BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR/ STATIONEN
Bildrechte: BR/ STATIONEN

Bruder Peter Reinl aus dem Augustinerkloster Würzburg

Per Mail sharen

    Segnung homosexueller Paare - Widerstände innerhalb der Kirchen

    Während in der bayerischen evangelisch-lutherischen Kirche ein allgemeines Ja zur Segnung homosexueller Paare gilt, hat der Vatikan mit dem jüngsten Nein zur Segnung seine Position gefestigt. Es gibt innerkirchliche Widerstände gegen beide Haltungen.

    Per Mail sharen
    Von
    • Christian Wölfel

    Die Tatsache, dass an der Tür der Augustinerkirche in Würzburg ein Regenbogen prangt, ist für sich schon ein Statement nach dem jüngsten Nein des Vatikans zur Segnung homosexueller Paare.

    Dem Nein des Vatikans zum Trotz

    Da überrascht es nicht, dass zwei gleichgeschlechtliche Paare trotz des immer wiederkehrenden Neins aus Rom schon bei den Augustinern gesegnet wurden – in deren Hauskapelle, zuletzt 2015 Jürgen und Michael aus Nürnberg. Für Jürgen Engel als gläubigen Katholiken war damals klar, dass die Ehe mit seinem Mann Michael durch eine Segnung in der Kirche besiegelt werden sollte: "Wir wollten den Schritt, den wir hier machen, tatsächlich auch in der Kirche machen, weil es dazugehört. Zur Taufe, zur Kommunion, zur Firmung. Deshalb war das ein Schritt, den wir unbedingt gehen mussten und wollten." Über Freunde erfuhren Jürgen und Michael von der Offenheit der Augustiner für einen solchen Schritt. Beide waren begeistert.

    "Es ist toll, dass es immer noch so wie bei Asterix und Obelix ein kleines Dorf gibt, das sich immer noch so ein bisschen abhebt." Jürgen Engel

    Einladung statt Diskriminierung

    Die Anfrage hat damals bei den Augustinern etwas ausgelöst. Schon 2015 beschlossen sie: Wenn bei uns künftig homosexuelle Paare gesegnet werden, dann nicht mehr in der Hauskapelle, sondern in der Kirche – trotz des Verbots aus Rom.

    Der Augustiner Bruder Peter Reinl ist sich bewusst, dass diese Einstellung Widerstand innerhalb der Kirche auslöst, das dürfe auch gerne so sein, sagt er. Für sie sei es jedoch völlig naheliegend und selbstverständlich. "Ich will, dass Du bist" – nicht umsonst hat die Gemeinschaft dieses Zitat des Kirchenlehrers Augustinus direkt am Eingang der Kirche angebracht.

    "Dieses Zitat macht deutlich, in dieser Kirche gilt nicht: Ich will, dass Du gut bist, dass Du fromm bist, dass Du katholisch bist. Da steht eben auch nicht, ich will, dass Du heterosexuell bist. Hier steht: Ich will, dass Du bist. Ein Ort der Einladung und nicht der Diskriminierung." Bruder Peter Reinl, Augustiner

    Evangelische Kirche: Segnung ist Entscheidung des Pfarrers

    Im unterfränkischen Lohr am Main ist Till Roth der evangelische Dekan. Und er ist Vorsitzender des Arbeitskreises Bekennender Christen in Bayern. Er sagt: Als Christ und Pfarrer ist er im Denken und Handeln an die Bibel gebunden. Und dort steht, dass Gott den Menschen als Mann und Frau geschaffen hat.

    "Nach meinem Verständnis ist es von daher nicht möglich, gleichgeschlechtliche Verbindungen auf dieselbe Stufe zu stellen wie eine Ehe und im Namen Gottes zu segnen. Das ändert aber nichts daran, dass homosexuell empfindende und lebende Menschen gleichen Wert und gleiche Würde vor Gott und den Menschen haben." Dekan Till Roth, evangelischer Pfarrer

    2018 hat die bayerische Landessynode beschlossen, dass homosexuelle Paare gesegnet werden können. Doch es gibt einen Vorbehalt: Ein Pfarrer kann das aus Gewissensgründen ablehnen. Der Widerstand des Arbeitskreises Bekennender Christen hatte Erfolg. Till Roth würde jedoch weniger von Widerstand sprechen als dem Stehen zu einer Position, die von einer Minderheit in der evangelischen Kirche vertreten wird, sagt er: "Aber nicht statisch verstanden, als wenn wir nicht diskussionsfähig wären oder als wenn ich nicht dazulernen wollte. Aber es ist schon das Behaupten einer Position, die Gegenwind bekommt."

    Seine Haltung sei schwer zu vermitteln in einer zunehmend säkularisierten Gesellschaft, sagt Till Roth. Und trotzdem: Die Widerstände bleiben in den Kirchen – gegen beide Positionen.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!