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Schwere Sexismus-Vorwürfe im Vorfeld der Grammy-Verleihung | BR24

© picture alliance/Everett Collection

Deborah Dugan bei den Latin Grammy Awards in Las Vegas am 14. November 2019

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    Schwere Sexismus-Vorwürfe im Vorfeld der Grammy-Verleihung

    Wenige Tage vor der Verleihung der Grammy Awards gerät der wichtige US-Musikpreis in den Fokus der Metoo-Debatte. Die kürzlich suspendierte Chefin Deborah Dugan behauptet, sie sei aus Rache ihres Amtes enthoben worden.

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    Ex-Grammy-Chefin Deborah Dugan erhebt nach ihrer Suspendierung schwere Vorwürfe gegen die Akademie, die einen der wichtigsten Musikpreise der Welt vergibt. Vergangene Woche ist die 61-Jährige überraschend beurlaubt worden – nur zehn Tage vor der Verleihung der Grammys. Damals hieß es, der Grund für ihre Freistellung seien Berichte über "Fehlverhalten", die geprüft werden müssten.

    In einer am Dienstag publik gemachten 44-seitigen Beschwerde schrieb Dugan jetzt, dass sie aus Rache suspendiert worden sei. Sie habe sich bei der Akademie über sexuelle Belästigung, Unregelmäßigkeiten bei den Nominierungen für die Grammys sowie anderes Fehlverhalten beschwert. Außerdem sei sie gebeten worden, ihren Vorgänger Neil Portnow als Berater anzustellen – trotz Vorwürfen, er habe eine ausländische Musikerin vergewaltigt. Dies sei offenbar auch der wahre Grund dafür gewesen, dass sein Vertrag nicht verlängert worden sei.

    Aussage gegen Aussage

    Bereits am 22. Dezember habe sie per Mail den Chef der Personalabteilung darüber informiert, dass sie selbst von einem beratenden Anwalt für die Akademie sexuell belästigt worden sei. Zudem habe sie sich in der E-Mail unter anderem über Interessenskonflikte und Unregelmäßigkeiten bei den Nominierungen für den Musikpreis beschwert, die auf eine von Männern dominierte Mentalität innerhalb der Organisation zurückgingen. Dugan hatte anschließend rechtliche Schritte angekündigt.

    Die Akademie widersprach Dugans Angaben. Es sei "merkwürdig", dass Dugan ihre schweren Vorwürfe erst erhoben habe, nachdem eine Mitarbeiterin sie des Mobbings beschuldigt habe und sich über eine "giftige und untragbare Arbeitsatmosphäre" beklagt hatte. Überdies sei die Suspendierung erst erfolgt, nachdem Dugan ihren Rücktritt angeboten und 22 Millionen Dollar von der Akademie gefordert habe, die eine gemeinnützige Organisation sei.

    Neuanfang auf der Kippe

    Dugan war als erste Frau an die Spitze der Grammy-Akademie berufen worden. Zuvor hatte sie als Geschäftsführerin für (RED) gearbeitet, eine von U2-Sänger Bono mitgegründete Non-Profit-Organisation, die sich dem Kampf gegen Aids verschrieben hat. Dugan hatte das Amt im vergangenen Sommer von Portnow übernommen, der mit Äußerungen über die männliche Dominanz bei den Grammys eine Kontroverse ausgelöst hatte. Portnow hatte gesagt, Frauen sollten sich mehr "anstrengen", um Anerkennung zu bekommen.

    Die diesjährigen Grammys sollten die ersten unter Dugans Leitung werden. Die begehrten Musikpreise, die weltweit zu den wichtigsten Auszeichnungen der Branche zählen, werden am Sonntag in Los Angeles verliehen. Unter den Favoriten sind die achtfach nominierte Sängerin und Rapperin Lizzo, die 18-jährige Musikerin Billie Eilish und Rapper Lil Nas X.

    Geschrieben mit Material der dpa.

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