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Scientology steht hinter Psychiatrie-Ausstellung in München | BR24

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In München, in den Räumen einer Boutique, fand knapp zwei Wochen lang eine Ausstellung über angebliche Missstände in Psychiatrien statt. Was man auf den ersten Blick nicht erkennt: Hinter der Ausstellung stehen Gelder und Mitglieder von Scientology.

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Scientology steht hinter Psychiatrie-Ausstellung in München

In München, in den Räumen einer Boutique, fand knapp zwei Wochen lang eine Ausstellung über angebliche Missstände in Psychiatrien statt. Was man auf den ersten Blick nicht erkennt: Hinter der Ausstellung stehen Gelder und Mitglieder von Scientology.

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"Psychiatrie – Nebenwirkung Tod" – das ist der Slogan, der auf den Schaufenstern in der Reichenbachstraße im Münchner Glockenbachviertel prangt. Der Raum ist dunkel gehalten. In verschiedenen Kapiteln und mithilfe von Videos berichten die Ausstellungsmacher von Menschen, die angeblich aufgrund ihrer psychiatrischen Behandlung auf teilweise grausamste Art und Weise sterben mussten. Der Tenor der Ausstellung: Psychiatrien seien keine Hilfe, sondern ein Geschäft, an dem Ärzte und vor allem die Pharmaindustrie verdienten.

Horror-Bilder von angeblichen Psychiatrie-Opfern

"Das wirkt sehr bedrückend, erschlägt einen erst mal, man kommt rein und sieht Bilder von gefolterten Menschen", sagt eine Besucherin der Veranstaltung, als sie die Bilder und Videos betrachtet. "Ich habe den Eingangsfilm gesehen, das wirkt sehr alt und amerikanisch. Ich habe mich gefragt, kann man die Systeme vergleichen? Es kam mir komisch vor." Was die junge Mutter – so wie die meisten anderen Ausstellungsbesucher auch – zunächst nicht wusste: Scientology hat etwas mit der Ausstellung zu tun.

Im Kleingedruckten eines Flyers und in einem der letzten Videos der Ausstellung wird beiläufig erwähnt, dass der Ausstellungsmacher, die "Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte" (KVPM), einst von Scientologen gegründet wurde. Und, dass die Ausstellung teilweise von Scientology bezahlt wird – auch das ist nur auf ausdrückliche Nachfrage zu erfahren.

Tarnorganisation von Scientology?

Für den Verfassungsschutz in Bayern ist die KVPM durch diese Verquickung eindeutig eine Tarnorganisation von Scientology. "Wir können nur davor warnen, sich in Kontakt zu den Scientologen zu begeben, auch unter diesem Deckmantel", sagt Verfassungsschutz-Sprecher Sönke Meußer. "Ziel von Scientology ist es, neue Mitglieder zu gewinnen. Momentan schätzt der Verfassungsschutz die Zahl der Scientologen in Bayern auf 1.200. Als Einzelner ist man gefährdet, Opfer von Manipulation zu werden, seelischen und vor allem finanziellen Schaden zu erleiden."

Mit Tarnung habe die Ausstellung nichts zu tun, wehrt sich der Präsident der KVPM und bekennende Scientologe Bernd Trepping und erklärt, weshalb er nicht offensiv auf Scientology verweist: "Scientology ist kein Thema, deshalb schreibe ich es auch nicht draußen an. Denn bei den Menschen kommen die schlimmsten und dümmsten Ideen, wenn sie dieses Wort hören, wegen der Kampagne des Verfassungsschutzes."

Auch Kirchenvertreter warnen

Doch nicht nur der Verfassungsschutz warnt. Auch die Beauftragten für Weltanschauungsfragen der Kirchen. Die KVPM sei nicht die einzige Organisation hinter der Scientologen stehen und die regelmäßig in Erscheinung treten, betont Bernd Dürholt, Sektenbeauftragter der evangelischen Landeskirche: "Es gibt Vereine wie 'Sag nein zu Drogen – sag ja zum Leben' oder auch 'Jugend für Menschenrechte' – das sind Themen, die Menschen ansprechen, und schon kann ich ins Gespräch kommen." Nur wer aktiv nach Zusammenhängen zu Scientology sucht, kann sie finden – auf den ersten Blick jedoch sind sie nicht zu erkennen.

Moni aus München ist jedenfalls froh, dass sie durch Bernd Dürholt beim Besuch der Ausstellung auf den Hintergrund hingewiesen wurde. Denn beinahe hätte sie ihre Adresse weitergegeben, um an eine Liste von Heilpraktikern zu kommen, die die Ausstellungsmacher empfehlen. Jetzt lässt sie lieber die Finger davon. "Was ich bislang über Scientology gehört habe, finde ich nicht gut und damit will ich nichts zu tun haben."

Die Ausstellung im Münchner Glockenbachviertel ist seit 30. Juli 2019 geschlossen.

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