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Senioren-Rikscha: So bleiben alte Menschen in München mobil | BR24

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Im Alter wird der Radius oft klein. Viele Senioren kommen nur selten aus ihrer Wohnung raus. In München möchte man das ändern: Ehrenamtliche der Kirchengemeinde St. Anna unternehmen mit den Senioren Ausflüge - mit einer Fahrrad-Rikscha.

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Senioren-Rikscha: So bleiben alte Menschen in München mobil

Im Alter wird der Radius oft klein. Viele Senioren kommen nur selten aus ihrer Wohnung raus. In München möchte man das ändern: Ehrenamtliche der Kirchengemeinde St. Anna unternehmen mit den Senioren Ausflüge – mit einer Fahrrad-Rikscha.

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Die katholische Pfarrei Sankt Anna im Münchner Stadtteil Lehel hat seit kurzem für ihre Seniorenarbeit eine Rikscha mit Elektroantrieb. Verena Knoll gehört zu den ersten fünf, die sich zur ehrenamtlichen Rikscha-Fahrerin haben ausbilden lassen. Zwei Nachmittage dauerte das Fahrtraining – eine Voraussetzung für das Ehrenamt.

Ehrenamtliche brauchen Rikscha-Führerschein

Denn Rikscha-Fahren ist, trotz Elektromotor, gar nicht so einfach. Der Wendekreis ist größer als beim Fahrrad: Eine Bordsteinkante wird schnell zu einem großen Hindernis. Ganz zu schweigen von der Fahrt über Kopfsteinpflaster, die die Senioren ganz schön durchschütteln kann.

Seit einer Woche hat Verena Knoll den Führerschein für die Rikscha. Der Ausflug in den Englischen Garten ist ihre erste Tour. Mit an Bord ist Gisela Kitschenberg, die Knoll zuvor im Seniorenheim abgeholt hat.

Idee der Seniorenseelsorge im Erzbistum München und Freising

Die Seniorin ist ganz aufgeregt. Früher sei sie sehr viel im Englischen Garten Spazieren gewesen. "Jetzt laufe ich nicht mehr so viel, weil mit meinem Alter geht das nicht mehr", sagt sie. Gerade deshalb ist sie von dem Rikscha-Projekt begeistert: "Das heute alles abzufahren, ist herrlich! Das hat sehr gut getan, dieses Fahren. Dass ich alles sehen konnte, ohne aufpassen zu müssen, dass ich stolpere."

Dass Verena Knoll und Gisela Kitschenberg mit einer Rikscha unterwegs sind, geht auf eine Idee der Seniorenseelsorge im Erzbistum München Freising zurück. Dort hat man sich Gedanken gemacht, wie man auch im Alter Mobilität und Teilhabe ermöglichen kann, sagt die Abteilungsleiterin Adelheid Widmann.

Nicht nur Transportmittel, sondern Gesprächsmöglichkeit

Für viele alte Menschen werde der Radius sehr klein, wenn sie nicht mehr Autofahren könnten, so Widmann: "Die können vielleicht noch kleine Strecken gehen, aber ihr Viertel erleben, teilzuhaben - das wird dann oft schwierig." Für viele sei dies eine große Not.

Die Idee zu der Rikscha, bei der Ehrenamtliche Senioren zu einer Tour in die Umgebung mitnehmen sollen, war geboren. Doch die Rikscha ist mehr als ein Transportmittel. Sie ist eine Möglichkeit, gemeinsam etwas zu erleben und ins Gespräch zu kommen.

Gisela Kitschenberg will auf jeden Fall bald wieder zu einem Ausflug mit der Rikscha aufbrechen. Und auch Verena Knoll hat sich vorgenommen, in Zukunft einmal in der Woche als Rikscha-Pilotin in die Pedale zu treten. Für die beiden war es sicher nicht die letzte Tour zusammen.