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Serie "On Becoming a God in Central Florida": Alles nur Betrug | BR24

© Patti Perret/Sony/SHOWTIME

Kirsten Dunst als zahnspangentragende Krystal Stubbs in "On Becoming a God in Central Florida".

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    Serie "On Becoming a God in Central Florida": Alles nur Betrug

    Die neue Serie mit Kirsten Dunst als Vorstadt-Mom auf Rachefeldzug bringt den Konsumrausch der 1990er auf den Punkt und ist dabei auch noch richtig witzig. Sie zeigt: Der Amerikanische Traum ist ein Schneeballsystem.

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    Wer den 2063 Kassetten von Obie Garbeau dem II. folgt, sie aufmerksam anhört, der wird mit dem Garbeau-System auch erreichen, was der Gründer geschafft hat: Wohlstand, Glück in der Liebe und eine erfüllenden Tätigkeit, bei der andere für einen schuften. Das ist nur an einem Ort möglich und dieser Ort nennt sich Amerika.

    Der Versicherungsangestellte Travis Stubbs (Alexander Skarsgård) geht diesem Versprechen auf den Leim. Ein Bekannter ist mit dem Garbeau-System scheinbar reich geworden und hat ihn überzeugt einzusteigen. Und jetzt vertreibt Travis nach der Arbeit eben auch Haushaltsprodukte der Marke "FAM – Founders American Merchandise", so wie es das System vorsieht. Seine Frau Krystal (Kirsten Dunst) ist skeptisch: Travis wird die vorfinanzierten Produkte nicht los und ist ständig erschöpft.

    Naive Träume und die harte Realität

    Das pseudo-spirituelle Selbstverwirklichungsgefasel vom Obie Garbeau dem II. geht Krystal Stubbs gehörig auf den Senkel, denn auf die angeblichen Früchte der harten Arbeit warten die Stubbs vergeblich. Obwohl sie sich seit zwei Jahren streng an das System halten, ist die Haushaltskasse gähnend leer. Dafür stapeln sich die unverkauften FAM-Produkte in dem kleinen Eigenheim der Familie. Travis will seinen Job kündigen, um sich ganz dem Garbeau-System widmen zu können.

    Vieles was der charismatisch-geleckte FAM-Gründer Obie Garbeau der II. so predigt und auf seinen tausenden Kassetten an seine treue Gefolgschaft verkauft, könnte auch aus dem Lehrbuch von Scientology stammen. Der Gott, den die FAM-Familie anbetet, ist das Geld.

    Eine Satire auf den amerikanischen Aufstiegsmythos

    Genau wie in vielen Sekten gibt's auch bei FAM eine klare Hierarchie. Aber um aufzusteigen, muss sich Travis zunächst als Verkäufer und Anwerber beweisen. Er steht unter enormen Druck nach der Arbeit noch Klopapier, Reinigungsmittel, Zahnpasta usw. zu verkaufen und seine Kundschaft dazu zu bringen, selbst als Verkäufer bei FAM einzusteigen. Ohne neue Kunden, keine Provision. Und ohne Provision kann er sich die Teilnahme an Fortbildungen nicht leisten. FAM ist ein Teufelskreis! Obwohl es von außen betrachtet offensichtlich ist, dass das Garbeau-System vorne und hinten nicht funktioniert: Von Betrug will Travis nix hören.

    "On Becoming A God In Central Florida" ist eine Satire auf den Amerikanischen Traum, der berühmte Mythos vom Tellerwäscher, der es zum Millionär gebracht hat. Auf dieser Idee bauen die vielen Schneeballsysteme schließlich auf: Egal wer du bist, du kannst ohne großen Einsatz schnell erfolgreich werden.

    Das passt hervorragend zum Setting in den grellbunten 1990ern, als die USA wirtschaftlich boomten und Wohlstand nur eine richtige Entscheidung entfernt zu sein schien. Dieser naive Glaube führt in der Serie zu vielen bizarren Momenten und sehr witzigen Dialogen.

    Der neongrelle Spirit von "Tiger King"

    Ohne den ersten Schocker zu verraten: Krystal Stubbs steht bald ohne Mann da, und muss nicht nur ihr Baby Destiny durchfüttern, sondern sich auch mit Travis' Vermächtnis (und Schuldenberg) rumschlagen. Für Krystal gibt es nur eine Lösung: Sie muss den Endboss erledigen – und das ist für sie Obie Garbeau der II., der Gründer von FAM.

    Wie die Doku "Tiger King" lebt auch "On Becoming A God in Central Florida" von der Mischung aus düsterem Florida-Charme und dem überdrehten Größenwahn der Protagonist*innen – und diese Mischung macht auch hier wieder sehr viel Spaß.

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