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Serie "Oktoberfest 1900": Eine blutgetränkte Wiesn-Mär | BR24

© BR/ARD Degeto/MDR/WDR/Zeitsprung Pictures GmbH/Dusan Martincek

Seine größenwahnsinnigen Ideen ziehen auf dem Oktoberfest 1900 eine lange Blutspur: Curt Prank (Mišel Matičević)

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    Serie "Oktoberfest 1900": Eine blutgetränkte Wiesn-Mär

    Die neue ARD-Serie "Oktoberfest 1900" erzählt die Geschichte eines fränkischen Großbrauers, der auszog, um das gemütliche Volksfest der Münchner zu dem Megaevent zu machen, wie wir es heute kennen. Koste es, was es wolle.

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    Die Idee ist so naheliegend wie größenwahnsinnig: Anders als bisher sollen nicht nur ein paar Hundert, nein: Zigtausende Menschen auf dem Oktoberfest im Jahr 1900 in einer großen Halle zusammen dem Bierrausch frönen.

    Dieser Wahnsinnseinfall stammt nicht von einem Münchner Bierbrauer, sondern ausgerechnet von einem geschäftstüchtigen Franken. Ein Nürnberger Brauereibesitzer und Gastronom hat sich Ende des 19. Jahrhunderts in den Kopf gesetzt die Münchner Bierelite platt zu machen. Über Strohmänner erwirbt er eine Handvoll Budenplätze, um den etablierten Brauereien mit ihren wackligen Bretterbuden eine gigantische Bierhalle vor die Nase zu setzen. Sein Plan hat nur einen Haken: Die Münchner Brauereien stehen dem Franken und seinen traditionsfeindlichen Ideen nicht besonders aufgeschlossen gegenüber.

    Weil diese kleine Begebenheit aus der wahren Oktoberfest-Geschichte zwar einen netten Tresenschmunzler, aber kaum Stoff für sechs Serienfolgen hergibt, dichten Alexis von Wittgenstein, Ronny Schalk und Christian Limmer in ihrer Serie "Oktoberfest 1900" ein paar Morde, Korruption und verbotene Liebe dazu.

    Romeo und Julia: angeschickert vom Bierdunst

    In ihrer Version werfen die Münchner Brauereien den unliebsamen Franken namens Curt Prank (Mišel Matičević) samt seiner Hirngespinste also erstmal hochkant vor die Tür. Zu blutiger Rache provoziert pflastert der – in alter Wild-West-Manier – den Weg zu seiner Bierburg einfach mit einigen Leichen. Und dann kommt es, wie es kommen muss: Seine Tochter Clara (Mercedes Müller) verliebt sich auf einem Kocherlball in den Nachfolger der Konkurrenzbrauerei Hoflinger.

    Die Serie "Oktoberfest 1900" will das München Anno 1900 wieder zum Leben erwecken und ist dabei sehr auf Diversität bedacht – auch wenn die Serie natürlich von zwei konkurrierenden Oktoberfestwirten handelt. Viel interessanter ist da die mit allen Wassern gewaschene Anstandsdame Colina Kandl (Brigitte Hobmeier). Sie stellt sich im Laufe der Serie als die heimliche Hauptfigur heraus, die sich vom Biermadl zur Schützenliesl mausert, uns in verruchte Schwabinger Künstlerstuben mitnimmt und heimlich vor ihrem brutalen Ehemann flieht.

    © BR/ARD Degeto/MDR/WDR/Zeitsprung Pictures GmbH/Dusan Martincek

    Colina Kandl (Brigitte Hobmeier) zettelt einen Biermadl-Streik an.

    Gegen die mauschelnden Männerbünde hat in der Serie ohnehin keine Frau eine Chance, selbst die gewieftete Wirtin und Gegenspielerin von Curt Prank, Maria Hoflinger (Martina Gedeck), nicht. Ganz zu schweigen von ein paar entführten Samoanern, die auf dem Oktoberfest als "Kannibalen" in einer der damals sehr beliebten Menschenschauen ausgestellt wurden – wie exotische Tiere. Den Samoanern wird dann einer der vielen Morde angehängt, aber leider gelingt es der Serie nicht, sie sinnvoll in die Geschichte zu integrieren und ihnen genauso viel Leben einzuhauchen wie den komplexen Frauenfiguren.

    Ein Wimmelbild vom München Anno 1900

    Wenn Ihnen jetzt der Kopf schwirrt, sind Sie nicht allein. Wie in "Babylon Berlin" soll auch "Oktoberfest 1900" das Porträt einer sehr bewegten aber auch unübersichtlichen Zeit mit vielen Protagonist*innen und kleinen geschichtlichen Details zeichnen – allerdings angereichert mit reichlich Blut und Melodrama.

    Wer die Serie nicht zu ernst nimmt, kann aber ein paar unterhaltsame Stunden in der opulenten und aufwändig ausgestatteten historischen Kulisse verbringen. "Oktoberfest 1900" sollte man darum und wegen der vielen schwindelerregenden Kamerafahrten unbedingt auf einem möglichst großen Bildschirm angucken – mit einer kühlen Mass Bier in der Hand.

    "Oktoberfest 1900" ist bis zum 31. Dezember 2020 in der ARD Mediathek abrufbar.

    Das Erste zeigt die sechsteilige Event-Serie an drei Abenden am Dienstag, 15. September, Mittwoch, 16. September und Mittwoch, 23. September 2020, jeweils um 20:15 Uhr. Außerdem gibt es am 15. September um 21:45 die Dokumentation "München 1900".

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