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Seehofer und die taz-Debatte sorgen für Empörung auf Twitter | BR24

© pa/dpa

Innenminster Horst Seehofer.

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    Seehofer und die taz-Debatte sorgen für Empörung auf Twitter

    Bundesinnenminister Horst Seehofer will wegen einer umstrittenen Kolumne über die Polizei in der "taz" Strafanzeige stellen. Seine Ankündigung sorgt nicht nur in den Medien für eine Kontroverse, sondern auch beim Kurznachrichtendienst Twitter.

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    Von
    • Agnes Popp

    "Ich werde morgen als Bundesinnenminister Strafanzeige gegen die Kolumnistin wegen des unsäglichen Artikels in der Berliner "Tageszeitung" über die Polizei stellen", sagte der CSU-Politiker am Sonntag der "Bild"-Zeitung. Dann zog Seehofer eine Parallele zwischen der taz-Kolumne und den gewalttätigen Ausschreitungen am Wochenende in Stuttgart: "Eine Enthemmung der Worte" führe "unweigerlich zu einer Enthemmung der Taten und zu Gewaltexzessen, genauso wie wir es jetzt in Stuttgart gesehen haben. Das dürfen wir nicht weiter hinnehmen." Das sorgte nicht nur für Empörung in der Politik und den Medien, sondern auch in den sozialen Netzwerken, allen voran auf Twitter. Nachdem es Kritik gehagelt hatte, kündigte Seehofer an, er wolle eine mögliche Strafanzeige von seinen Juristen prüfen lassen. Er bleibe aber bei seiner persönlichen Meinung.

    Darum ging es beim Streit mit der taz

    Die taz-Autorin hatte sich in ihrer satirischen Kolumne gefragt, was denn wäre, wenn die Polizei abgeschafft würde, der Kapitalismus aber nicht. Es ging in ihrem polemischen Text um berufliche Alternativen für Polizisten. Am Ende des Artikels kam die Autorin zum Schluss, dass Beamte doch am besten auf einer Mülldeponie aufgehoben wären. Klar ist: Als Provokation hat der Text funktioniert - ob es ein gelungenes Satire-Stück ist, daran zweifeln viele. Aber auch diejenigen, die die Kolumne für geschmacklos befinden, halten eine Strafanzeige für unverhältnismäßig.

    Böhmermann: "einer liberalen Demokratie unwürdig"

    Als einer der ersten prominenten Stimmen meldete sich der Satiriker Jan Böhmermann auf Twitter zu Wort. Er kritisierte Seehofer scharf: Mit dieser "gefährlichen Effekthascherei" beschädige Horst Seehofer nicht nur das Vertrauen in den Staat. "Welche Autorität hat ein Minister noch, der so eine Axt aus seinem Amt heraus an die Debatte setzen muss?" fragte Böhmermann. Er bezeichnete Seehofers Vorhaben als "autoritären Willkürakt" und Angriff auf die Pressefreiheit.

    In Anspielung auf den Streit über das Satire-Gedicht "Schmähkritik" von Satiriker Jan Böhmermann auf twitterte eine Userin:

    Reporter ohne Grenzen: Eindruck, dass Seehofer "einschüchtern" wolle

    Die Non-Profit-Organisation Reporter ohne Grenzen bezog ebenfalls deutlich Stellung und kritisierte Seehofers Ankündigung scharf:

    Beim Deutschen Presserat gingen aufgrund der Kolumne einige Beschwerden ein. Die Freiwillige Selbstkontrolle der Print- und Onlinemedien stellte klar:

    "Wer sich an Meinungsbeiträgen stört, kann sich an den Presserat als freiwillige Selbstkontrolle wenden." Deutscher Presserat

    Auch Häme blieb in der Debatte um Seehofers Gebahren nicht aus. So wunderte sich ein User, dass Seehofer offenbar zur Leserschaft der taz, die sich selbst als "linkes Nachrichten-Portal" bezeichnet, gehöre:

    Viele User halten die Satire zwar für misslungen, aber die Äußerungen des Innenministers für völlig unangemessen. Einige User sehen Seehofer als einen Politiker, der selbst bereits einige Male mit seinen zugespitzten und zynischen Bemerkungen die Öffentlichkeit irritiert habe.

    "Seehofer meint Migration sei die Mutter aller Probleme und freut sich breit grinsend, wenn 69 Afghanen an seinem Geburtstag abgeschoben werden. Der Mann kennt sich mit einer Enthemmung von Worten aus." User auf Twitter

    Das Blog Volksverpetzer sieht sich selbst als Medium, das über Hintergründe politischer und populistischer Narrative aufzuklären empörte sich besonders und holte zu einem Rundumschlag aus:

    taz: Angriff auf die Pressefreiheit

    Die taz selbst kontert auf Twitter - und zitiert dabei ihre Chef-Redakteurin Barbara Junge:

    "Als Bundesinnenminister ist #Seehofer für den Schutz der Verfassung zuständig und damit für die Freiheit der Presse. Seine Anzeige gegen unsere Autor:in ist ein beschämender Angriff auf die #Pressefreiheit." taz auf Twitter

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