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"Sepp, Du wirst uns sehr fehlen": Trauer um Regisseur Vilsmaier | BR24

© pa/dpa/Tobias Hase

Regisseur Joseph Vilsmaier

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"Sepp, Du wirst uns sehr fehlen": Trauer um Regisseur Vilsmaier

Vom Heimat- bis zum Dokumentarfilm: Der bayerische Regisseur Joseph Vilsmaier galt als vielseitiger und kreativer Künstler. Die Nachricht von seinem Tod löste bei Kollegen und Politikern große Betroffenheit aus.

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Herzlich, bodenständig, geradeheraus, voller Energie und mitunter auch mal grantelnd - so kannten und liebten ihn Freunde und Kollegen. Am Dienstag ist der Regisseur und Produzent Joseph Vilsmaier im Alter von 81 Jahren in München gestorben.

Zu Vilsmaiers großen Erfolgen gehören Filme wie "Schlafes Bruder", "Comedian Harmonists" und "Stalingrad". Zuletzt hatte der Münchner mit Michael Bully Herbig und Hape Kerkeling gedreht - die Komödie "Der Boandlkramer und die ewige Liebe", die derzeit mit Beteiligung und in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunk realisiert wird und im November ins Kino kommen soll.

Hape Kerkeling erklärte, Vilsmaier fehle als "genialer Künstler und humoriger Querkopf". Auf Instagram verabschiedete sich Herbig von seinem "lieben Freund" mit den Worten "Ich werde Dich so sehr vermissen!". Dazu fügte er ein Bild, das ihn in seinem schwarzen "Boandlkramer"-Outfit samt Schlapphut zeigt, wie er gerade den Regisseur am Set umarmt.

Schauspieler André Eisermann, der mit Vilsmaier die Literaturverfilmung "Schlafes Bruder" (1995) gedreht hatte, sagte: "Er scheute weder Feuer noch Eis. Kein Berg war ihm zu hoch, keine Wolke zu weit entfernt, um sie nicht mit seiner Kamera einzufangen."

"Untrügliches Gespür" für Bilder

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) nannte den Verstorbenen "einen leidenschaftlichen Künstler und äußerst erfolgreichen Regisseur". "Mit seinen deftig-sinnlichen, wirklichkeitsnahen Geschichten hat er sie alle gekriegt - die ganze Breite des Publikums hat er beeindruckt." Vilsmaier habe ein "untrügliches Gespür für Bilder und für spannungsvolle Inszenierungen" gezeigt.

Herzlich und ohne Umschweife ging Vilsmaier auf die Menschen zu. "Ich bin der Sepp", stellte er sich gerne vor. Der 1939 in München geborene Vilsmaier war ein Bayer durch und durch. So wagte der Kameramann sein Debüt als Regisseur 1988 auch mit einem Heimatfilm ganz anderer Art: "Herbstmilch". Mit der Verfilmung der Lebensgeschichte der Bäuerin Anna Wimschneider feierte er seinen ersten Erfolg, hochgelobt von der Kritik.

In der Hauptrolle war seine Frau Dana Vávrová zu sehen. In die 28 Jahre jüngere tschechische Schauspielerin hatte er sich unsterblich beim Dreh des Fernsehfilms "Ein Stück Himmel" verliebt. Gemeinsam setzten sie fortan ihre künstlerischen Ideen um. Als sie 2009 mit nur 41 Jahren an Krebs starb, war Vilsmaier untröstlich.

Söder würdigt Vilsmaier als Ausnahmetalent

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder teilte mit, Bayern trauere "um einen großen Filmemacher und ein Ausnahmetalent". Seine künstlerische Vielseitigkeit habe Vilsmaier unter anderem mit den "Comedian Harmonists", aber auch als Dokumentarfilmer wie bei "Bavaria - Traumreise durch Bayern" unter Beweis gestellt. Der CSU-Chef bekundete auch auf Twitter seine Anteilnahme:

Der bayerische Kunstminister Bernd Sibler (CSU) erinnerte daran, dass Vilsmaier sein Publikum auf besondere Weise berührt habe. "Liebevoll und mit einem Augenzwinkern konnte er unseren Freistaat, seine Heimat, in einzigartiger Weise in Szene setzen."

Für seine Arbeit wurde der Regisseur vielfach ausgezeichnet; unter anderem erhielt er 2009 den Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten beim Bayerischen Filmpreis. Auch Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner zeigte sich betroffen vom Tod des Regisseurs. "Sepp, Du wirst uns sehr fehlen", schrieb sie auf Twitter.

BR trauert um Vilsmaier und ändert Programm

Der Intendant des Bayerischen Rundfunks, Ulrich Wilhelm, erklärte, Vilsmaier habe es "wie kein anderer" verstanden, den bayerischen Film in die Welt hinauszutragen. "Die deutsche Filmwelt verliert mit Joseph Vilsmaier eine bedeutende Persönlichkeit. Unser ganzes Mitgefühl gilt seiner Familie und seinen Angehörigen." BR-Fernsehdirektor Reinhard Scolik sagte: "Joseph Vilsmaier hat den bayerischen Film geprägt und zu cineastischen Höhen geführt. Wir trauern sehr um ihn."

Der BR ändert anlässlich von Vilsmaiers Tod sein Programm. Am Mittwochabend zeigt unter anderem das BR Fernsehen den Dokumentarfilm "Bayern – Sagenhaft".

"Ein ganz besonderer Mensch"

Vilsmaiers Töchter schrieben zum Tod des Vaters, dieser habe auf ein "glückliches Leben und ein außergewöhnliches Lebenswerk" zurückblicken können. Der große Herzenswunsch ihres Vaters sei in Erfüllung gegangen, noch vor seinem Tod die Regiearbeit an seinem letzten Kinofilm "Der Boandlkramer und die ewige Liebe" abzuschließen. "Wir vermissen unseren Vater und trauern gemeinsam mit unserer Familie und Freunden um einen ganz besonderen Menschen und einen großartigen Filmemacher."

© BR

Joseph Vilsmaier ist tot. Mit Filmen wie "Herbstmilch", "Stalingrad" und "Nanga Parbat" avancierte er zu einem der wichtigsten Regisseure Bayerns. Ein Nachruf.