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Serie "MAPA": Plötzlich allein(erziehend) | BR24

© Joyn/Carolin Weinkopf

Metin (Max Mauff) ist MaPa - Mama und Papa gleichzeitig - für seine Tochter Lene.

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    Serie "MAPA": Plötzlich allein(erziehend)

    Die neue Serie vom Streamingdienst Joyn+ und dem öffentlich-rechtlichen rbb zeigt das manchmal absurd-komische und genauso traurige Leben eines jungen Mannes, der nicht nur den Tod seiner Freundin verarbeiten, sondern auch für sein Baby sorgen muss.

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    Metin ist hundemüde. Erschöpft, fix und fertig mit der Welt. Er will einfach nur seine Ruhe. Aber es ist sein Geburtstag, der 30. und zu dem haben sich seine Freunde selbst eingeladen, um mit Metin endlich wieder einen drauf zu machen. Seine Tage bestehen aus Aufstehen, Lene wickeln, Lene füttern, Lene bespaßen und dabei nicht durchdrehen. Metin ist nämlich ganz allein mit seiner kleinen Tochter Lene, seit seine Freundin Emma plötzlich gestorben ist.

    Die surreale Seite der Trauer

    Metin ignoriert seine Trauer und schweigt, obwohl ihn alles an Emma erinnert. Die Klobürste, mit der Lene am liebsten spielt, der gepackte Koffer im Wohnungsflur und natürlich seine Freunde, die Metin so gut es eben geht meidet. Was Metin stoisch in sich hinein frisst, bricht in absurden Halluzinationen wieder aus ihm heraus. Zum Beispiel im Möbelkaufhaus, wo er die Kundschaft einfach ausblendet – und deren Unterhaltungen in einer surrealen Szene an ihm vorbeirauschen. In Metins Vorstellung fliegt auch mal ein Kind aus dem Fenster. Oder eine Gruppe frischgebackener Väter mit Baby-Tragen überholt ihn auf Skateboards, als wäre das Elternsein ein ziemlich einfacher Parkour. Solche bizarren Momente und auch Erinnerungen an schöne Zeiten lockern die Serie immer wieder auf.

    Lebensecht überfordert

    Metin erfüllt Vorurteile über Alleinerziehende oder Menschen in Trauer nicht. Die Serie stellt sich diesen gesellschaftlichen Erwartungen, aber Metin ist von Beruf nämlich Drehbuchautor einer Daily-Soap. Sein Team lässt sich schamlos von Metins Erfahrungen inspirieren und bringt eine Figur auf den Bildschirm, die wie er an der Trauer und dem Vatersein verzweifelt. Aber natürlich nur so lange, wie es für das Publikum zumutbar ist. Der Soap-Witwer wird also schnell aus seiner tragischen Situation erlöst - wie in einem Schweighöfer-Film, in dem auch alles unkompliziert und harmonisch mit einem befreienden Schenkelklopfer endet.

    Die Serie "MAPA" ist aber kein Schweighöfer-Film, glücklicherweise. Und auch keine Daily Soap, sondern schräg und tiefgründig und auch mal etwas anstrengend. So wie die Realität. Am Ende der sechs Folgen ist Metins Leben darum auch nicht einfach so wieder okay, Trauer wird man schließlich nicht einfach so wieder los.

    Nicht alle Dialoge und Pointen zünden. Aber Hauptdarsteller Max Mauff spielt Single-Dad Metin so einfühlsam, dass man der ersten Folge sogar ein paar missglückte Eltern-Witze verzeiht. Trotzdem ist "MAPA" wirklich sehenswert. Denn Serienschöpfer Alexander Lindh ("DRUCK") und sein Autor*innen-Team bringen in ihrer "Sadcom" diese seltene, lebensechte Mischung von Melancholie und Galgenhumor zusammen, die es bisher so nur in britischen Serien gibt.

    "MAPA" ist ab dem 16.04. beim Streamingdienst Joyn+ abrufbar.

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