BR24 Logo
BR24 Logo
Kultur

Schwul im Kloster: Wenn sich Gefühle nicht wegbeten lassen | BR24

© BR

Schon als Kind fühlte sich Johann Bannat dazu berufen, Gott zu dienen. Seine Homosexualität versucht er zu verdrängen und denkt, das Leben im Zölibat würde das schon regeln. Doch im Kloster wird er mit seinen Gefühlen konfrontiert.

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Schwul im Kloster: Wenn sich Gefühle nicht wegbeten lassen

Schon als Kind fühlte sich Johann Bannat dazu berufen, als Mönch Gott zu dienen. Seine Homosexualität versucht er zu verdrängen und denkt, das Leben im Zölibat würde das schon regeln. Doch im Kloster wird er mit seinen Gefühlen konfrontiert.

Per Mail sharen
Teilen

Er wollte seine Träume im Kloster verwirklichen, in St. Ottilien in Oberbayern. Das hat Johann Bannat schon in seiner Kindheit beschlossen, als er noch Ministrant war - mit Herz und Leidenschaft, wie er sagt. "Als kleiner Bub mit sechs Jahren war ich in der Kirche und ein Benediktiner hat eine leidenschaftliche Predigt über die Mission gehalten", erzählt Bannat, "ich bin nach Hause und hab zu meiner Mutter gesagt: Ich werde Missionsbenediktiner.

"Schwulsein hat es damals nicht gegeben"

Johann Bannat wächst Mitte der 1960er Jahre in der Nähe von Osterhofen in Niederbayern auf. Die Familie, das ganze Umfeld, ist katholisch geprägt. Als er in die Pubertät kommt, ist er verwirrt: Fühlt er sich zu Frauen hingezogen oder zu Männern? "Die Erziehung war damals so: Schwulsein hat es nicht gegeben", erinnert sich Bannat. "Ich habe es zuhause geheim gehalten, dann bin ich ins Kloster gegangen - auch mit der Hoffnung, dass es sich mit der Zeit legt."

Doch es legt sich nicht, schon gar nicht in der engen Gemeinschaft eines Männerordens. "Wenn da ein Mann gekommen ist, der dir gefallen hat, dann sind die Gedanken da." Johann Bannat versucht wegzubeten, was nicht sein darf. Er kämpft gegen seine Neigung, legt die ewige Profess ab. Doch dann verliebt er sich in einen Mann außerhalb des Klosters. Ihm wird klar, dass er nicht im Kloster bleiben kann. "Weil ich möchte eine Partnerschaft haben, nicht hinter verschlossen Türen, sondern offiziell."

Coming-Out und Austritt aus dem Benediktiner-Orden

Einer der schwersten Schritte im Leben von Johann Bannat: Er tritt aus dem Kloster aus. Beruflich findet er Arbeit in der Altenpflege. Privat fehlt ihm die Gemeinschaft des Ordens. "Man fällt in ein riesengroßes Loch, ist alleine gelassen, wird nicht mehr getragen", sagt Bannat, "das Kloster hat dich freigegeben, und du musst deinen Lebensweg ganz neu von Null starten."

Johann Bannat findet schließlich einen Partner, zieht mit ihm zusammen, doch nach sieben Jahren zerbricht die Beziehung. Er verzweifelt, denkt sogar an Selbstmord. "Ich habe angefangen, Tabletten zu sammeln, doch am Schluss habe ich gedacht: Warum? Das Leben geht weiter." Sein Glaube gibt ihm die Kraft, noch einmal neu anzufangen. Einen Beruf zu finden, der ihm Sinn gibt. Mit 40 Jahren wird Johann Bannat Bestatter, arbeitet bei einem Starnberger Familienbetrieb. Seine Familie ist ihm keine Stütze:

"Meine Schwester akzeptiert es bis jetzt nicht, mein Vater so und so nicht, meine Mutter hat gemeint, sie muss es mit Rosenkranz weg beten. Und meine andere Schwester akzeptiert mich so, wie ich bin. Sie sagt, das ist dein Leben, ich lebe mein Leben " Johann Bannat

"Es ist nie zu spät zu sagen, ich bin schwul"

Über seine sexuelle Orientierung kann er mittlerweile offen sprechen. "Am Anfang war es schwierig", sagt Bannat, "aber ich habe gesagt, wer mich frägt erfährt es, und damit bin ich gut gefahren." Als Single ist er mit sich selbst im Reinen. Zur Ruhe kommt er beim Wandern. Die vielen Zweifel und Rückschläge in seinem Leben haben Johann Bannat stark gemacht, er steht zu sich - auch ohne familiären Rückhalt. "Es ist nie zu spät zu sagen, ich bin schwul. Weil es einen innerlich zerreißt, sich etwas vorzuspielen, was nicht ist."

"Es ist nie zu spät": Diese und andere Geschichten sehen Sie in STATIONEN am 27. November 2019 im BR Fernsehen oder in der BR Mediathek.