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Turner-Preis für moderne Kunst geht diesmal an – alle! | BR24

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Sensation bei der Verleihung des Turner-Preises: Die Künstler schließen sich spontan zu einem Kollektiv zusammen. Ihr Werk sei inkompatibel mit dem Wettbewerb-Format, das individualisieren und spalten wolle, erklären sie. Die Jury findet das gut.

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Turner-Preis für moderne Kunst geht diesmal an – alle!

Sensation bei der Verleihung des Turner-Preises: Die Künstler schließen sich spontan zu einem Kollektiv zusammen. Ihr Werk sei inkompatibel mit dem Wettbewerb-Format, das individualisieren und spalten wolle, erklären sie. Die Jury findet das gut.

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Der renommierte Turner-Preis geht in diesem Jahr erstmals an alle vier nominierten Künstler. Ausgezeichnet wurden Helen Cammock, Tai Shani, Lawrence Abu Hamdan und Oscar Murillo. Die zwei Frauen und zwei Männer hatten die Jury in einem Brief darum gebeten, den Preis teilen zu dürfen, als Statement der "Gemeinsamkeit, Vielfalt und Solidarität in einer Zeit der politischen Krise". Sie wollten damit nach eigenen Angaben ein Zeichen setzen "in einer Ära, die vom Aufstieg der Rechten und von der Erneuerung des Faschismus geprägt" sei. Edward Enninful, Chefredakteur der British Vogue, sprach von einem außergewöhnlichen Schritt: "In einer Zeit der politischen Spaltung in Großbritannien und Konflikten in vielen Teilen der Welt, (…) wollten die Künstler ein Zeichen setzen und haben eine Gemeinschaft gebildet."

Statement der Solidarität in Zeit der politischen Krise

Mit ihrer Bitte hätten die Nominierten der Jury eine Menge zu denken gegeben, sagte deren Vorsitzender und Direktor der Tate Britain, Alex Farquharson, bei der Verleihung im englischen Margate. Aber es sei "sehr im Geiste des Werkes dieser Künstler, Konventionen herauszufordern, polarisierten Weltsichten zu widerstehen und andere Stimmen zu vertreten".

Ihr Werk sei "inkompatibel mit dem Wettbewerb-Format, dessen Tendenz es sei, zu spalten und zu individualisieren", teilten die Künstler in einer gemeinsamen Erklärung mit, die von Cammock verlesen wurde. Die Britin war für einen Film über die Rolle von Frauen zu Beginn des Nordirland-Konflikts nominiert. Sie zitierte aus dem Statement der vier Künstler: "Wenn es eh schon so vieles gibt, was Leute trennt, fühlen wir uns stark motiviert, die Preisverleihung zu nutzen, um zusammenzustehen. Im Namen der Gemeinschaftlichkeit, Vielfalt und Solidarität – in der Kunst wie in der Gesellschaft."

Installationen, Soundeffekte und Feminismus

Als Favorit hatte der kolumbianisch-britische Künstler Oscar Murillo gegolten mit seinen Installationen von lebensgroßen menschlichen Figuren. Wie eine Kirchengemeinde hatte er sie auf Bänken gruppiert, vor einem teils verhangenen Fenster mit Ausblick auf das Meer.

Der im Libanon lebende Lawrence Abu Hamdan verarbeitete mit Sound-Effekten die Erinnerungen ehemaliger Häftlinge an die Geräusche in einem syrischen Foltergefängnis auf verschiedene Weise. Die britische Künstlerin Tai Shani schuf mit ihrer Installation eine in grellen Farben gestaltete feministische Fantasiewelt mit dem Titel "Beyond patriarchal limits" ("Jenseits patriarchalischer Grenzen").

Turner-Preis wichtigste britische Auszeichnung für zeitgenössische Kunst

Der Turner-Preis ist die wichtigste britische Auszeichnung für zeitgenössische Kunst. Er ist nach dem englischen Maler William Turner (1775-1851) benannt und wird seit dem Jahr 1984 vergeben. Er ist mit insgesamt 40.000 Pfund (knapp 47.000 Euro) dotiert. Dieses Preisgeld teilen die vier Künstler nun unter sich auf.

Die Vergabe der Auszeichnung wird von der Londoner Tate-Gallery organisiert. Sie erfolgte in diesem Jahr erstmals in dem Küstenort Margate.

Zwei Deutsche unter den Preisträgern

Im vergangenen Jahr ging der Preis an die britische Künstlerin Charlotte Prodger. Die 45-Jährige wurde für ihre teilweise mit dem iPhone aufgenommenen Kurzfilme "Bridgit" und "Stoneymollan Trail" ausgezeichnet. Unter den Preisträgern sind bislang erst zwei Deutsche: der Fotograf Wolfgang Tillmans (2000) und die Malerin Tomma Abts (2006).

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