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Samuel Meffire

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    Schwarzer in der DDR: Disney verfilmt Leben von Ex-Polizist

    Samuel Meffire arbeitete als Polizist in Sachsen und warb für Toleranz gegenüber Ausländern. Dann rutschte er ab, ging sieben Jahre in den Knast und arbeitete danach als Autor und Pädagoge. Nun macht Disney aus seiner Geschichte einen TV-Achtteiler.

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    Von
    • Peter Jungblut

    Kein Zweifel, Stoff genug für eine achtteilige Serie enthält dieses wechselhafte Leben auf jeden Fall. Nicht von ungefähr wurde Samuel Meffire seit Anfang der neunziger Jahre immer wieder von den Medien befragt, im Dokumentarfilm "Dreckfresser" (2000) porträtiert und für den Film "Black Deutschland" 2006 interviewt. Jetzt interessiert sich sogar Disney für den Werdegang des in Zwenkau bei Leipzig geborenen Schwarzen, der in der Schule als "Niggerkind" übel beschimpft, von Skinheads aus der Straßenbahn geworfen und schließlich bei einem Sondereinsatzkommando der Polizei angestellt wurde.

    Offenbar hat sich das Auf und Ab in Meffires Biographie bis nach Hollywood herumgesprochen, jedenfalls will Disney für seinen Streamingdienst daraus die Serie "Sam, ein Sachse" machen, ausdrücklich mit dem Anspruch, die "wahre Geschichte" darzustellen. TV-Produzent Jörg Winger, der sich mit "Deutschland 83" einen Namen machte, ist von dem Stoff begeistert und sagte dem BR zu dem Vorhaben: "Für mich geht ein langjähriger Traum in Erfüllung. Vor etwa zehn Jahren brachte Tyron Ricketts diese Geschichte zu mir – als er einen schwarzen ostdeutschen Polizisten in unserer Serie SOKO LEIPZIG spielte. Wie in jeder wichtigen Beziehung ist auch in unserer Branche das Timing entscheidend, und nun ist die Zeit endlich reif für die faszinierende Geschichte von Sam. Mein Team bei Big Window und ich sind sehr glücklich, diesen aufregenden Weg jetzt gemeinsam mit Disney Star zu gehen."

    Erster Schwarzer bei der Dresdner Kripo

    Meffires Vater stammt aus Kamerun, seine Mutter glaubte an den DDR-Sozialismus. Der Vater starb unter ungeklärten Umständen bereits vor Samuels Geburt, die Mutter soll überzeugt gewesen sein, dass er von Mitstudenten in Leipzig "vergiftet" worden war. Als Jugendlicher sah sich Meffire gleichzeitig schlimmstem Rassismus ausgesetzt und vom Staat gefördert, denn er durfte im "Leistungskader" der Kanuten trainieren. Nach einer Maurerlehre ging er zur Volkspolizei, unterbrach die Ausbildung für eine USA-Reise, versuchte sich zwischendurch als Nachtwächter und Krankenpfleger. Als erster Schwarzer in Ostdeutschland wurde er schließlich bei der Kripo in Dresden angestellt und war bald sogar Model für eine Anzeigenkampagne gegen Ausländerfeindlichkeit.

    © Matthias Hiekel/Picture Alliance
    Bildrechte: Matthias Hiekel/Picture Alliance

    Meffire beim Strafprozess in Dresden

    Weil er sich im Verwaltungsalltag bei der Polizei langweilte - Kollegen behaupteten, es habe ihm die "Action" gefehlt - machte er eine Sicherheitsfirma auf, glitt ab ins Rotlichtmilieu, war an Überfällen beteiligt und setzte sich nach Paris und in den Kongo ab. Dort erkrankte er an Malaria. Nachdem er sich gestellt hatte, verurteilte ihn das Landgericht Dresden zu zehn Jahren Haft, von denen er knapp sieben in der JVA Fuhlsbüttel bei Hamburg verbüßte.

    "Ich habe dunkle Momente"

    Danach schrieb er seine Memoiren, Titel: "Durch das Rauhe zu den Sternen" und weitere Bücher, darunter etliche Krimis. Der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sagte Meffire 2014 in einem Interview: "Es ist wichtig zu sehen, wer ich vorher war und wie das alles kam. Es gab einen Prozess, der zum Sport führte, einen Prozess, der zur Polizei führte, und auch einen, der zu den Überfällen führte. Meine Mutter mit ihrem Unverhalten, ihr Vater mit seinen Kriegserfahrungen, sie gab mir keine Liebe, er gab ihr keine Liebe. Ich stecke noch im Prozess der Aufarbeitung. Ich habe dunkle Momente. Flashbacks vom Kongo, von den Überfällen. Es gibt Dinge, die kann ich mit meinem Sprachvermögen nicht in Form bringen. Es gibt Dinge, auf die habe ich keine Antwort."

    Jahrelang engagierte sich Meffire als Erlebnispädagoge für straffällig gewordene Jugendliche, für Flüchtlinge und Rettungssanitäter. Es gibt also mehr als genug zu erzählen über diesen Mann, der wohl immer Vorbild sein wollte und daran mindestens einmal spektakulär scheiterte.

    Disney hat sich für die nächste Saison übrigens noch ein zweites Projekt vorgenommen: "Sultan City", eine Tragikomödie über einen deutsch-türkischen Verbrecher-Clan, in dem die unbescholtene Mutter plötzlich die Geschäftsleitung übernimmt.

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