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Senta Berger berichtet von sexuellem Missbrauch bei Dreharbeiten | BR24

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Die Schauspielerin Senta Berger

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    Senta Berger berichtet von sexuellem Missbrauch bei Dreharbeiten

    An Filmsets habe sie immer wieder Übergriffe erlebt, so die Schauspielerin im Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit". Schwere Vorwürfe erhebt sie unter anderem gegen den österreichischen Schauspieler O. W. Fischer und auch gegen Kirk Douglas.

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    • BR24 Kultur

    In einem Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit" berichtet die Schauspielerin Senta Berger von vielfachem sexuellen Missbrauch und Belästigungen an Filmsets oder im Umfeld von Dreharbeiten, die sie während ihrer Laufbahn erlebt habe. Dabei geht sie auf mehrere Vorfälle näher ein, tut das allerdings nicht zum ersten Mal: Bereits in ihrer Autobiographie "Ich habe ja gewusst, dass ich fliegen kann" aus dem Jahr 2006 erzählte sie von Vorkommnissen.

    Vorwürfe gegen O. W. Fischer und Kirk Douglas

    So erhebt Berger schwere Vorwürfe gegen den 2004 verstorbenen österreichischen Schauspieler Otto Wilhelm "O. W." Fischer. Bei den Dreharbeiten zum Film "Es muss nicht immer Kaviar sein" (1961) habe Fischer versucht, sie zu vergewaltigen, sie geschlagen und verletzt. "Danach hätte ich eigentlich sagen müssen: Ich kann morgen nicht mit Ihnen drehen und diesen Film nicht mit Ihnen machen", sagte Berger im Interview mit der "Zeit". Doch stattdessen habe sie während des sechswöchigen Drehs lediglich "kein privates Wort" mit ihm gewechselt. Am Ende habe sich Fischer mit dem Faust-Zitat "Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan" entschuldigt.

    Die 79-jährige Schauspielerin berichtete von einem weiteren Vorfall mit dem im Februar 2020 gestorbenen US-Schauspieler Kirk Douglas, der aus einer russisch-jüdischen Emigrantenfamilie stammt. Die beiden standen gemeinsam für den US-Kriegsfilm "Der Schatten des Giganten" (1966) vor der Kamera. Douglas habe versucht, sie gegen ihren Willen zu küssen. Als sie sich geweigert und ihren Kopf weggedreht habe, habe er mit dem Satz reagiert: "Deine Leute haben meine Leute getötet".

    Darryl Zanuck war "Harvey-Weinstein-Figur"

    Der Fall des wegen Vergewaltigung verurteilten Produzenten Harvey Weinstein habe sie nicht wirklich erstaunt, sagte Berger und berichtete über einen Vorfall mit dem 1979 gestorbenen US-amerikanischen Produzenten und Hollywood-Mogul Darryl Zanuck. Ihn bezeichnete Berger als "Harvey-Weinstein-Figur". Er habe sie in New York in sein Hotelzimmer eingeladen und dann im Bademantel verfolgt. Im Austausch mit Kolleginnen sei ihr dieses Verhalten als "gängig" beschrieben worden.

    Berger wurde 1941 in Wien geboren und begann ihre Karriere zunächst in Österreich und Deutschland, bevor sie Rollen in Hollywood annahm. Zum Umgang mit dem Erlebten sagte sie: "Ganz jung habe ich in Wien am Theater in der Josefstadt gespielt. Es war noch die Zeit, als man in den Po gezwickt worden ist, kurz vorm Auftritt, von dem Schauspieler, der die Bühne verließ. Und ich hatte mir fest vorgenommen: Ich merke das gar nicht." Sie sei es vom Ballett her gewohnt gewesen, sich so zu benehmen, als würde ihr alles leichtfallen, so Berger: "Das habe ich lange als eine Art von Schutz benutzt."

    Die Machtverhältnisse änderten sich jedoch, so Berger, auch das Verhältnis zwischen den Geschlechtern, worüber sie daheim oft mit ihrem Sohn Simon spreche, der selbst Regisseur ist: "Aber meiner Ansicht nach wird zu viel über die Sprache und Gendersternchen diskutiert und zu wenig über die realen Verhältnisse. Und zu viel über Schauspielerinnen und zu wenig über Putzfrauen oder Busfahrerinnen."

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