalerweise nur in Internetforen anonym unter Eltern diskutiert wird. Absolut sehenswert!

“Andere Eltern” ist ab dem 19.03. bei TNT Comedy zu sehen und dann auch via Sky Ticket streambar.

"The First" – Sean Penn auf Marsmission

Ein Mann will zum Mars: Sean Penn in "The First"

Ein Mann will zum Mars: Sean Penn in "The First"

Für Freunde von: Reisen zum Mars in der nahen Zukunft wie in “Missions”, dem Blick hinter die Kulissen echter Nasa-Missionen, wie die semi-dokumentarische Serie "Mars" ihn ermöglicht, und der emotionalen Erzähung von "Interstellar".

Vorweg: trotz der Prämisse, die erste Marscrew zu begleiten, verlässt "The First" nur selten den irdischen Boden – den roten Planeten gibt's also zunächst nicht zu sehen. Aber die Crew, die die Raumfahrtpionierin Laz Ingram (eine Art weiblicher Elon Musk, gespielt von Natasha McElhone) zusammengestellt hat, muss ja auch erstmal für den Einsatz vorbereitet werden.

In seiner ersten Serienhauptrolle spielt Sean Penn den getriebenen Astronauten Tom Hagerty, der mit soldatischem Pflichtgefühl nur für eine Aufgabe lebt: die Erkundung des Weltalls. Das bringt ihn allerdings in einen unlösbaren Konflikt mit seiner einsamen und Halt suchenden Tochter, die seit ihrer Kindheit mit der Angst leben muss, ihren Vater zu verlieren.

"The First" wirkt wie eine Fahrt im Ferrari mit angezogener Handbremse, die Handlung zieht sich in Zeitlupe über die acht Folgen – und trotzdem fesseln die Figuren, ihre komplexen Beziehungen zueinander und die Aussicht, bei einer historischen Marserkundung dabei sein zu dürfen.

Soweit kommt es leider nicht, die Serie wurde nach nur einer Staffel abgesetzt. Wie es Sean Penn auf dem Mars ergeht, werden wir also nie erfahren. Aber vielleicht ist diese Ungewissheit auch genau das richtige Ende für die Geschichte über einen Mann, der für seinen Traum alles riskiert.

"The First" ist ab dem 07.03. bei Magenta TV verfügbar.

"Die Libelle" – Eine Agentin zwischen den Fronten

70er-Jahre-Thriller im Serienformat: "Die Libelle"

70er-Jahre-Thriller im Serienformat: "Die Libelle"

Für Freunde von: den optischen Verwirrspielen in der Dramaserie "Sharp Objects", dem Humor der Protagonistinnen in "Killing Eve" und der aufwändigen Serienverfilmung von le Carrés "The Night Manager".

Diese Serie ist nichts für leicht Abgelenkte. In "Die Libelle" muss man ganz genau hinschauen, zuhören und hinterfragen, was man gerade erst gesehen hat. Denn diese vom südkoreanischen Starregisseur Park Chan-wook kunstvoll inszenierte Thrillerserie handelt von Meistern der Illusion und des Glaubenmachens. Nicht Zauberer führen die Zuschauer*innen an der Nase herum, sondern Spione. Und die sind nicht die zuverlässigsten Erzähler.

Charlie, eine britische Provinztheaterdarstellerin mit Verbindungen zum linken pro-palästinensischen Untergrund, wird Ende der 70er-Jahre vom israelischen Geheimdienst als Doppelagentin rekrutiert. Ihr Mentor (Alexander Skarsgård) stattet sie mit einer Legende aus und schleust sie in eine palästinensische Terrorzelle ein, die Charlie im wahrsten Sinne des Wortes hochgehen lassen soll. Aber schon bald stellt sich die Frage, auf welcher Seite sie eigentlich steht.

Die Serie ist nach Susanne Biers "The Night Manager" die zweite starbesetzte le Carré-Serienadaption der BBC. "Die Libelle" basiert auf dem einzigen Roman John le Carrés, in dem eine Frau die Protagonistin ist. Kurz nach Start der ungewöhnlich-weiblichen Agentenserie "Killing Eve" bietet auch "Die Libelle" wieder einen erfrischenden Blick auf ein klischeebeladenes Genre, das John le Carré selbst maßgeblich geprägt hat.

"Die Libelle" ist ab dem 08.03. im Starzplay Channel von Amazon Prime Video abrufbar.

"Turn Up Charlie" – Mädchen zeigt alterndem Musikstar, wo's langgeht

Tochter auf Zeit und Ziehvater wider Willen: "Turn Up Charlie"

Tochter auf Zeit und Ziehvater wider Willen: "Turn Up Charlie"

Für Freunde von: dem misanthropen Ex-Entertainer "Bojack Horseman", der warmherzigen, aber durch und durch sozialkritischen Sitcom "One Day at a Time" und dem verbalen Schlagabtausch zwischen Jung und Alt in "Der Prinz von Bel Air".

Zugegeben, das Konzept von "Turn Up Charlie" ist denkbar einfach – und bekannt: Ein notorischer Junggeselle muss sich plötzlich um ein anstrengendes Schulkind kümmern. In diesem Fall wird der Ex-Musikstar Charlie (Idris Elba) unfreiwillig zur "Manny" für die altkluge Gabby, Tochter seines besten und super erfolgreichen Freundes. Und klar, nach anfänglichen Schwierigkeiten grooven die beiden sich natürlich als Dreamteam ein, das viel voneinander lernen kann.

Trotz dieses vorhersehbaren Plots ist die Serie wirklich sehr liebevoll, witzig und zeitgemäß, was vor allem den Serienmachern Idris Elba und Gary Reich und der wahnsinnig charismatischen Hauptdarstellerin Frankie Hervey geschuldet ist. Es macht Spaß, den sonst so ernsthaften Elba mal nicht in einem Krimi ("Luther") zu sehen, sondern geplagt von geplatzten Träumen und mit einigem Schalk im Nacken. Dazu kommt ein interessantes Setting im Musikbusiness, das perfekt auf das Netflix-Publikum zugeschnitten scheint.

"Turn Up Charlie" ist ab dem 15.03. komplett bei Netflix streambar.

"Hanna" – Vater und Tochter auf der Flucht vor der CIA

Überleben im Wald: "Hanna"

Überleben im Wald: "Hanna"

Für Freunde von: dem Ermittlerduo aus "The Killing", den "Misfits" – einer Gruppe aufsässiger Teens mit Superkräften, und der geheimnisvollen, jungen Prairie in der Mysteryserie "The OA".

Vor 15 Jahren entführte Erik Heller (Joel Kinnaman) ein Baby aus einer Geburtsstation – jetzt leben die beiden auf der Flucht, abgeschieden in der polnischen Wildnis, trainieren Kampfsport und Schießen, üben Sprachen und das Überleben. In Letzterem ist Hanna, die Tochter, besonders gut, wie sich herausstellt. Denn ihr Vater hat sie zu einer Killermaschine ausgebildet, die gewissenlos und tüchtig tötet, ohne mit der Wimper zu zucken.

Ja, das gab's schon mal: "Hanna" ist ein weiteres Beispiel für Hollywoods Adaptionswut. Die Filmvorlage "Wer ist Hanna?" lief 2011 im Kino, jetzt kommt die achtteilige Serie, und die weicht in entscheidenden Punkten vom Film ab. Zwar erzählt auch "Hanna" von Identitätsfindung und Erwachsenwerden. Aber hier leiten nicht die Entscheidungen des Vaters, sondern die der ganz und gar nicht durchschnittlichen Tochter die Handlung: Hanna sucht nämlich gegen die Verbote des Vaters Kontakt zu Fremden und lockt damit eine Erzfeindin ihres Vaters, die CIA-Agentin Marissa Wiegler (Mireille Enos), auf ihre Spur.

Wenn die Serie hält, was die ersten sehr spannenden und actionreichen Folgen versprechen, dürfte die Logik "gute Filmidee macht bessere Serie" bei "Hanna" endlich mal aufgehen.

"Hanna" läuft ab dem 29.03. bei Amazon Prime Video.

"Akte Lansing" – Hier wird "Dahoam is Dahoam" so richtig durch den Fleischwolf gejagt

Die etwas andere Heimatserie: "Akte Lansing"

Die etwas andere Heimatserie: "Akte Lansing"

Für Freunde von: der ZDF-Mediensatire "Lerchenberg", der bayerischen Erfolgssoap "Dahoam is Dahoam" und den verrückten Verschwörungstheorien aus "Akte X".

Mit "Akte Lansing", das im allzu harmonischen (und völlig fiktiven) Lansing spielt, nimmt der BR seine kultige Vorabendsoap "Dahoam is Dahoam" aufs Korn: Dr. Dr. Spiess wird mit der Überprüfung der Produktionskosten vom Serienflaggschiff "Dahoam is Dahoam" beauftragt, doch bei seiner Untersuchung kommt er einer politischen Verschwörung auf die Spur, die bis in die höchsten Regierungskreise reicht. Und ein rätselhafter Todesfall ist nur der Anfang ...

"Akte Lansing" ist ein gewagtes Genre-Crossover, das "Dahoam"-Fans mit vielen Gastauftritten von Serienstars zum Schmunzeln bringen wird und einen selbstironischen Einblick in den alltäglichen Irrsinn einer Rundfunkanstalt gibt.

"Akte Lansing" ist ab 08.03. in der BR Mediathek abrufbar und läuft am 4. und 11. April 2019 um 22.45 Uhr im BR Fernsehen.

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