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Selbstfindung: Wissenschafts-Journalist Bas Kast wird Romanautor | BR24

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Wissenschafts-Autor Bas Kast hat seinen ersten Roman geschrieben: "Das Buch eines Sommers". Warum er die Roman-Form wählte, erzählt er im Gespräch.

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Selbstfindung: Wissenschafts-Journalist Bas Kast wird Romanautor

"Tue ich das, was ich wirklich tun möchte?" Diese Frage stellt sich wahrscheinlich jede(r) einmal. Bas Kast hat der Selbstfindung jetzt seinen ersten Roman gewidmet: "Das Buch eines Sommers". Warum er die Roman-Form wählte, erzählt er im Gespräch.

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Bas Kast wollte schon in den 1990ern einen Roman schreiben, aber wurde erst einmal Journalist, Wissenschafts-Redakteur und mit seinem "Ernährungskompass" höchst erfolgreicher Sachbuch-Autor. Am Mittwoch erscheint nun der erste Roman des inzwischen 47-Jährigen: "Das Buch eines Sommers". Im Gespräch mit Joana Ortmann erzählt der populäre deutsch-niederländische Wissenschaftsautor, warum ihm die Roman-Form für seine Themen jetzt lieber war.

Joana Ortmann: Sie haben schon in Ihren Sachbüchern jeweils Themen verfolgt, die Ihnen selbst unter den Nägeln brannten. In Ihrem Roman-Debüt kämpft nun ein Mann mit seiner Lebensbilanz. Sind Sie da wieder von einem ureigenem Interesse ausgegangen?

Bas Kast: Ja, jedes meiner Sachbücher hatte einen persönlichen Ausgangspunkt, den ich dann genauer recherchiert habe. Jetzt kennen alle meinen "Ernährungskompass" – und da steckt wirklich eine gewisse Ironie drin, denn das Thema Ernährung war eigentlich eine Verirrung. Ich habe vorher eher über psychologische Themen geschrieben, also über Glück, Intuition, Kreativität, das Gehirn. Mit dem Thema des Romans, dem Thema der Selbstfindung, kehre ich im Grunde wieder zu diesen Wurzeln zurück und verfolge das jetzt in dieser Form, weil ich glaube, dass man es so besser verhandeln kann.

Thema des Romans ist der Rückblick auf das eigene Leben im mittleren Alter, mit Fragen wie: Habe ich es richtig gemacht? Habe ich bisher das getan, was ich wollte? Was habe ich verpasst?

Naja, ich befinde mich ja auch in diesem Alter, ich bin jetzt 47, und was mich in letzter Zeit ein bisschen gestört hat, war das Image vom Ernährungsberater, der ich nicht bin. Ich fühle mich im Schreiben zu Hause, ich bin ein Autor, der halt auch mal ein Buch über Ernährungsfragen geschrieben hat. Noch viel wichtiger für den Roman aber war sicher die Tatsache, dass ich vor einigen Jahren Vater geworden bin. Mittlerweile habe ich drei kleine Söhne und stelle mir wie jeder Vater und jede Mutter die Frage nach der Entwicklung meines Kindes und nach meiner Rolle dabei. Was ist gute Erziehung? Worauf kommt es an? Dazu habe ich begonnen zu recherchieren, aber bald gemerkt: Die Faktenlage ist mir zu dünn. Dennoch hat mich das Thema nicht losgelassen, und so hat sich dieser lebensphilosophische Roman daraus entwickelt.

Das Thema Erziehung führt Ihre Hauptfigur, einen Mann – wie man so schön sagt – in seinen besten Jahren, Chef eines Pharmaunternehmens, dazu, sein Leben kritisch zu bilanzieren. Dabei spielen viele der Themen eine Rolle, mit denen Sie sich schon beschäftigt haben… Zum Beispiel das Älterwerden.

Es gibt ja tatsächlich viel Forschung zur Frage, wie man den Alterungsprozess verlangsamen könnte. Ich hatte dazu natürlich auch schon recherchiert, weil das sehr eng mit dem Thema Ernährung verbunden ist. Ich fand es dann spannend, eine Figur zu wählen, die in der Altersforschung steckt. Auf diese Weise kann man sich dem Phänomen unterschiedlich nähern. Man kann natürlich dem gesellschaftlichen Jugendwahn folgend versuchen, den Alterungsprozess zu verdrängen oder zu verlangsamen. Oder man akzeptiert das Altern und fragt sich: Woher kommt diese Angst vor dem Tod? Kann es sein, dass sie an Schärfe gewinnt, weil wir im Leben sozusagen unseren wahren Kern verpassen? Oder weil wir zu viel Zeit mit Dingen verplempern, die nicht zum Wesentlichen gehören? Ich sag jetzt mal mit Twitter, Facebook, Google… wie ich es selber teilweise leider tue. Das versuche ich im Roman zumindest zu thematisieren und mir selber auch ein bisschen die Augen dafür zu öffnen, wie oft ich meine Zeit mit belanglosen Sachen verschwende.

Spielt hier vielleicht auch wieder das Schreiben eine Rolle? Der Drang zu schreiben, Momente festzuhalten, das Leben zu sortieren, entspringt doch letztlich auch der Angst vor dem Tod… So sieht es zumindest auch Ihre Hauptfigur Nicolas.

Offensichtlich hat dieser Nicolas große Angst vor dem Tod. Und bei ihm kommt natürlich alles zusammen, er hat ja auch sein Leben verfehlt. Und für mich geht es natürlich darum, mich selbst daran zu erinnern. Aber es ist natürlich auch ein Angebot an den Leser. Ich will nicht behaupten, dass es darauf einfache Antworten gibt, die sind ja unheimlich individuell. Aber es wäre gut, wenn man sich nur einmal fragt: Tue ich das, was ich wirklich tun möchte? Der Corona-Lockdown war da ja auch eine kleine Chance zu sehen, wie das Leben auch ganz anders weitergehen könnte.

© Diogenes Verlag / Montage BR

Bas Kast: Das Buch eines Sommers. Werde, der du bist. Cover

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