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Tierbestattung in der freigelegten Stadt

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    Sensationelle Ausgrabung: "Goldene" Pharaonen-Stadt freigelegt

    Es soll die größte archäologische Entdeckung in Ägypten seit dem Fund des Grabs von Tutanchamun sein. Nahe Luxor wurden die imposanten Mauern einer einst wohlhabenden Metropole entdeckt. Die Relikte stammen aus dem "Goldenen Zeitalter" der Region.

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    Von
    • Peter Jungblut

    Gerade eben hatten die ägyptischen Pharaonen in Kairo einen großen Auftritt: 22 Mumien wurden feierlich durch die Stadt eskortiert, um an ihren neuen Aufenthaltsort gebracht zu werden. Der Pomp hätte nicht größer sein können. Die 18 Könige und vier Königinnen zogen vom alten Ägyptischen Museum am Tahrir-Platz in das "Museum für Ägyptische Zivilisation" (NMEC) um, wo sie deutlich mehr Glanz verbreiten sollen. Und passend dazu gaben Archäologen jetzt bekannt, dass sie seit September vergangenen Jahres an der Freilegung der größten jemals in Ägypten entdeckten Stadt aus der Antike arbeiten. Sie sei rund 3.400 Jahre alt und stamme aus der Regierungszeit von Pharao Amenophis III. (auch Amenhotep III.), einem Herrscher, der rund vierzig Jahre regierte und das Glück hatte, über ein Riesenreich vom Euphrat bis in den Sudan zu gebieten.

    Mauern "in alle Richtungen"

    Die "New York Times" schwärmte bereits von einem "ägyptischen Pompeji". Zahi Hawass von der Altertumsbehörde teilte mit, dass es wie so oft in der Archäologie ein "Zufallsfund" war. Eigentlich waren die Fachleute damit beschäftigt, eine Nekropole, also eine Totenstadt in der Nähe von Medinet Habu bei Luxor näher zu untersuchen, wo ein Tempel für Ramses III. errichtet wurde. Unweit stehen auch die kolossalen Memnon-Statuen von Amenhotep III. und seiner Frau. Insgeheim hofften die Archäologen, auch ein Grabmal für Tutanchamun zu entdecken, doch stattdessen seien sie "in alle Richtungen" auf massive Bauten gestoßen.

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    Lange vermisst: Überreste der Stadt

    Amenophis III. (Regierungszeit 1391 bis ca. 1353 v. Chr.) hat auch den Beinamen "der Große" und war der neunte Pharao der 18. Dynastie. Damals reichte Ägyptens Herrschaftsgebiet vom Zweistromland, dem heutigen Irak, bis in den Sudan. Entsprechend reich scheint die jetzt ausgegrabenen "goldene" Stadt gewesen zu sein. Es wurden jede Menge Skarabäus-Amulette gefunden, Hausrat, Schmuck und seltsame Großtier-Bestattungen. Auch die Behausungen von zahlreichen Handwerkern und Künstlern wurden freigelegt, die wohl im "Tal der Könige" beschäftigt waren.

    Trockenfleisch vom Metzger Luwy

    Bei der genaueren Analyse des Gebiets stießen die Experten auf Vorrats-Speicher, Nahrungsmittel-Produktionsstätten, Ziegelbrennereien, Fassadenschmuck-Manufakturen, Verwaltungstrakte und Wohnbereiche. In einem Behälter wurden zehn Kilo getrocknetes Fleisch gefunden, mit der Aufschrift: "Jahr 37, Fleischzubereitung für die dritten Heb Sed-Feierlichkeiten vom Schlachthaus auf dem Gelände von Kha, hergestellt vom Metzger Luwy." Auf einem Lehmsiegel ist zu lesen: "Eigentum des illustren Aton", der Name eines Tempels, der von Echnaton bei Karnak errichtet wurde.

    Für Betsy Brian von der Johns Hopkins Universität in Baltimore/USA ist das alles die "zweitwichtigste" Entdeckung nach dem Sarkophag von Tutanchamun. Sie erhofft sich Aufschluss über eines der "größten Geheimnisse" der ägyptischen Antike, nämlich warum Echnaton (Amenophis IV.) der Sohn von Amenophis III., der acht Jahre mit seinem Vater gemeinsam herrschte, seinen Regierungssitz Achet-Aton nach Amarna verlegte.

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    Vollständige Mauer und kostbare Fundstücke

    "Viele ausländische Grabungskampagnen haben nach dieser Stadt gesucht", so Zahi Hawass, "doch sie nie gefunden." Einige Mauern erreichten eine Höhe von drei Metern. Schon jetzt hätte die Archäologen ermittelt, dass sich die Stadt, die den Namen "Himmelfahrt Atons" getragen haben soll, Richtung Westen bis Deir el-Medina erstrecke. Nach Hieroglyphen-Aufschriften auf Weingefäßen zu urteilen, sei die Residenz eine von insgesamt dreien gewesen, die Amenophis III. genutzt habe.

    Besonders bemerkenswert sei eine geschwungene Mauer, so Hawass, die als Festungsbau zur Abschirmung eines bestimmten Areals interpretiert werden könne, da es nur einen einzigen Eingang gebe. "Seltsam" sei auch die Bestattung eines Skeletts, das an den Beinen gefesselt gewesen sei. Auf einem großen Friedhof seien Felsgräber für hoch gestellte Persönlichkeiten entdeckt worden, in denen die Archäologen auf wertvolle Grabbeigaben hoffen.

    Echnaton war Vordenker des Monotheismus

    Interessant ist die jetzige Ausgrabung auch deshalb, weil die Ära von Amenophis III. und IV. weltgeschichtlich prägend war: Echnaton verfügte erstmals, dass der Gott Aton in Form der Sonnenscheibe über allen anderen Göttern steht und gilt damit als wegweisender Mitschöpfer und Vordenker des Monotheismus. Außerdem sorgte Echnaton für die Neuorientierung der antiken Kunst: Unter seiner Regierung orientierten sich Maler und Bildhauer verstärkt an der Natur und bildeten Pflanzen und Tiere ab. Während die Porträtisten bis dahin eher idealisierende Abbildungen von Regenten hervorgebracht hatten, war fortan ein gewisser "Realismus" gefragt, bis hin zu karikierenden Elementen.

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