BR24 Logo
BR24 Logo
Kultur

"Seelenlose Kommerzkacke" | BR24

© Henning Kaiser/dpa

Archivbild: Böhmermann bei der Verleihung der Grimme-Fernsehpreise

Per Mail sharen
Teilen

    "Seelenlose Kommerzkacke"

    Vor einem Jahr sorgte der TV-Satiriker Jan Böhmermann mit seinem Erdogan-Schmähgedicht für Wirbel, jetzt schießt sich er sich auf Preisverleihungen im deutschen Fernsehen ein. Jüngstes Opfer: der Echo, der am Abend vergeben wird.

    Per Mail sharen
    Teilen

    Der wichtigste deutsche Musikpreis ehre zu oft "seelenlose Kommerzkacke", beschwerte sich Böhmermann in einem Video, das auf der Youtube-Seite seiner Sendung "Neo Magazin Royale" zu sehen ist. Songs wie die des zweifach nominierten Sängers Max Giesinger zeichneten sich vor allem durch leere Songtexte und unverfängliche Inhalte aus.

    Die deutsche Popmusik der vergangenen Jahre sei vom Schlager kaum noch zu unterscheiden, so Böhmermann: "Gefühle abklappern, Trost spenden, Tiefe vorgaukeln, Millionen erreichen und verdienen und dabei immer schön unpolitisch und abwaschbar bleiben." Die Songs von "Gisinger und Co." seien "Bio-Musik aus industrieller Käfighaltung". Neben dieser "leeren guten Laune" kritisierte er Schleichwerbung in Musikvideos: "Ist der Echo eigentlich der Preis der deutschen Musikindustrie oder der Preis der deutschen Industriemusik?"

    "Ins türkische Fernsehen gewünscht"

    Böhmermann hatte sich schon kurz nach der Verleihung der Goldenen Kamera im März in seinem Spotify-Podcast über langweilige Preisverleihungen im Fernsehen beschwert: "Ich habe mich zwischenzeitlich in ein türkisches Gefängnis gewünscht, weil ich gedacht habe, es ist vielleicht unterhaltsamer und ein kleines bisschen spannender."

    Sänger Marius Müller-Westernhagen nimmt am Abend zwar einen Echo-Preis für sein Lebenswerk entgegen - aber mit gemischten Gefühlen. "Ab einem gewissen Alter kommt man dafür nun mal in Frage", sagte er der dpa. Der 67-Jährige sträubt sich aber dagegen, ein alternder Rockstar zu sein: "Um Gottes willen, das ist unwürdig!" Eine Karriere dürfe man nicht auf Ruhm und Erfolg bauen.