Bild

Ottfried Fischer in seinem Passauer Arbeitszimmer. Auch mit 65 denkt der Kabarettist nicht an den Ruhestand.
© picture-alliance/dpa

Autoren

BR24 Redaktion
© picture-alliance/dpa

Ottfried Fischer in seinem Passauer Arbeitszimmer. Auch mit 65 denkt der Kabarettist nicht an den Ruhestand.

Ottfried Fischer hat noch viel vor: Der Kabarettist schreibt zur Zeit an einem neuen Buch, plant eine Talkreihe und schließt auch schauspielerische Auftritte nicht aus. Vor allem aber versucht er, nach seiner lebensbedrohlichen Blutvergiftung im vergangenen Jahr wieder auf die Beine zu kommen. Von München ist Fischer nach Passau umgezogen. Dort hat er das Stadthaus seiner Großeltern geerbt. Am Mittwoch wird der "Bulle von Tölz" 65 - und flüchtet in den Urlaub an einen geheimen Ort.

Sein Haus wird gerade renoviert

Ottfried Fischer in seinem Passauer Arbeitszimmer: schwarz gekleidet und mit leuchtend blauen Turnschuhen an den Füßen. Durch die Fenster geht der Blick über den Inn. Auf dem Computerbildschirm hat er das Manuskript zu seinem neuen Buch vor sich, gerade ist der Lektor zu Besuch. Es soll eine Sammlung an Kurzgeschichten werden. Es herrscht Baustellenlärm. Fischer lässt das jahrhundertealte Haus sanieren, auch ein rollstuhltauglicher Lift musste eingebaut werden. Mehrere Wohnungen hat er an Studenten vermietet.

Vom ersten Tag an in Passau zuhause

Vom ersten Tag an habe er sich in Passau zuhause gefühlt. "Das Haus atmet einen schönen Geist." Im Erdgeschoss lässt er sein Hochwassermuseum umbauen und einen Veranstaltungsraum einrichten. Hier will der Kabarettist eine Talkreihe etablieren, Stammtisch-Gespräche mit Menschen, die etwas zu sagen haben.

"Ich habe in der Nacht die Idee gehabt, ich könnte nach Passau ziehen. Ich habe da die wichtigste Entscheidung meiner zweiten Lebenshälfte getroffen. Hier ist alles viel einfacher für mich. Es ist nicht so hektisch und alles ist da, was du brauchst." Ottfried Fischer im BR-Interview

2008 hatte der Kabarettist seine "Parkinson"-Erkrankung öffentlich gemacht und kurz darauf gescherzt: "Keine Angst, ich mach' keine Schüttelreime!" Den Humor hat er sich nicht nehmen lassen. Ansonsten veränderte die Krankheit so einiges in Fischers Leben.

2009 musste er sich nach dem Tod seiner Filmmutter Ruth Drexel von seiner Paraderolle als "Bulle von Tölz" verabschieden. Im November 2012 moderierte er letztmals seine Kult-Kabarettsendung "Ottis Schlachthof" im Bayerischen Fernsehen, knapp ein Jahr später war es auch mit dem "Pfarrer Braun" vorbei. 2017 sagte er in einem Interview, keine Rollen mehr angeboten zu bekommen.

"Das ist auch etwas, was ich festgestellt habe: Wenn so eine persönliche Ära erstmal vorbei ist, dann ist sie vorbei." Ottfried Fischer über seine TV-Karriere

Mehr als 150 Filme hat Fischer gemacht. "Es war ein Leben im Laufrad", sagt er heute über diese Zeit. Seine TV-Karriere startete Fischer, der im Bayerischen Wald auf einem Bauernhof aufwuchs, in den 80er-Jahren. Regisseur Franz Xaver Bogner engagierte ihn für die Serien "Irgendwie und Sowieso" und "Zur Freiheit". 1995 schlüpfte er erstmals in die Rolle des grantelnden Kommissars Benno Berghammer. Der "Bulle von Tölz" machte ihn bundesweit berühmt.

Erfolg und Prominenz brachten für Fischer private Schlagzeilen mit sich. Die Trennung von seiner Frau, mit der er zwei Töchter hat, beschäftigte die Klatschmedien genauso wie der jahrelange Rechtsstreit um ein Sex-Video. Auf der anderen Seite stehen zahlreiche Ehrungen - die Goldene Romy, der Bayerische Kabarettpreis, der Orden wider den tierischen Ernst und der Deutsche Comedypreis.

In Passau hat ein neues Kapitel begonnen

Mit dem Wegzug aus München hat für Fischer ein neues Kapitel begonnen. Die Passauer freuten sich, wenn sie ihm auf der Straße begegnen. "Noch lieber ist ihnen, wenn ich mit meiner Lebensgefährtin durch die Stadt gehe. Dann sprechen sie sie an, ob sie mich etwas fragen dürfen", sagt er amüsiert. "Die Leute fragen dann: 'Wie geht es ihm denn heute?'"

Ottfried Fischer

Ottfried Fischer